Neuere Veröffentlichungen.
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suchungen gekommen ist und daß in der vorher
arwähnten Abhandlung nur das Endergebnis, der
Niederschlag aus allen seinen Arbeiten auf dem
Gebiete der speziellen Klimakunde, zur Darstellung
gelangt ist. Eine nähere Zusammenfassung auch
dieser Arbeiten hat wohl mancher sehnlichst ge-
wünscht und im II, Teile seiner in der Sammlung
Göschen erschienenen Klimakunde I (Allgemeine
Klimalehre) erwartet, Dieser Wunsch ist nun in
Erfüllung gegangen. Das vorliegende Buch ist
zwar nicht in der Sammlung Göschen erschienen
— sein Umfang und die Ausführlichkeit der Dar-
stellung würde ja auch nicht zu dieser Sammlung
passen —, sondern mit dem I. Teil aus dieser
Sammlung vereint, als selbständiges Werk beim
gleichen Verleger. Es ist sehr erfreulich, daß der
Verleger in entgegenkommendster Weise den Ver-
fasser von den Beschränkungen der genannten
Sammlung befreit hat. Köppen aber müssen wir
beglückwünschen und danken, daß er uns in seinem
hohen Alter, in ungeschwächter geistiger Frische
noch weiter arbeitend, ein so ausgezeichnetes Werk
über die Klimate der Erde gegeben hat,
Der erste Teil des Buches (Seite 1—97) enthält
in gedrängter Form eine allgemeine Klimalehre;
er kommt insbesondere den Bedürfnissen der Geo-
graphen entgegen, die nicht in der Lage sind, den
Lehrsätzen der Meteorologie in ihren Details zu
folgen und doch jene Hauptsätze benötigen, die
zur wissenschaftlichen Behandlung der Klimatologie
notwendig sind. Dieser Teil ist, wie erwähnt, eine
Umarbeitung der Klimakunde I der Sammlung
Göschen; Änderungen finden sich nur dort, wo seit
dem Erscheinen der zweiten Auflage (1906) die
Forschung Fortschritte aufzuweisen hat.
Der ganze zweite Teil des Buches (S. 98—168})
ist dem geographischen Systena der Klimate ge-
widmet; der Inhalt deckt sich im wesentlichen mit
jener Klassifikation der Klimate, die Köppen 1918
in Petermanns geogr. Mitteilungen veröffentlicht
hat. Die übereinstimmenden Charakterzüge der
einzelnen Klimate, die sich in den wesentlichen
Zügen überall wiederholen, werden hier gemeinsam
besprochen und führen zur Aufstellung eines festen
Systems, das an Klarheit und Eindeutigkeit nichts
zu wünschen übrig läßt. In klarer Weise wird in
einem Kapitel die ideale geographische Verteilung
der Klimaıe und deren Begründung in Luftdruck,
Wind und Meeresströmungen gegeben und so der
Grundstock zu einer theoretischen Behandlung der
Klimatologie gelegt.
Der dritte Teil des Buches (S. 168—301) ent-
hält sodann die Klimakunde der einzelnen Erdteile;
Köppen gibt uns hier, stets auf dem Standpunkt
seiner Klimaklassifikation stehend, eine ausgezeich-
nete, knappe spezielle Klimatographie der einzelnen
Kontinente, der Ozeane und Polargegenden. Die
gleichsam als Belege zum zweiten und dritten Teil
des Werkes nötigen Zahlen der meteorologischen
Elemente sind in zwei großen Tabellen, die den
rierten Teil und den Schluß des Buches (S.301—369)
bilden, zusammengefaßt; sie enthalten die wich-
üigsten Grundwerte einer sehr großen Zahl von
Orten und werden gewiß als bequeme Nachschlags-
quelle benutzt werden. Ein Ortsverzeichnis erhöht
in wesentlicher Weise die Benutzbarkeit der Ta-
bellen, Dem Buche ist neben anderen graphischen
Darstellungen auch dieselbe Karte der Verteilung
der Klimate auf der Erdoberfläche, die in Peter-
manns Mitteilungen 1918 enthalten ist, beigegeben,
leider in verkleinertem Maßstab und in schwarz,
Der Farbendruck der ersten Karte erhöht doch
wesentlich die Übersicht.
