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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

Neuere Veröffentlichungen. 
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suchungen gekommen ist und daß in der vorher 
arwähnten Abhandlung nur das Endergebnis, der 
Niederschlag aus allen seinen Arbeiten auf dem 
Gebiete der speziellen Klimakunde, zur Darstellung 
gelangt ist. Eine nähere Zusammenfassung auch 
dieser Arbeiten hat wohl mancher sehnlichst ge- 
wünscht und im II, Teile seiner in der Sammlung 
Göschen erschienenen Klimakunde I (Allgemeine 
Klimalehre) erwartet, Dieser Wunsch ist nun in 
Erfüllung gegangen. Das vorliegende Buch ist 
zwar nicht in der Sammlung Göschen erschienen 
— sein Umfang und die Ausführlichkeit der Dar- 
stellung würde ja auch nicht zu dieser Sammlung 
passen —, sondern mit dem I. Teil aus dieser 
Sammlung vereint, als selbständiges Werk beim 
gleichen Verleger. Es ist sehr erfreulich, daß der 
Verleger in entgegenkommendster Weise den Ver- 
fasser von den Beschränkungen der genannten 
Sammlung befreit hat. Köppen aber müssen wir 
beglückwünschen und danken, daß er uns in seinem 
hohen Alter, in ungeschwächter geistiger Frische 
noch weiter arbeitend, ein so ausgezeichnetes Werk 
über die Klimate der Erde gegeben hat, 
Der erste Teil des Buches (Seite 1—97) enthält 
in gedrängter Form eine allgemeine Klimalehre; 
er kommt insbesondere den Bedürfnissen der Geo- 
graphen entgegen, die nicht in der Lage sind, den 
Lehrsätzen der Meteorologie in ihren Details zu 
folgen und doch jene Hauptsätze benötigen, die 
zur wissenschaftlichen Behandlung der Klimatologie 
notwendig sind. Dieser Teil ist, wie erwähnt, eine 
Umarbeitung der Klimakunde I der Sammlung 
Göschen; Änderungen finden sich nur dort, wo seit 
dem Erscheinen der zweiten Auflage (1906) die 
Forschung Fortschritte aufzuweisen hat. 
Der ganze zweite Teil des Buches (S. 98—168}) 
ist dem geographischen Systena der Klimate ge- 
widmet; der Inhalt deckt sich im wesentlichen mit 
jener Klassifikation der Klimate, die Köppen 1918 
in Petermanns geogr. Mitteilungen veröffentlicht 
hat. Die übereinstimmenden Charakterzüge der 
einzelnen Klimate, die sich in den wesentlichen 
Zügen überall wiederholen, werden hier gemeinsam 
besprochen und führen zur Aufstellung eines festen 
Systems, das an Klarheit und Eindeutigkeit nichts 
zu wünschen übrig läßt. In klarer Weise wird in 
einem Kapitel die ideale geographische Verteilung 
der Klimaıe und deren Begründung in Luftdruck, 
Wind und Meeresströmungen gegeben und so der 
Grundstock zu einer theoretischen Behandlung der 
Klimatologie gelegt. 
Der dritte Teil des Buches (S. 168—301) ent- 
hält sodann die Klimakunde der einzelnen Erdteile; 
Köppen gibt uns hier, stets auf dem Standpunkt 
seiner Klimaklassifikation stehend, eine ausgezeich- 
nete, knappe spezielle Klimatographie der einzelnen 
Kontinente, der Ozeane und Polargegenden. Die 
gleichsam als Belege zum zweiten und dritten Teil 
des Werkes nötigen Zahlen der meteorologischen 
Elemente sind in zwei großen Tabellen, die den 
rierten Teil und den Schluß des Buches (S.301—369) 
bilden, zusammengefaßt; sie enthalten die wich- 
üigsten Grundwerte einer sehr großen Zahl von 
Orten und werden gewiß als bequeme Nachschlags- 
quelle benutzt werden. Ein Ortsverzeichnis erhöht 
in wesentlicher Weise die Benutzbarkeit der Ta- 
bellen, Dem Buche ist neben anderen graphischen 
Darstellungen auch dieselbe Karte der Verteilung 
der Klimate auf der Erdoberfläche, die in Peter- 
manns Mitteilungen 1918 enthalten ist, beigegeben, 
leider in verkleinertem Maßstab und in schwarz, 
Der Farbendruck der ersten Karte erhöht doch 
wesentlich die Übersicht. 
