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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

. 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1924. 
gleichzeitig Windrichtung und -stärke bestimmt. Einmal in jeder Woche wurde 
außerdem ein Schwimmkörper bzw. eine Flaschenpost ausgesetzt. Über die Er- 
gebnisse der ersten Gruppe von Beobachtungen berichtet H. Heldt (Les Courants 
de Mar6e au Bateau-Feu du „Sandetti&“. Office scientifique et technique des 
päeches märitimes, Notes et Mömoires Nr. 27, Paris 1923, 12 S.). Die wichtigsten 
Ergebnisse seien kurz zusammengefaßt, ' ] 
Für die bei ruhigem Wetter zur Springzeit (Gezeitenkoeffizient 1.00) herr- 
schenden mittleren Stromverhältnisse wird ein Schema aufgestellt, dessen Zeit- 
angaben auf Calais Hochwasser bezogen sind. Danach ist von 1h 40m bis 1/„h vor 
Hochwasser Stromstille zwischen Ebb- und Flutstrom. Der Flutstrom setzt immer 
in gleicher Richtung nach ONO, seine Geschwindigkeit ist zur Hochwasserzeit 
1/„ Sm, zwei Stunden später ist mit 2 Sm der größte Wert erreicht, darauf nimmt 
die Geschwindigkeit langsam ab, eine Stunde vor dem Kentern beträgt sie nur 
noch 1 Sm. 4h 50m nach Hochwasser beginnt die 40m dauernde Stromstille zwischen 
Flut- und Ebbstrom. Der letztere ist nach WSW gerichtet, seine Geschwindigkeit 
nimmt langsam zu, erst drei Stunden vor Hochwasser (3h 20m nach seinem Ein- 
setzen) erreicht der Ebbstrom mit 2!/, Meilen seine größte Geschwindigkeit. Nach 
11/, Stunden aber hat der Ebbstrom wieder bis Null abgenommen, So daß die 
Geschwindigkeit also etwa zwei Stunden länger steigt, als sie abnimmt. Im 
Gegensatz zum Flutstrom erfolgt beim Ebbstrom die Abnahme der Geschwindig- 
keit so plötzlich, daß noch 10 Minuten vor der Stromstille ein Ebbstrom von 1 Sm 
läuft (vgl. Figur 6, Tafel 7). Beachtenswert ist vor allem: 1. Im Gegensatz zu 
dem bei den östlicher gelegenen Feuerschiffen „Westhinder“, „Wandelaar“, „Wie- 
lingen“ festgestellten Befunde, wo der Strom deutlich dreht, sind hier wie meist 
in einem Flusse Flut- und Ebbstrom bzw. immer gleich sowie einander entgegen- 
gesetzt gerichtet und durch eine Zeit ausgesprochener Stromstille getrennt. Nur 
ganz ausnahmsweise wurde eine Stromdrehung festgestellt und dann links herum, 
also in gleichem Sinne wie bei den genannten Feuerschiffen. 2. Trotz der größeren 
maximalen Geschwindigkeit des Ebbstromes ist infolge der längeren Dauer des 
Fluts‘romes (53/,h gegen 41/„h) der Reststrom nach der Nordsee gerichtet. — Starke 
Wine vermögen das soeben skizzierte Strombild stark zu verändern. Bei starken 
WSW-Winden und -Stürmen überwiegt die Versetzung der Wassermassen in die 
Nordsee hinein noch weit mehr, da der Flutstrom länger dauert und im Maximum 
bis etwa 81/, Meilen steigt. Dagegen vermögen starke bis stürmische Winde aus 
östlichen Richtungen die Verhältnisse ganz umzukehren, so daß der Reststrom 
aus der Nordsee heraus in den Kanal setzt (vgl. Figur). — Die Abhängigkeit der 
Stromstärke, von der Stellung von Sonne und Mond ist nach dem auf den fran- 
zösischen Seekarten angewandten Prinzip annähernd durch die Gezeitenkoeffi- 
zienten gegeben, von denen in dem Annuaire des maröes des cötes de France 
für jeden Tag des Jahres zwei Werte mitgeteilt sind. B. Schulz. 
6. Berichtigung. In Ann. d. Hydr. usw. 1922, Heft V, S. 167, Tabelle 
Luftdruck-Monats-Extreme, Hamburg lies „73.2 am 13.“ statt „73.8 am 11.“ 
Neuere Veröffentlichungen. 
A. Besprechungen und #w-führliche Inhaltsangaben, 
Köppen, W.: Die Klimate der Erde (Grundriß Charakterzüge der irdischen Klimate herauszuschälen 
der Klimakunde). 369 S. mit 8 Tafeln und und in eine Reihe bestimmt umgrenzter Klimatypen 
19 Textfiguren. Berlin u, Leipzig 1923. Walter zu ordnen, Unter allen diesen Versuchen ragt 
de Gruyter & Co. Köppens Klassifikation der Klimate auf Grund 
Es ist wohl ein hauptsächlichstes Endziel der ier meteorologischen Klimastatistik, die er in einer 
Klimatologie, die mosaikähnlichen Klimabilder, die zrößeren Abhandlung in Petermanns geographischen 
sich durch die Bearbeitung des meteorologischen Mitteilungen 1918 ausführlich dargelegt hat, weit 
Beobachtungsmaterials der verschiedensten Ört- ı1ervor. Wir stehen nicht an, uns Öbsts Urteil 
lichkeiten der Erde ergeben, in größere Gruppen völlig anzuschließen, der das System Köppens 
zu natürlich verwandten Klimaten zusammenzu- »instweilen als das Vollendetste, was wir auf dem 
fassen und dadurch „unser geistiges Bedürfnis Gebiete der Klimaklassifikation besitzen, bezeichnet. 
nach Ordnung und Einheit in der Darstellung der Es ist wohl klar und einleuchtend, daß Köppen 
Mannigfaltigkeit zu befriedigen“. In dieser Richtung zu dieser ausgezeichneten Klassifikation der Klimate 
sind sehon mehrere Versuche gemacht worden, die nur auf Grund eingehender, klimatofogischer Unter-
	        
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