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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 61 (1933)

142 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai/Juni 1933. 
es nicht zu tun, sondern unsere Zielfahrt mach dem ferneren Osten durchzu- 
führen, Der Abwurf von vielleicht 2 bis 3 Sack Ballast zwischen 3 und 4 Uhr 
morgens hätte uns in höhere Schichten gebracht und den nötigen Rechtsdreh 
gegeben, um die verhältnismäßig breite Insel Bornholm zu überfahren und auf 
ihr an geeigneter Stelle zu landen! 
Auf die Schönheit und Romantik dieser nächtlichen Fahrt über See sei 
hier nur hingewiesen. An Schlafen war nicht zu denken. Mein Begleiter legte 
sich allerdings einmal für eine halbe Stunde zwischen 2 bakteriologischen 
Messungen (vgl. Teil IV) auf den Boden des Korbes nieder, Weithin leuch- 
teten die Feuer der südschwedischen Küste und Rügens, mittels deren wir von 
Zeit zu Zeit mit dem Linealpeilkompaß!) unsere Position bestimmten und in 
die Karten eintrugen, Von der Wiedergabe der verschiedenen Kreunzpeilungen, die 
ans ein navigatorisch befriedigendes Sicherheitsgefühl gaben, sei der Raumersparnis 
wegen abgesehen. In der Morgendiämmerung‘ um 2.50 Uhr wurde die schwedische 
Küste links vor uns sichtbar, Um 3.24 Uhr ging die Sonne als feuriger Ball 
auf, verschwand aber schon nach wenigen Minuten wieder ganz hinter der Stratus- 
decke, die den Himmel zu mehr als %,, bedeckte, Dies war uns vom fahrtech- 
nischen Standpunkt aus nur angenehm. Unser Kurs nach Ost zu Nord führte 
in einem immer geringer werdenden Abstande von etwa 20 bis 8 km an der 
Südküste von Schweden entlang. Hier überholten wir zwischen 8 und 5 Uhr 
viele Dampfer, einzelne kreuzten quer, z. B. ein hoch mit Holz beladener Dampfer 
nach Rügen, andere, auch ein Kriegsschiff, kamen uns entgegen, und wir konnten 
ihnen mit Tüchern zuwinken, da wir zeitweise nur in 100 m Höhe waren, 
Wir nahmen an, daß sich diese Dampfer über uns funkentelegraphisch unter- 
hielten und unsern Standort und Kurs an andere Schiffe und Landstationen 
weitergeben würden, so daß auch die heimische Startleitung auf diesem Wege 
von uns und unsrer Position unterrichtet war. Einen Sender hatten wir nicht 
an Bord, auch nicht Empfangsgerät, Daß man sich in der Heimat schon Sorgen 
um unsern Verbleib machte, sogar Flugzeuge von Warnemünde aus ausschickte, 
uns zu suchen, ahnten wir nicht. 
Am Morgen stärkte uns heißer Kaffee aus der in zerknülltes Zeitungspapier 
gewickelten Thermosflasche, Um 6 Uhr, wie genau berechnet, passierten wir 
die durch eine steile Granitwand begrenzte Nordspitze von Bornholm in etwa 
6 km Entfernung; den Hammeren Leuchtturm und die Häuser von Sandvig 
konnten wir mit freiem Auge erkennen. 166 km Seefahrt hatten wir seit Ver- 
Jassen des letzten Landes, der Insel Möen, in 4 Stunden 19 Minuten mit einer 
Stundengeschwindigkeit von 838.5 km zurückgelegt. Diese war also etwas 
geringer geworden, da wir meist tiefer gefahren waren. In Zukunft mußten 
wir also das Tieffahren vermeiden, 
Von hier bis Memel—Libau hatten wir noch etwa 400 km, bis Samland nur 
340 km. Wir nahmen daher an, daß wir von nun an in spätestens 10 Stunden 
die Ostseite der Ostsee erreichen würden. Da wir aber vorhatten, uns von der 
Sonne und Tageserwärmung hochziehen zu lassen, konnten wir mit Rechtsdreh, 
größerer Geschwindigkeit und kürzerer Zeit rechnen. 
Von Bornholm und Christiansö liegen folgende Windbeobachtungen vor, die 
mir freundlicherweise das Dänische Meteorologische Institut mitgeteilt hat: 
27 Juni 1932 
Hammeren Leuchtturm . 
Sandvig . . . 2. 
Dueodde Leuchtturm. . 
Christiansö U 
20 Uhr | 24 Uhr 
W 4 
Ws 
| 
W 3 
W 3 
4 Uhr 
WSW 2 
WSW 2 
Uhr | 
W 3 
WSW 3 
WSW 3 
WSW 2 
14 Uhr 
| 
W 3 
WSW 3 
W 3 
WSW 2 
l ‘ . 4 
Man sieht auch hieraus, und zwar noch deutlicher als aus unserer Fahr- 
geschwindigkeit, daß der Wind in Meeresnähe während der Nacht schwächer 
geworden war, Während unten WSW 2 bis 3 (15 km/Std) wehte, flog der Ballon 
= 1) Vgl Ann. d, Hydr. 1932, 8, 481,
	        
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