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Inhaltsverzeichnis: Modellierung von extremen Sturmhochwassern an der deutschen Ostseeküste

Die Küste, 75 MUSTOK (2009), 71-130 
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Für die Zuggeschwindigkeit von Tiefdruckgebieten in mittleren Breiten gibt Pichler 
(1984) einen Richtwert von sechs Längengraden pro Tag an. Die Ostsee überdeckt etwa 20 
Längengrade, die Beltsee etwa vier. Damit ergeben sich charakteristische Zeitskalen von 3-4 
bzw. einem Tag. Für bedeutende Sturmhochwasser der Ostsee in der Zeit von 1954 bis 2002 
werden von Benkel u. Meinke (2008) Zuggeschwindigkeiten von 17-79 km pro Stunde oder 
umgerechnet 4,7-21,9 m/s angegeben. Im Vergleich zu charakteristischen Ausbreitungs 
geschwindigkeiten langer Wellen in der Ostsee von 14 m/s, 22 m/s und 44 m/s für Tiefen von 
20 m, 50 m und 200 m sind sie also niedriger oder von gleicher Größenordnung. 
Die Wirkung der Zuggeschwindigkeit von Tiefdruckgebieten auf extreme Sturmfluten 
wurde ansatzweise in den Arbeiten der GKSS untersucht (Benkel u. Meinke, 2009). Aller 
dings wurde dort das Augenmerk auf eine längere Dauer hoher Windgeschwindigkeiten 
durch Verzögerung der Zuggeschwindigkeit gelegt. 
Abschließend sei noch auf eine von Enderle (1981) hervorgehobene Schwingung der 
Mecklenburger Bucht hingewiesen. Er beschreibt für Winde aus NNW-NNE dort eine ste 
hende Welle, die durch Reflexion der „Stauwelle“ an der Küste Mecklenburgs entsteht, mit 
maximalem Wasserstand in Kiel von etwa 1 m über NN. 
4.3.2 Experimente 
In den nachfolgenden numerischen Experimenten zum Einfluss von Schwingungen auf 
die extremen Sturmhochwasser von 1872 und 1971 werden Ausgleichsprozesse nach vorwie 
gend Wind bedingten Oberflächenauslenkungen betrachtet. Insbesondere wurde zu einem 
Zeitpunkt mit hohem Wasserstand in St. Petersburg (7.11.1872 und 7.12.1971) der meteoro 
logische Antrieb abgeschaltet, nicht jedoch die Gezeiten (direkte Gezeiten und Mitschwin- 
gungsgezeiten). Dadurch bedeutet „frei“ (anders als oben) im Potentialfeld von Erde und 
Himmelskörpern und unter dem Einfluss der Erdrotation. Eine solche Definition ist sinn 
voll, da es um die Modifikation von Sturmhochwassern durch Schwingungen der Ostsee 
geht. 
Entsprechende Schwingungen sind auch Teil der Rekonstruktion der Sturmflut von 
1872 zum Zeitpunkt des Wetterumschwungs am 10.11.1872. Abb. 21 zeigt den Wasserstands 
verlauf für Flensburg. Schwingungen treten auf, sind aber ohne Einfluss auf den Scheitel 
wasserstand. Ähnliche Störungen treten auch zu Beginn des „Leerlauf“-Experiments und in 
Wasserstandsverläufen in den Abb. 19a und 20a auf.
	        
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