Schubart, L.: Die Verwendung der Tiefseelotungen für die Navigation mit Hilfe des Echolots. 75
zu erfüllen sein, so müssen die Schiffe mit zwei Apparaten ausgestattet werden,
einem für die geringen und einem anderen für die großen Tiefen. Auf Heran-
ziehung der großen Tiefen für die Navigation in der Großschiffahrt kann nun
nach Erfindung des Echolots auf die Dauer nicht verzichtet werden. Hierauf
muß mit allem Nachdruck hingewiesen werden. Aufgabe der Technik ist es nun,
betriebsichere Instrumente zu schaffen. Da das Problem gelöst ist, wird es nicht
zweifelhaft sein, daß ihr das gelingen wird. Treten die Echolote in Tätigkeit,
werden sich die Seekarten allmählich mit Tiefenangaben anfüllen und dem Schiffs-
führer eine bessere Sicherheit bieten. Die Geologie und Ozeanographie werden
erst dann aus dem Instrument Nutzen ziehen, wenn es die nautischen Bedürfnisse
befriedigt.
Über £cholotungen der nordamerikanischen Marine.
Von Dr. H. Maurer.
(Hierzu Tafel 9.)
Soweit in deutschen Zeitschriften bisher Veröffentlichungen über die Echo-
iotungen der nordamerikanischen Marine erschienen sind!), beschränken sie sich
vorzugsweise ‚auf die Mitteilung der erstaunlichen Ergebnisse selbst, hauptsäch-
lich auf die beiden Tatsachen, daß der Zerstörer „Stewart“ in den Tagen vom
22.—929. Juni 1922, von Newport R. J. nach Gibraltar fahrend, ein Querprofil von
mehreren Hundert Tiefseelotungen durch den Nordatlantik®) und im Juli ein
gleiches Tiefenprofil durch das Mittelmeer auf der Fahrt von Gibraltar nach
Port-Said gelegt hat?), und daß die amerikanischen Schiffe „Corry“ und „Hull“
im November 1922 vor der kalifornischen Küste zwischen San Franzisko und
Descanso einen Meeresstreifen von rund 100000 [km mit etwa 5000 Tiefen-
lotungen bis zur 2000-Fadenlinie in 38 Tagen vermessen haben“). Das ver-
5ffentlichte Profil durch den Atlantik gibt 215 Lotungen, die Karte der kalifor-
nischen Küstengewässer ein reiches Detail aller Isobathen von 100 zu 100 Faden
bis zur 2000-Fadenlinie,
Über die Apparate aber, mit denen diese wunderbaren Ergebnisse er-
rungen wurden, konnten die Mitteilungen in deutschen Zeitschriften bisher- nur
sehr spärlich sein. Durch die Freundlichkeit der Signalgesellschaft in Kiel,
die mir zwei aus Amerika mitgebrachte Zeitschriften-Hefte leihweise überließ,
kann ich im folgenden darüber einiges mitteilen. .
Es sind zweierlei Apparaturen benutzt worden. Für die Lotungen bei
geringeren Tiefen als 180 m das Hydrophon®) (MV-Type der U, S.-Navy)
und für die größeren Tiefen der Echo-Tiefenmesser — Sonic depth finder®).
Beide Apparate sind von Dr. H. C. Hayes angegeben, dem Physiker der Engineer-
Experiment-Station der U. S. Naval Academy in Annapolis. ;
I. Das Hydrophon.,
a) Apparat und Methode. Das Hydrophon dient nicht nur zur Tiefen-
messung, sondern ist der allgemeine Horchapparat, mit dem jede Art von Unter-
wasserschall aufgenommen und eventuell zur Richtungs- oder Entfernungsbestim-
mung verwendet werden kann, seien es Schraubengeräusche fremder Schiffe,
Wasserschallsignale jeder Art oder auch das vom Meeresboden, von Eisbergen
oder Steilküsten zurückgeworfene Echo von Tönen oder Geräuschen, die vom
1930 © Yu Zum Beispiel G. Wüst, Die Naturwissenschaften 1923 S. 287 ; G. Schott, Ann. d, Hydr.
?, Pilot Chart of the North Atl. Ocean. Jan. 1923.
#) Graphic representation of soundings taken by U. S. S. „Stewart“ with sonic depth finder,
July 1922. Mediterranean Sea, — Über Ergebnisse der beabsichtigten Weiterfahrt Port-Said bis
Manila ist hier noch nichts bekannt geworden.
4) Pilot Chart of the North Pacifie Ocean. Juni 1923,
5) Beschreibung von Dr, Hayes in Proc. of the American Philosophical Society, Vol. LIX,
Nr. 5, 1920, S. 371—404.
8) Beschreibung von Dr. Hayes in Marine Review, Vol. 52, Nr. 10, S. 411—414. New York
Oktober 1922.