Zum Schluß noch einige Worte zur Stellung 
ron Köppens Buch zu Hanns Handbuch der 
<limatologie. Letzteres Werk ist — auf breitere 
3Zasis aufgebaut — eine gründliche, zusammen- 
’assende Darlegung der klimatischen Verhältnisse 
jer einzelnen Länder der Erde auf Grund der 
meteorologischen Beobachtungsdaten; es sucht vor 
allem von den Hauptcharaktereigenschaften des 
Klimas ausgehend ein Bild der klimatischen Ver- 
ältnisse eines jeden einzelnen Erdteils und ihrer 
Ursachen zu entwerfen. In Köppens Buch tritt 
ıingegen das geographische Moment stärker her- 
ror; eine streng logische Klassifikation der Klimate 
wird aufgestellt, die vor allem den Zweck hat, die 
iberaus große, schwer zu überblickende Menge von 
Tatsachen zu ordnen und dadurch vielfach erst 
rlar hervortreten zu lassen. Wer sich in Köppens 
System hineinlebt, der überblickt mit Leichtigkeit 
jas großartige „farbenprächtige, wissenschattliche 
Gemälde“ der Verteilung der Klimate der Erde. 
In diesem Sinne ist, Köppens Buch in seiner Art, 
neben Hanns grundlegendem Handbuch, in unserer 
and wohl auch in der fremden Literatur einzig 
dastehend. A, Defant. 
A. Defant und E. Obst: „Lufthü'le und Kli- 
ma“. 8°, 186 S. Leıpzig u. Wien 1923. Franz 
Deuticke. 
Die Arbeit ist als Einzelband der das Klar- 
sche Sammelwerk „Die Erdkunde‘ weiterführenden, 
‚on O. Kende-Wien herausgegebenen ‚„‚Enzyklo- 
»ädie der Erdkunde“ erschienen. Dementsprechend 
ist das Buch hauptsächlich für Geographen be- 
stimmt; es verdient jedoch auch weiteste Verbrei- 
ung bei denjenigen See- und Luftfahrern, Land- 
virten, Bäderärzten, Volkswirtschafılern und den 
zielen sonstigen, die Ergebnisse der Meteorologie 
rerwertenden Berufen, denen der „Börnstein‘“ zu 
wenig, der „Hann-Süring‘ zu viel und der kleine 
‚Trabert-Defant:‘ (Göschen) zu gedrängten Stoff 
»ietet. Dies um so mehr, als auch die jüngsten 
"eitideen über den Bau der Zykionen, die Schmidt- 
Defantschen Gedanken über den Luftaustausch, 
lie neueren Erfahrungen über die Temperatur- und 
Windverhältnisse in den höberen Luftschichten 
ınd über die Verdunstung des Wassers an der 
Erdoberfläche, das Bjerknessche Schema der all- 
zemeinen Zirkulation u. a. m. betrachtet werden. 
Defants „Atmosphärenkunde‘“ umfaßt mit 
148 von insgesamt 186 Seiten den Hauptteil des 
3andes. Er ist so fesselnd geschrieben, daß auch 
ler Fachmeteorolog ihn mit Eifer liest. Vor allem 
rilt dies von den wichtigen Abschnitten über die 
‚Strahlende Wärme und die Lufttemperatur“ und 
‚Das Weiter“, Leider hat den Verfasser die sonst 
an ihm so schätzenswerte Eigenschaft, klar und 
zerständlich zu schreiben, bei Ableitung der For- 
neln auf Seite 42 im Stich gelassen; mir jedenfalls 
st sie — von den offenkundigen Druckfehlern 
zanz abgesehen — unverständlich geblieben. Daß 
juch weiterhin (S. 43ff.) für den Geographen die 
Auffassung von dem an sich klaren Begriff „Aqua- 
;orialtag“ in den unter der Überschrift ‚Tages- 
summe der Sonnenstrahlung im solaren Klima“ und 
veiterhin folgenden Zahlenreihen eindeutig bestätigt 
vird, möchte ich bezweifeln; hier scheint mir zu sehr 
nit „Erklärungen“ gespart zu sein. — Der Ab- 
schnitt „Die Bearbeitung des Beobachtungsmate- 
iales‘“ (S. 10ff.) ist für den Geographen wichtig. 
Gerade für klimatologisch noch unerforschte Länder 
wird dieser häufig das erste meteorologische Zah- 
‚enmaterial veröffentlichen, wenn er Glück hat, 
ınter Verwertung der Ergebnisse mehrjähriger Be-
	        
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