Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1924.
f) Vergleichslotungen mit dem Hydrophon. Sehr interessant sind die Ver-
gleichslotungen, die über sehr unebenem Meeresboden zwischen Charleston
und Key-West der Zerstörer „Breckinridge“ gemacht hat. Die Fahrt wurde zum
Loten. von 20 Knoten stets auf 3 Knoten vermindert, um auch das Handlot be-
nutzen zu können. Die 20 Lotungen der
Tabelle 3 liegen um je !/, Stunde bzw.
um 10 Sm auseinander. Die Anfangs-
lotung liegt in 32° 20’ N, 79° 48’ W, die
Endlotung in 28° 44’ N, 80° 27’ W. Im
Mittel sind weggelassen Nr. 1, 4, 10
wegen Ausfalls des Handlotes, Nr. 11,
12, 16 wegen Unbestimmtheit der Karten-
tiefe und Nr. 2, weil die Lotmaschinen-
tiefe als Ausreißer erscheint.
Handlot und Lotmaschine stimmen
im Mittel sehr gut überein; Hydrophon
und Kartentiefe untereinander auch,
geben aber merklich kleinere Tiefen als
die beiden anderen Lotmittel. Das Hand-
lot muß als die genaueste Methode der
Tiefenmessung angesprochen werden, es
versucht unmittelbar die Tiefe selbst
auszumessen. Falls mit der Lotmaschine
die Lotdrahtlänge gemessen wird, gilt
für sie das gleiche. Wird das Thomson-
sche Röhrenlot benutzt, so tritt als un-
mittelbare Maßgröße an Stelle der Tiefe
der Druck, so daß gewisse Korrektionen
nötig werden können. Die Hydrophon-
methode mißt statt der Tiefe die Schall-
wegdifferenz zwischen den nach den beiden Schallempfängern am stärksten
reflektierten Schallstrahlen. Wo die dementsprechenden Reflexionsstellen des
Meeresbodens liegen, ist bei unebenem Grund nicht ohne weiteres zu sagen. Es
ist aber verständlich, daß dem Schiff näher gelegene Stellen mit kleinstem
Gesamtschallweg und damit Stellen geringerer Tiefe bevorzugt werden können,
auch wenn sie gar nicht in der vertikalen Mittschiffsebene liegen. Daß der
mittlere Unterschied zwischen der Handlottiefe und der Hydrophontiefe 5 Faden
beträgt, ist allerdings erstaunlich. Anderseits ist zu der Übereinstimmung mit
der Kartentiefe zu bemerken, daß diese zunächst mit einer ziemlichen Unsicherheit
behaftet ist, da ja meist nicht gerade am Lotungsort eine Kartentiefe angegeben
sein wird und das räumliche Interpolieren über unebenem Meeresgrund unsicher
ist, wozu die Reduktion der Kartentiefe auf den augenblicklichen Wasserstand
weitere Unsicherheit bringt. Außerdem aber hat auch die Kartentiefe eine gewisse
Tendenz zu kleinen Werten, da mit Rücksicht auf die Sicherheit der Navigation
grundsätzlich die kleinsten Tiefen in die Karten eingetragen werden. Bei un-
ebenem Grund scheinen danach die Hydrophontiefen zu klein auszufallen.
Daß bei gleichförmigerem Meeresboden Hand- und Röhrenlot mit
dem Hydrophonlot besser übereinstimmen, zeigen die Lotungskurven nach Beob-
achtungen des Schiffes „Blakeley“ vom 27. Mai 1926. Entnimmt man den Kurven
für jede volle Viertelstunde die Lotungen (wobei die Versager des Röhrenlotes bei
Tiefer über 70 Faden wegbleiben müssen), so findet man unter den 31 Vergleichs-
lotungen die Echolottiefe ebenso oft größer wie kleiner als die Lotleinen- bzw.
Röhrenlottiefe, und der Mittelwert aus allen ist für beide Methoden der gleiche.
Die Zahlen sind:
Echolot . ...... 105 8 7.6 55 7 9 15 31 33 37 35 37 385 41 48
Leinen- oder Röhrenlot 7.5 7 7 7 7 65 6 7 15 32 41 425 42 38 405 41 415
Echolot .. .. . . .'44 ‘45 45.5 47.5 525 17 18 18 19 20 22 24 28 Mittel: 25.9
Leinen- oder Röhrenlot 42.5 435 44,5 485 57.5 15 17 16.5 165 17 19 22 56] « :261
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