Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1924,
Wert für Erdbebenforscher, Geologen und Ozeanographen hätten. Der Nautiker
ist nicht genannt. Aber gerade er hat das größte Interesse an der Sache. Seine
vornehmste Pflicht ist, das von ihm geführte Schiff sicher über die Meere zu
leiten. Dazu gehört, alle Gefahren zu vermeiden. Vor Strandungen schützt
in vielen Fällen das Lot, um so mehr, je früher mit dem Loten begonnen wird,
und um so besser, je genauer die Bodenform bekannt ist. Beides kann mit dem
Echolot erreicht werden, wie gezeigt werden wird,
Die tiefste Stelle des Atlantischen Ozeans (8526 m) liegt etwa 70 Sm von
Portorico entfernt. In der Skizze (Tafel 8, Nr. 1) ist der Verlauf der Tiefen-
abnahme von dem höchsten Berg der Nordküste Portoricos „El Yunque“ (1062 m)
bis zur 8000 m-Tiefengrenze, eine Strecke von etwa 85 Sm dargestellt. Die Lot-
gründe, der Raum zwischen der Küste und der 200 m-Tiefe, sind an der Nord-
küste Portoricos 1—5 Sm breit. Man seht ein, daß ein Ansteuern der Küste auf
Lotungen ausgeschlossen ist.’ Wird Grund gefunden, ist das ein bedenkliches
Zeichen für die Nähe der Küste, Ein Beispiel möge dies erläutern:
Ein 12 Sm-Dampfer, der einen Hafen der Nordküste ansteuern muß und
auf die Küste zu hält, hat etwa 10 Sm südliche Versetzung, die er nicht fest-
stellen kann, da das Land und die Leuchtfeuer in dichten Regen gehüllt sind.
Er befindet sich in a (Nr. 1), während er seinem Besteck nach in b sein sollte.
Er lotet und findet keinen Grund. Das bestärkt ihn in der Annahme, daß er
in b sei. Er will aber dennoch, da im Seehandbuch auf die Möglichkeit süd-
licher Versetzung hingewiesen ist, in der nächsten Viertelstunde nochmals loten
und dann stoppen. Bevor er diese Maßnahme ausführt, sitzt er fest. Wäre der
Dampfer mit einem Echotieflot ausgestattet gewesen, So hätte er von der 8000 m-
Tiefe an dauernd die Tiefenabnahme überwachen können und wäre über die
Landnähe nicht im unklaren geblieben,
In der Zeichnung (Nr. 1) mußten die Höhen und Tiefen etwa dreifach
überhöht werden, um die 200 m-Tiefe, den Beginn der Lotgründe, deutlich zur
Darstellung zu bringen. Die Skizze gibt daher kein richtiges Bild des Böschungs-
winkels. Dm auch ein solches zu geben, ist Nr. 2 hinzugefügt, die ungefähr
richtige Verhältnisse zeigt. Man erstaunt, wenn man sieht, in wie sanftem Hang
der Meeresboden zur größten Tiefe sich senkt. Der Böschungswinkel beträgt
etwa 31/2°. Da vorläufig auf der Strecke nur die 1985 m-Tiefe bekannt ist, so
möchte jemand vermuten, daß noch hohe unterseeische Berge dazwischen liegen.
Wissen kann man das natürlich nicht, aber wahrscheinlich ist es nicht, denn der
Tiefseeboden verläuft (von Ausnahmen abgesehen) durchweg eben, viel ebener
als die Erdoberfläche.
Einen größeren Böschungswinkel zeigt die Südküste von Cuba, wo der
2660 m hohe Berg Turquino und eine 6103 m-Tiefe nur etwa 25 Sm voneinander
entfernt liegen. Die Skizze (Nr. 3) gibt diese Punkte in ungefähr richtigem
Verhältnis wieder. Das größte Gefälle ist zwischen der Bergspitze und der
1335 m-Tiefe, etwas sanfter ist der Hang von dieser bis zur 4678 m-Tiefe, und die
geringste Neigung sehen wir von dort bis zur 6103 m-Tiefe. Die Anordnung
dieser Böschungen entspricht der Natur der Erdoberfläche. Der steilste Aufstieg
liegt fast immer an der Spitze. Daher sind mit den bisherigen Lotmitteln unter-
seeische Krater, die als einzelne Klippen der Schiffahrt besonders gefährlich sind,
so schwer zu fassen; aber mit einem Echolot würden die meisten — mit der
nötigen Vorsicht — angelotet werden können, weil ihre Sockel an der Basis
allmählich zu steigen beginnen. Dächte man sich den „Fudschi Jama“ aus Japan
in den Ozean als blinde Klippe versetzt, so würde seine Basis mehr als 10 Sm
Durchmesser haben. Die Böschung dieses Vulkans beträgt nach J. Rein an den
steilsten Stellen unweit des Gipfels 35°, in 1500 bis 2400 m 23° und 24° und an
der Basis 12° bis 13°.
Da Lotungen mit dem Echolot sehr rasch aufeinander folgen können und
das Resultat sofort erkennbar ist, so bildet dieses Instrument, wie gezeigt ist,
ein ausgezeichnetes Mittel, die Sicherheit der Schiffahrt zu erhöhen. Verlangt
werden muß jedoch, daß Tiefen jeder Größe zu messen sind. Sollte aus technischen
Gründen, wie es den Anschein hat, diese Forderung mit einem Apparat nicht