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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 61 (1933)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1933. 
Zur Psychrometerfrage. 
Von M. Robitzsch, Lindenberg. 
Herr Bongards hat in einer Arbeit „Die Hülle des feuchten Thermometers“, im Juliheft der 
Annalen der Hydrographie, zwei Arbeiten von mir kritisch besprochen: 
1. Über einen systematischen Fehler bei psychrometrischen Feuchtigkeitsbestimmungen. Ann. 
d. Hydr, 1932, S, 65ff, 
%. Zur Theorie des Psychrometers. Zeitschr, £, Instr, 1932, S. SOff. 
Ich bin gezwungen auf diese Kritik hier einzugehen, vornehmlich um zu verhindern, daß durch 
die Einwände des Herrn Bongarda in einer Frage, deren Lösung weitestgehende praktische Anwendung 
verspricht, Unklarheiten entstehen. Diese Zeilen aber tragen weniger den Charakter einer „Entgeg- 
nung“ als den einer Klarstellung. 
Ich möchte hier zunächst, um meinen Standpunkt festzulegen, kurz den Inhalt meiner Arbeit 
präzisieren, die oben unter 1. angeführt ist, Ich glaube dadurch festzustellen, daß eine direkte Ver- 
schiedenheit zwischen den Anschauungen des Herm Bongards und mir eigentlich nicht existiert, 
Die von mir zitierte Formel von Schiller: 
d 
besagt, daß der Sättigungsdruck E‘ über einer Flüssigkeit, auf deren Oberfläche 
sine Kraft f wirkt, von dem Sättigungsdruck E, der ohne diese Kraftwirkung 
über der Flüssigkeitsoberfläche herrschen würde, um den Betrag 
differiert, wo d die Dichte des Dampfes, D die der Flüssigkeit ist, Welcher Art 
die Kraft f ist, ist hierbei gleichgültig, Als Kraftwirkung kommt aber der herr- 
schende Luftdruck nicht in Frage, 
Für wäßrige Lösungen gibt Herr Bongards die Gültigkeit dieses Gesetzes zu, Er führt 
An, daß es nicht möglich ist, ein Thermometer mit völlig reinem Wasser zu benetzen, und daß hier- 
durch Meßfehler entstehen. Er selbst hat die Dampfdruckdifferenz über Lösung und reinem Lösungs. 
mittel benutzt, um eine für den praktischen Gebrauch überaus brauchbare Hygrometerprüfanlage zu 
konstruieren. 
Ich habe nun gefunden, daß auch über Stoffgeweben verschiedener Art, die 
mit Wasser getränkt sind, eine verschiedene „Kühlgrenze“ beobachtet wird. Ich 
habe diese Tatsache benutzt, um mit Hilfe der Psyehrometerformel die Größe 
d 
‚ar Zn 
E—E Da £ 
zu berechnen und habe gezeigt, daß diese Größe proportional der Saugwirkung 
der Stoffe ist. Aus diesem Grunde sah ich mich berechtigt, die Kraft f als eine 
Wirkung des Kapillarsogs zu definieren, 
Wenn ich als Nullgerät bei diesen Messungen ein mit Gelatine überzogenes und dann ange- 
feuchtetes Thermometer benutzte, zo hat das seinen Grund in der Tatsache, daß ein solches Thermo- 
meter in allen Fällen die niedrigste Kühlgrenze zeigte, Die Verwendung eines solchen Nullgerätes 
hat den Vorteil, daß man stets Dampfdruckdifferenzen gleichen Vorzeichens erhält, keinen anderen 
Vorteil, Ich bin mir auch nicht bewußt, daß ich das mit Gelatine überzogene feuchte Thermometer 
für praktische Messungen außerhalb des Laboratoriums empfohlen habe, Hiervon steht iu meiner 
Arbeit jedenfalls nichts, Was ferner das Zitat, daß „kolloidale Lösungen in Wasser, fast — Herr 
Bongards versicht das Wort »faste mit einem Ansrufungszeichen — den gleichen Dampfdruck und 
Siedepunkt besitzen, wie das reine Wasser“, angeht, 80 vergleiche man Chwolson, Lehrbuch der 
Physik, Bd, 3, 1905, 8. 918 unten, wo man den von mir zitierten Satz wörtlich findet, Der Hinweis 
von Herrn Bongards auf die Arbeit ron Gerike ist interessant und jeh bin dafür dankbar, doch 
ist die angeführte Tatsache für die Methodik meiner Untersuchungen belanglos. 
Über Stoffgeweben verschiedener Art beobachtet man verschiedene Kühl- 
grenzen, Ich habe gezeigt, und darin sehe ich den Hauptinhalt meiner Arbeit, 
daß Psychrometerkombinationen mit verschiedenen Stoffhüllen nur dann zu den 
gleichen Messungsresultaten führen, wenn man nicht die — in allen Psyehro- 
metertafeln benutzten — wahren Sättigungsdrucke über reinem Wasser in die 
Rechnung einführt, sondern solche, die um die jeweils für die Stoffart der Hülle 
gültige Größe 
ie 
, dd 
E-_E= ff 
verringert sind. Insofern können Verschiedenheiten der benutzten Stoffhüllen zu 
systematischen Fehlern bei psychrometrischen Feuchtigkeitsbestimmungen führen.
	        
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