Zum Schluß noch einige Worte zur Stellung
ron Köppens Buch zu Hanns Handbuch der
<limatologie. Letzteres Werk ist — auf breitere
3Zasis aufgebaut — eine gründliche, zusammen-
’assende Darlegung der klimatischen Verhältnisse
jer einzelnen Länder der Erde auf Grund der
meteorologischen Beobachtungsdaten; es sucht vor
allem von den Hauptcharaktereigenschaften des
Klimas ausgehend ein Bild der klimatischen Ver-
ältnisse eines jeden einzelnen Erdteils und ihrer
Ursachen zu entwerfen. In Köppens Buch tritt
ıingegen das geographische Moment stärker her-
ror; eine streng logische Klassifikation der Klimate
wird aufgestellt, die vor allem den Zweck hat, die
iberaus große, schwer zu überblickende Menge von
Tatsachen zu ordnen und dadurch vielfach erst
rlar hervortreten zu lassen. Wer sich in Köppens
System hineinlebt, der überblickt mit Leichtigkeit
jas großartige „farbenprächtige, wissenschattliche
Gemälde“ der Verteilung der Klimate der Erde.
In diesem Sinne ist, Köppens Buch in seiner Art,
neben Hanns grundlegendem Handbuch, in unserer
and wohl auch in der fremden Literatur einzig
dastehend. A, Defant.
A. Defant und E. Obst: „Lufthü'le und Kli-
ma“. 8°, 186 S. Leıpzig u. Wien 1923. Franz
Deuticke.
Die Arbeit ist als Einzelband der das Klar-
sche Sammelwerk „Die Erdkunde‘ weiterführenden,
‚on O. Kende-Wien herausgegebenen ‚„‚Enzyklo-
»ädie der Erdkunde“ erschienen. Dementsprechend
ist das Buch hauptsächlich für Geographen be-
stimmt; es verdient jedoch auch weiteste Verbrei-
ung bei denjenigen See- und Luftfahrern, Land-
virten, Bäderärzten, Volkswirtschafılern und den
zielen sonstigen, die Ergebnisse der Meteorologie
rerwertenden Berufen, denen der „Börnstein‘“ zu
wenig, der „Hann-Süring‘ zu viel und der kleine
‚Trabert-Defant:‘ (Göschen) zu gedrängten Stoff
»ietet. Dies um so mehr, als auch die jüngsten
"eitideen über den Bau der Zykionen, die Schmidt-
Defantschen Gedanken über den Luftaustausch,
lie neueren Erfahrungen über die Temperatur- und
Windverhältnisse in den höberen Luftschichten
ınd über die Verdunstung des Wassers an der
Erdoberfläche, das Bjerknessche Schema der all-
zemeinen Zirkulation u. a. m. betrachtet werden.
Defants „Atmosphärenkunde‘“ umfaßt mit
148 von insgesamt 186 Seiten den Hauptteil des
3andes. Er ist so fesselnd geschrieben, daß auch
ler Fachmeteorolog ihn mit Eifer liest. Vor allem
rilt dies von den wichtigen Abschnitten über die
‚Strahlende Wärme und die Lufttemperatur“ und
‚Das Weiter“, Leider hat den Verfasser die sonst
an ihm so schätzenswerte Eigenschaft, klar und
zerständlich zu schreiben, bei Ableitung der For-
neln auf Seite 42 im Stich gelassen; mir jedenfalls
st sie — von den offenkundigen Druckfehlern
zanz abgesehen — unverständlich geblieben. Daß
juch weiterhin (S. 43ff.) für den Geographen die
Auffassung von dem an sich klaren Begriff „Aqua-
;orialtag“ in den unter der Überschrift ‚Tages-
summe der Sonnenstrahlung im solaren Klima“ und
veiterhin folgenden Zahlenreihen eindeutig bestätigt
vird, möchte ich bezweifeln; hier scheint mir zu sehr
nit „Erklärungen“ gespart zu sein. — Der Ab-
schnitt „Die Bearbeitung des Beobachtungsmate-
iales‘“ (S. 10ff.) ist für den Geographen wichtig.
Gerade für klimatologisch noch unerforschte Länder
wird dieser häufig das erste meteorologische Zah-
‚enmaterial veröffentlichen, wenn er Glück hat,
ınter Verwertung der Ergebnisse mehrjähriger Be-