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Volltext : Modellierung von extremen Sturmhochwassern an der deutschen Ostseeküste

Die  Küste,  75  MUSTOK  (2009),  71-130

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3.1.2  Bezugsniveau  -  Vergleich  mit  beobachteten
Wasserständen
Modelldaten  für  den  Wasserstand  zeigen  in  der  Regel  eine  modellimmanente  ortsabhängige ­
  mittlere  Abweichung  von  gemessenen  Werten.  Diese  ist  für  die  Ostsee  beim  Vergleich
mit  Messungen  signifikant  und  nimmt  nach  Nordosten  zu.  Der  Grund  dafür  ist  das  unterschiedliche ­
  Bezugsniveau.  Hansen  (2008)  findet  bei  der  Betrachtung  verschiedener  Modelle
einen  Unterschied  von  im  Mittel  etwa  0,3  m  in  der  westlichen  Ostsee.  Der  Unterschied  reduziert ­
  sich  deutlich,  wenn  das  betrachtete  Modell  an  ein  Nordatlantikmodell  gekoppelt  ist
(Hansen,  2008).
Die  Modellgleichungen  der  BSH-Modelle  sind  bezüglich  eines  rotierenden  sphärischen
Koordinatensystems  formuliert.  In  einer  solchen  Darstellung  schneiden  sich  im  Allgemeinen
die  Flächen  konstanter  Radialkomponente  mit  denen  konstanten  Potentials  der  effektiven
Gravitationskraft,  der  Schwerkraft.
In  vereinfachten  Modellgleichungen  der  BSH-Modelle  (und  entsprechender  Modelle)
wird  durch  eine  konstante  Radialkomponente  r  =  R  +  z  eine  Geopotentialfläche  beschrieben,
und  z  gibt  die  Höhe  dieser  Fläche  über  der  Erde  (horizontal  homogene  Kugel  mit  Radius  R)
an  (Pichler,  1984).  Die  Fläche  z  =  0  definiert  eine  mittlere  Meeresoberfläche.  Bei  der  Simulation ­
  von  regional  begrenzten  Meeresgebieten  bestimmt  der  mittlere  vertikale  Massenaufbau ­
  am  offenen  Rand  die  Lage  der  Nullfläche  im  Modellgebiet.
Im  Gegensatz  zu  solchen  Modellnullflächen  sind  NN-Flächen  Beschreibungen  der
Erde,  insbesondere  sind  sie  keine  Äquipotentialflächen.  Sie  unterscheiden  sich  nicht  nur
durch  eine  wesentlich  genauere  Beschreibung  des  effektiven  Gravitationspotentials,  sondern
auch  in  der  Festlegung  der  mittleren  Meeresoberfläche.  Diese  berücksichtigt  den  lokalen
mittleren  Massenaufbau.  Bezogen  auf  eine  für  eine  Simulation  festgelegte,  räumlich  konstante ­
  Modellnullfläche  ist  der  NN-Wert  eine  vom  Ort  abhängige  Variable,  besonders  dann,
wenn  die  vertikal  gemittelte  Dichte  stark  variiert,  was  zwischen  Nordsee  und  Ostsee,  aber
auch  innerhalb  der  Ostsee  der  Fall  ist  (Abb.  2).  Um  auf  NN  bezogene  Wasserstandsangaben
mit  Modellwasserständen  vergleichen  zu  können,  müssen  die  Modellwerte  auf  NN  umgerechnet ­
  werden.  Während  in  der  Nordsee  die  Korrektur  mit  guter  Näherung  vernachlässigt
wird,  ist  sie  für  die  Ostsee  signifikant.
Zum  Vergleich  mit  gemessenen  Werten  wird  vereinfachend  angenommen,  dass  die  Jahresmittel ­
  sich  im  Modell  und  in  den  Daten  in  gleicher  Weise  ändern  und  Korrekturwerte  (rot
in  Abb.  2)  durch  Modellinformationen  aus  dem  Jahr  2002  ausgedrückt  werden  können.  Für
Details  siehe  Bork  und  Müller-Navarra  (2009).
Die  Korrekturwerte  für  alle  betrachteten  Pegel  sind  in  Tabelle  7a  und  b  gegeben  und
variieren  zwischen  0,161  m  in  Ringhals  und  0,422  m  in  St.  Petersburg.  Versuche,  eine  Simulation ­
  gleich  mit  niedrigeren  Werten  zu  starten,  zeigten,  dass  sich  der  Wasserstand  über  den
betrachteten  Zeitraum  wieder  auf  Modellnull  einstellte  (Abb.  3).
            
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