Scherhag, R.: Untersuchungen über die Nachtgewitter im nordwestdeutschen Küstengebiet, IV. 101
rechts dreht, darüber aber in zunehmendem Maße nach links. In der
Höhe herrscht also eine ausgesprochen divergente Luftbewegung, am Boden
dagegen strömen die Luftmassen zusammen. Im Gewittergebiet herrscht
damit eine konvergente und aufsteigende Luftbewegung, womit eine Bedingung
der Gewittermöglichkeit erfüllt ist.
Tabelle 10. Mittlerer Richtungsunterschied der Höhenwinde Hamburg-- Stettin,
Höhedm) | 05 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5
Mittlere Drehung ........ + 269 | + 30° — 14° — 17° — 29° | — 40° | — 5°
Anzahl der Fälle ........ 12 | 2 | 2 10 7 6 5 _
Linksdrehung, Fälle,..... 2 3 | 5 | 5 | 3 | 5 5
Rechtsdrehung, Fälle..... 9 9 6 4 1 0 | 0
Wir wollen noch erwähnen, daß das Zentrum des Fallgebiets mit der
Zone stark divergenter Höhenwinde korrespondiert, so daß es den An-
schein hat, daß der Druckfall überhaupt eine Folge der Winddivergenz in der
Höhe ist, die ihrerseits wieder durch Temperatur- und Strömungsunterschiede
hervorgerufen wird. Die Bildung des Fallgebiets wäre also eine dynamische
Erscheinung im Sinne Palmens!), Hinzu kommt dann später der statische
Effekt der warmen Luft.
Unmittelbar vor dem Gewittergebiet dreht der Wind in allen Höhen (Tabelle 11) stark nach
‚echts, wie es bei Warmlufteinbrüchen üblich ist.
Tabelle 11. Richtung der Höhenwinde zu Stettin.
Höhe (km) ...] 00 02 | 05 | 10 | 20 | 80 | 40 | 50 | 60
Mittlere Richtung. | 120° | 162° | 178° | 182° | 214° | 224° | 235° | 259° | 258°
Anzahl der Fälle .| 10 | un | u | u | 201
6
222...
12, Die durchschnittliche Temperaturverteilung über Mitteleuropa am Morgen nach
den Gewittern.
In den Figuren 20 bis 22 sind die mittleren Isothermen in den Höhen von
i, 3 und 5 km dargestellt, aus den gleichzeitigen Aufstiegen von Hamburg,
Königsberg, Darmstadt, Lindenberg, Berlin, München, Utrecht und Helder nach
der Methode der Differenzbildung gegenüber Hamburg berechnet, wobei von
Hamburg bis 3 km zwölf Aufstiege vorlagen, in 4 km elf und in 5000 m noch zehn,
Von den anderen Stationen lagen etwa fünf bis neun Aufstiege vor. Die Tem-
peraturen über Friedrichshafen sind stets im Vergleich zu München und Darm-
stadt zu niedrig ?).
Der Verlauf der Isothermen in 500 m ähnelt den in Abb, 5 schon dargestellten
Bodentemperaturen, Auch in 1 km (Abb. 20) ist die Verteilung noch ähnlich,
Hamburg liegt am NW-Rand einer Wärmezunge und hat noch relativ hohe Tem-
peraturen, Die mittlere Windrichtung an den Stationen Hamburg und Stettin
ist durch einen Pfeil gekennzeichnet. Da der Wind in Hamburg nach links dreht
(Tabelle 9), müssen die Isothermen mehr von S nach N verlaufen als der Wind,
was unsere Figur bestätigt.
In 3 km (Abb. 21) schafft die Höhenströmung schon wärmere Luft nordwärts,
damit in Übereinstimmung dreht der Wind in diesem Niveau bereits nach rechts.
In 5 km (Abb. 22} sind diese Verhältnisse noch ausgeprägter. Ein oberer Kalt-
ljufteinbruch ist also keinesfalls möglich. Der Temperaturgegensatz zwischen Süd
und Nord hat mit der Höhe zugenommen und beträgt z. B, oberhalb 3 km 3.1°,
während er in 1000 m nur 1.0° erreicht.
:) E, Palmen, Über die Natur d. Luftdruckschwankungen in höheren Schichten. Beitr, z. Phys.
d, freien Atmosph. 14, S, 147 (1928), -— Die Beziehungen zwischen troposphärischen u. strato-
sphärischen Temp.- u. Luftdruckschwankungen, Ebenda 17, S, 102 (1931), — Versuch zur Analyse
d. dynamischen Druckschwankungen in d, Atmosphäre, Ebenda 19, S. 55 (1932), — *) Vgl. darüber
P. Raethen u. E. Huß, Beitr. z. Phys. d. freien Atmosph. 18, S, 172 (1932), wo die unveröffent!,
Ergebnisse W., Pepplers über die tieferen Temperaturen über Friedrichshafen erwähnt sind.