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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

Ann. d. Hydr. usw., LIT. Jahrg. (1924), Heft IV. 
* 
Die Verwendung der Tiefseelotungen für die Navigation 
mit Hilfe des Echolots. 
Von Kapitän L. Schubart, Deutsche Seewarte. 
(Hierzu Tafel 8.) 
Tiefseelotungen hatten für den Seemann kein besonderes Interesse, Da er 
kein Mittel besaß, ohne Zeitverlust die großen Tiefen nachzuloten, konnte er sich 
durch sie keinen Aufschluß über seinen Schiffsort verschaffen. Es war ihm 
gleichgültig, ob er über 5000 m oder 500 m Wassertiefe dahinfuhr. Nur für einen 
Sonderzweck, die Kabellegung, haben die großen Tiefen Bedeutung; für die all- 
gemeine Schiffahrt beginnen die Wassertiefen erst dann wertvoll zu werden, wenn 
sie bei Ansteuerung von Land soweit abgenommen haben, daß durch Lotungen 
Schlüsse über die Landnähe gewonnen werden können. Das ist bei dem heutigen 
Stand der Lotmaschinen bei etwa 200 m Wassertiefe der Fall. Bei dieser Tiefe 
beginnen für den Seemann die „Gründe“ und die Gefahren, von denen er sich 
bei allmählich abnehmender Tiefe freiloten kann. Aber nicht immer ist ein Frei- 
loten möglich; man kann wohl sagen, daß die Gegenden, wo das nicht möglich 
ist, zahlreicher sind als die, wo es der Fall ist, Nicht möglich ist es bei all den 
Riffen, Inseln und Küsten, die so steil aus dem Meere aufsteigen, daß sie von 
keinem Lotgrund, oder von einem so schmalen besäumt werden, daß er nicht 
mit dem Lot erfaßt werden kann. Solche Gegenden bilden, auch wenn sie gut 
befeuert sind, in dunklen Nächten und bei unsichtigem Wetter eine große Gefahr, 
zumal, wenn unberechenbare Strömungen dazukommen. Die Gefahr ist um so 
größer, als der Grund solcher Gegenden meistens hart ist, Strandungen daher 
leicht zum Verlust des Schiffes führen und Bergungen wegen mangelnden Anker- 
grundes erschwert sind. Die Unzulänglichkeit des Lotgeschirrs ist schuld an 
dieser Gefahr. Könnte man auf größeren Tiefen mit Loten beginnen, würde man 
rechtzeitiger gewarnt sein, denn auch die senkrechten Felswände, die steilsten 
Korallenriffe stehen auf einem breiteren Sockel, der sich unter Wasser mehr oder 
weniger weit dahin zieht. . 
Eine berechtigte Hoffnung, Lotungen auf größeren Tiefen zu erhalten und 
dadurch auch bei unsichtigem Wetter das allmähliche Näherkommen des Landes 
unter Beobachtung zu halten, scheint das Echolot zu erwecken. Daß mit Hilfe 
eines vom Schiff abgegebenen Knalls, dessen Echo vom Meeresboden zurück- 
geworfen wird, die Wassertiefe gemessen werden kann, beweisen zwei Erfindungen, 
die bereits erfolgreich gearbeitet haben: das in Deutschland von dem Physiker 
A. Behm erfundene „Behmlot“ und der im Navy-Department der Vereinigten 
Staaten von Dr. H. C. Hayes hergestellte „Sonic depth finder“. Während das 
Behmlot sich auf Erfassen der geringen Tiefen bis 120 m beschränkt und daher 
nur auf den Lotgründen verwendet werden kann, ermittelt der amerikanische 
Apparat größere Tiefen. Zwei große Lotungsunternehmungen mit dem ameri- 
kanischen Apparat haben Aufmerksamkeit in hohem Maße auf sich gezogen. Die 
eine fand vom 20.—29, Juni 1922 an Bord des amerikanischen Dampfers Stewart 
auf einer Reise von Newport R.J. nach Gibraltar statt, in der über den ganzen 
Ozean stündlich eine Lotung gemacht wurde, Das Ergebnis ist auf der Rück- 
seite der Pilot Chart of the North Pacific Ocean vom Februar 1923 veröffentlicht. 
Die andere wurde an der Westküste der Vereinigten Staaten zwischen San Francisco 
und der Nordgrenze von Mexico im November 1922 von den beiden Dampfern „Hull“ 
und „Corry“ ausgeführt und erstreckte sich auf ein Seegebiet vom 34 000 Quadrat-Sm 
mit etwa 5000 Lotungen. Auf Grund dieser Lotungen ist vom Hydrographie 
Office eine Tiefenkarte des Gebiets bearbeitet, die auf der Rückseite der Pilot 
chart of the South Pacific Ocean Juni-August 1923 veröffentlicht ist. In dem 
Begleittext zu dieser Karte ist ausgeführt, daß die Unternehmung auf Nachsuchen 
des Carnegie-Instituts zu Washington erfolgt sei, hauptsächlich um zum Zwecke 
der Erdbebenforschung die unterseeische Bodenform kennen zu lernen; und es 
wird dort ausgesprochen, daß die in der Karte niedergelegten Ergebnisse großen 
Ann. d. Hydr. usw. 1924. Heft IV.
	        
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