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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1933.
Ein Widerstandsthermometer zur Messung von Temperaturen im Meere.
Von 6. Böhneeke, Berlin,
(Hierzu Tafel 16.}
Obwohl elektrische Widerstandsthermometer in der Meereskunde schon ziem-
lich früh in Gebrauch waren — C, W. Siemens hatte bereits 1866 ein solches
Instrument angegeben —, haben sie sich offenbar infolge gewisser Mängel nicht
voll einbürgern können, Denn seit ihrer Verwendung durch v. Drygalski auf
der „Gauß“ sind wiederum etwa 25 Jahre vergangen, bis sie auf der Deutschen
Atlantischen Expedition mit dem „Meteor“ wenigstens für die Messung der
Temperatur der oberflächennahen Schichten benutzt wurden?).
Die Mängel der früheren Instrumente bestanden vor allem in der zu geringen
Meßgenauigkeit, So betrugen z. B. die Differenzen einer Reihe von Parallel-
messungen mit Quecksilber- und Widerstandsthermometer auf der „Valdivia“ bis
zu 2°C. Auch das kürzlich von Laboureur®*} für Fischereizwecke angegebene
Instrument scheint für ozeanographische Arbeiten nicht auszureichen. Hinzu
kam, daß die Handhabung der langen Kabel, die im Wasser bei Strom stark
abtrieben, nicht einfach war, Es mag gleich gesagt werden, daß dieser letztere
Übelstand auch heute noch bis zu einem gewissen Grade besteht, obwohl die
neuen von Spezialfirmen hergestellten Gummiader kabel nur einen relativ geringen
Querschnitt und eine glatte Oberfläche haben, somit dem Wasser geringeren Wider-
stand bieten, Sie treiben daher weniger stark ab, besonders wenn man darauf
verzichtet, mit sehr langen Kabeln zu arbeiten, also in geringerer Tiefe messen will.
Da außerdem die Gradienten der Temperatur in den oberen Schichten des Meeres
(Troposphäre) am stärksten ausgebildet sind und die Verlagerung der Sprung-
schicht durch interne Wellen usf. auch bedeutende zeitliche Änderungen der
Temperatur bedingt, die mit den bisherigen Meßmethoden nur sehr schwer zu
erfassen sind, ist der Wirkungsbereich des neuen Thermometers, das auf eine
Anregung von A. Defant zurückgeht, zunächst bewußt auf die Messungen der
Verteilung der Temperatur und ihrer Änderungen in diesen oberen Schichten
beschränkt worden, Eine Vorrichtung für die gleichzeitige Feststellung der Meß-
tiefe ist beabsichtigt, konnte bei dem vorliegenden Modell jedoch noch nicht
ausgeführt werden,
Das Widerstandsthermometer, das von den Askania-Werken Berlin in
Zusammenarbeit mit dem Verfasser entwickelt worden ist, benutzt die Tatsache,
daß der elektrische Widerstand von Drähten aus reinem Metall sich mit wech-
selnder Temperatur ändert. Diese Widerstandsänderungen werden mit Hilfe der
bekannten Wheatstoneschen Brücke, die nach der Ausschlagmethode arbeitet,
gemessen. Das Schaltschema der Anlage ist in Abb, 1 dargestellt, Hier bedeuten
W, und W, die Brückenwiderstände, W, den Vergleichswiderstand und WW, den
Meßwiderstand (das Thermometer), der unter dem Einfluß der im Meere vor-
handenen Temperatur seinen Widerstand ändert und diese Änderungen durch
das Kabel Ka, auf das Galvanometer & überträgt. Die Ausschläge des Galvano-
meters sind ein Maß für die Temperatur, in der sich W, befindet, da Galvano-
meterausschlag, Brückenstrom, Widerstand und Temperatur von W, für die hier
in Frage kommenden kleinen Bereiche in einem linearen Verhältnis zueinander
stehen. Da das Kabel Ko, ebenso wie WWF”, unter dem Einfluß der durchfahrenen
Wasserschichten verschiedener Temperatur Widerstandsänderungen unterliegt und
damit die Messungsergebnisse fälschen würde, ist in dem gegenüberliegenden
Brückenzweig ein gleichartiges Blindkabel X@, eingeschaltet, das die gleichen
Temperatear- und Widerstandsänderungen erfährt wie Ko,. Die Einflüsse der
'}) Eine ausführliche Angabe der Literatur findet sich in: G. Böhnecke: Die Temperaturmessung
an der Oberfläche und in der Tiefe, Wiss, Ergebn, der Deutschen Atlantischen Expedition auf dem
Forsch.- u. Verm.-Schiff „Meteor“ 1925—=27. Bd, IV,1. Berlin 1932. — 2% Laboureur: Thermö-
electrie Sounder, The Hydrographie Review V1I,2. Monaco 1923. — Laboureur: Une nouvelle
methode pour ia mesure des Temperatures et des salinitres sous-marines, Rerue des Travanx de l’Office
des Päches maritimes 1V,3. Paris 1931.