accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: 61, 1933

Kleinere Mitteilungen, 
133 
rechtigung!!) Wichtig ist für den schauenden und schildernden Beobachter 
die notwendige Selbstkritik; journalistische Superlative streiche man in seiner 
Niederschrift, wenn man sie einer wissenschaftlichen Zeitschrift einsendet. Schlimm 
wird die Schilderung, wenn der Beobachter — ohne die nötigen Kenntnisse zu 
haben — glaubt, sie „wissenschaftlich ausstatten“ zu müssen: 
„Das Klima ist ozeanisch ... mit täglichen Schwankungen von 19 bis 35°.“ — „Die 
Hurracanes nehmen ihren Anfang im Karibischen Meer oder im Golf von Mexiko.“ — 
„Das Barometer fällt (beim Vorübergang eines solchen) urplöfzlich auf den Nullpunkt.“ (Bei 
der ungeheuren Fallgeschwindigkeit werden wahrscheinlich gelegentlich negative Luftdruckwerte 
erreicht.) — „Im Sturmzentrum, das mit äußerster Schnelligkeit in bestimmter Richtung 
dakinrast“ (mit 5 bis 7 m/sec.). 
Dieser Auszug aus einer wissenschaftlichen Abhandlung, die vor wenigen 
Jahren in den Veröffentlichungen einer angesehenen geographischen Körperschaft 
erschien, mag als Musterbeispiel dafür dienen, wie nicht beschrieben werden 
soll: das ist nicht die Schilderung eines Wissenschafters, sondern eines dilet- 
tierenden „Magazin“-Wissenschaftlers. Gerhard Castens. 
6. Zıuv und Lee. Stenzel, Deutsches seemännisches Wörterbuch, Berlin 1904: Luvy oder 
Luvseite = „die Seite, von welcher der Wind kommt“; Lee = „die der Luvseite entgegengesetzte 
Seite , . . oder die Richtung, nach welcher der Wind hinweht“, 
Kluge, Seemannesprache, Halle 1911: Luv, Luvseite = „‚Seite des Schiffes, auf die der 
Wind trifft“; Lee = „die dem Winde nicht zugekehrte Seite des Schiffes“ — „alles, was man in 
der Gegend sicht, nach welcher der Wind hinweht, liegt in Lee (Röding)“, 
Banse, Lexikon der Geographie Braunschweig 1923: Luy = ‚„‚die Seite des Schiffes, der Küste, 
[Insel usw., die vom Winde getroffen wird“; Lee = „die dem Winde abgekehrte Seite eines Schilfes, 
einer Insel, Küste usw.; in Bergländern die Wind- und Niederschlagsseite‘“! 
Wasmund, Die Strömungen im Bodensee (Internat. Revue der ges, Hydrobiologie n. Hydrographie, 
Leipzig 1927/28, Bd, 18 u. 19): „In der Strömungsliteratur herrscht ein arger Wirrwarr im Gebrauch 
der Worte Lur und Lee. Einmal wird Luv, wie es richtig ist, für das Auftreffen der Brise am See 
gebraucht, dann aber auch für das Auftreffen an der Brandungsküste, die ja von dieser Landseite 
zus gesehen tatsächlich in Luv steht. Ebenso wird dieselbe Küste so genannt wegen des Auftreffens 
des windproduzierten Staustroms, oder die andere wieder wegen des hier zuerst auflaufenden Rück- 
stroms, Es scheint mir Konsequenz nötig. Der See muß das Objekt sein, von dessen Lage aus die 
Termini gebraucht werden, nicht der ganz verschieden mögliche und zutällige Stand eines Menschen, 
Ich gebrauche Lur und Lee nur für Ströme, die mit dem Wind zusammenhängen, denn dann sind 
sie eine Funktion der Windrichtung und können picht für sich die dann umgekehrte Benennung 
yeanspruchen. Luvküste ist die Küste, wo Wind und Oberstrom das Land verlassen und wo der 
Rückstrom auftaucht.‘ 
Für den Seemann auf 
dem Schiff S, liegt die Fest- 
landsküste A in Lee; die 
[nselküste B ist für ihn 
Luvküste. 
Für die Bewohner der 
Insel sind B und D Lee- vn Anlkthkklkh Rh MMM MM Uikehzeänsan ndrnehedeRAKLMA MUT HE Chalet 
küsten, die vom Winde getroffene Küste € ist ihre Luvküste. 
E ist die vom Wind getroffene Seite des Berges, also (trotz Banse) seine Luv- 
seite; F ist seine Leeseite. Für das benachbarte Tal und dessen Bewohner ist 
F die Luvseite des Tales, 
Die Luvküste D des Seemanns, OÖzeanographen und meteorologischen Forschers 
auf Schiff S, ist die Leeküste des in D wohnenden ehemaligen Kapitäns und 
jetzigen meteorologischen Beobachters, 
Der „Wirrwarr“ ist nach diesen Beispielen nicht ganz unbegründet. Er 
wird auch nicht beseitigt durch die zunächst annehmbar erscheinende paradoxe 
Formel: die „Leeseite“ des Seemanns, Ozeanographen und Seenforschers ist die 
„Luvseite“ des Meteorologen und Landbeobachters. Am sichersten geht der 
Wissenschafter, wenn er die Verwendung der Begriffe Luv und Lee trotz ihrer 
seemännischen Eindeutigkeit vermeidet. Gerhard Castens 
Vgl. Ann. der Hydr. 1927, S, 328, Ziff. 5. 
SE
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.