Semmelhack, W,: Die Regenverhältnisse von Debundscha in Kamerun, 153
Überblickt man diese beiden Zusammenstellungen und ihre graphischen
Darstellungen (Fig. 1 und 2 auf Tafel 22), so springen deutlich zwei Maxima
des Regenfalls um 1902 und 1919 ins Auge. Weniger scharf ausgeprägt sind
die um die annähernd gleiche Zeitspanne von 17 Jahren voneinander getrennten
Minima um 1909 und 1927. Ob jedoch diese Periode als reell anzusehen und
mit der von A. Wagner!) für die Temperatur aufgewiesenen 16 jährigen
Schwankung in Einklang zu bringen ist, läßt sich zur Zeit nicht entscheiden.
Auch für den Nachweis der 35 jährigen Brückner?)-Schwankung reicht das
Material noch nicht aus. ‚Jedenfalls wäre es verfrüht, aus der Zugrundelegung
der in den Übersichten 7 und 8 mitgeteilten Lustrenmittel in eine Erörterung
dieser Frage einzutreten.
Da die Regenmessungen von Debundscha drei Sonnenflecken-Perioden um-
lassen, ist versucht worden, der viel erörterten Frage nach dem Zusammenhang
zwischen der Regenmenge und der Häufigkeit der Sonnenflecken näher zu treten,
zumal eine solche Untersuchung einer tropischen Station geeignet erscheint,
weitere Klärung zu bringen. Dem Vorgange Meldrums?) und Hellmanns*®)
folgend, wurden die Jahre der Sonnenflecken-Minima 1901, 1913 und 1923 als
Mitte der 11 jährigen Periode genommen, von der aus je sechs Jahre vorwärts
und rückwärts gezählt wurden, so daß jede Periode aus 13 Jahren besteht.
Diese reduzieren sich bei der Ausgleichung auf 11. Für die Sonnenflecken-
Häufigkeit wurden die Wolferschen Zahlen zugrunde gelegt (Übersicht 9).
Übersicht 9. Ausgeglichene Relativzahlen der Sonnenflecken.
—5 | —a | —8 —2 | —1 | Min. |+1 | +2 | +3 | +4 +5
57.1 | 43.4 | 29.0 | 17.1 | 9,7 | 8.1 | 17.0 | 35.7 | 54.7 | 66.5 | 67.4
Werden in entsprechender Weise die einzelnen jährlichen Regenmengen
nach der Sonnenflecken-Periode angeordnet, so erhält man nach Ausgleichung
folgende Übersicht 10:
Übersicht 10. Ausgeglichene jährliche Regenmengen in Prozenten des Normalmittels 1896—1930,
geordnet nach der Sonnenflecken-Periode,
— | 8 | -—2 | —ı | Min ] +1 | +2 | +8 | +4 | +5
0 | 102 | 98 | oa | 04 | 104 | 112 | 200 | 200 | 97 | 99
u |
Beide Übersichten sind in Figur 3 (Tafel 22) graphisch dargestellt. Es
ergibt sich alsdann folgendes Bild: In Übereinstimmung mit den Befunden in
anderen Gebieten der Erde stellt sich das Hauptmaximum des Niederschlages
ein um die Zeit des Minimums der Sonnenflecken-Häufigkeit, während ein zweites,
niedrigeres Maximum mit der größten Fleckentätigkeit zusammenfällt. Daneben
iritt in Debundscha noch ein weiteres, das letztere überragendes Maximum auf.
Das Zustandekommen des Hauptregenmaximums mag seine Erklärung darin
Äinden, daß — wie Köppen®), Mielke®), Dilger”’) u. a. nachgewiesen haben —
die mittlere Temperatur im Tropengebiet zur Zeit der Fleckenminima oder
bald danach höher ist als in den Jahren um das Fleckenmaximum. Erhöhte
1) A, Wagner: Eine bemerkenswerte 16 jährige Klimaschwankung. Sitz,-Ber. Akad, Wiss.
Wien 1924. — % E, Brückner: Klimaschwankungen seit 1700, Wien 1890. — %) Ch. Meldrum:
On a periodieity in the frequency of cyclones in the Indian ocean south of the equator. Report Brit,
Assoc, Not. and abetr. Brighton 1872, S. 56ff. — *) G. Hellmann: Die Niederschläge in den
Norddeutschen Stromgebieten, I, Band, Berlin 1906, S. 335 ff. — Ders.: Untersuchungen über die
Schwankungen der Niederschläge, Abh. Preuß. Met. Inst, Bd. III, Nr. 1. Berlin 1909, S. 73ff. —
5 W, Köppen: Über mehrjährige Perioden der Witteruug usw. Österr. Zeitschr. fi. Meteorol. 1873,
1881. — Ders.: Lufttemperaturen, Sonnenflecke und Vulkanausbrüche, Met, Zeitschr. 1914. —
8) J. Mielke: Die Temperaturschwankungen 1870—1910 usw. Archiv, d. Dtsch, Seew, Hbg. 1913,
Nr. 3. — 9 F. Dilger: Die elfjährige thermische Welle auf der Erdoberfläche, Gerl. Beitr, z.
Geophysik. Ba. 30, Leipzig 1931,