Die Küste, 75 MUSTOK (2009), 71-130
118
4.00
3.00
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01/11/72 04/11/72 07/11/72 10/11/72 13/11/72 16/11/72 19/11/72 22/11/72 25/11/72 28/11/72 01/12/72 04/12/72 07/12/72
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hne met. Antrieb ab 7.11.1872
instromexperiment
Leerlauf"-Experiment
ekonstruktion
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Abb. 21: Schwingungen in Flensburg 1872 und in numerischen Experimenten
Interessanter ist das folgende numerische Experiment, welches die extreme Realisation
1971_35b0bv aus Kapitel 3.3 modifiziert. Dabei kam das Sturmtief aus Nordosten auf einer
für Hochwasser in St. Petersburg günstigen Bahn (Averkiew u. Klevanny, 2007). Erst spä
ter, als der Sturm über dem Finnischen Meeresbusen schon abgeklungen war, führte das
Tiefdruckgebiet zu einem Sturmhochwasser in der westlichen Ostsee. Dieser Fall entspricht
also nicht der Vorstellung von einer Schrägstellung der Oberfläche des Systems aus westli
cher, südlicher und zentraler Ostsee und Finnischem Meeresbusen, obwohl der Wasserstand
in Flensburg (Abb. 22a) und Wismar (Abb. 22c) zur Zeit des Maximums in St. Petersburg
(8.12. 00:00) unter NN liegt.
Während der Stunde nach dem maximalen Wasserstand in St. Petersburg wurde der
Wind linear auf Null und der Fuftdruck auf einen konstanten Wert heruntergefahren. Abbil
dung 22 zeigt vergleichend die Wasserstandsentwicklung in Flensburg ohne (Abb. 22a) und
mit Modifikation des meteorologischen Antriebs (Abb. 22b). Zusätzlich eingefügt ist der
Wasserstand in Hirtshals, der etwa die gleiche Gezeitenphase wie Flensburg hat (Müller-
Navarra, 1983). Offensichtlich tragen freie Schwingungen beim betrachteten Sturmhoch
wasser in Flensburg nicht zum Scheitelwasserstand bei. Auch in Wismar und Greifswald
(Abb. 22c) liegt das Wasserstandsmaximum während des Experiments deutlich vor dem Zeit
punkt des Scheitelwasserstandes.
Das Experiment erlaubt wichtige Folgerungen, wenn auch ohne weitere Untersuchun
gen nur abgeleitet für dieses eine extreme Sturmhochwasser:
- Das Sturmhochwasser in St. Petersburg war die Folge örtlich günstiger Winde.
- Ausgleichsprozesse in einer Ostsee ohne meteorologischen Antrieb trugen nicht zu
den Scheitelwasserständen in Greifswald, Wismar und Flensburg bei.
- Erhöhte Wasserstände in Flensburg treten im Experiment lange vor dem Zeitpunkt
des Scheitelwasserstandes des Sturmhochwassers auf und sind in Phase mit dem Was
serstand in Hirtshals.