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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

Kleinere Mitteilungen. 57 
größten Stromgeschwindigkeiten nahe der Zeit der extremsten Wasserstände er- 
reicht werden. ; 
Marmer hat den Versuch gemacht, die Strömung und den Tidenhub im 
East River aus Gefällskurven, also allein aus Niveauunterschieden abzuleiten 
(vgl. Fig. 5). Diese Kurven wurden gewonnen, indem die mittleren Wasser- 
stände über dem Mittelwasser zu den einzelnen auf den Monddurchgang im 
Meridian von Fort Hamilton bezogenen Stunden auf den beiden Vertikalen auf- 
getragen, und die einander entsprechenden Punkte miteinander durch Gerade 
verbunden wurden. In der Tat ergeben sich die Haupteigentümlichkeiten der 
Gezeiten im East River aus der Darstellung, nämlich 1. die zunächst erfolgende 
geringe Abnahme und dann vorhandene stärkere Zunahme des Tidenhubes; 
2. müssen, wenn nur Gefällsunterschiede wirksam in Erscheinung treten, die 
Kenterungen eintreten, wenn die Niveauunterschiede Null sind, also wie die Fig. 5 
zeigt, 3 und 9 Stunden nach dem Meridiandurchgang des Mondes in Fort Hamilton, 
tatsächlich kentert der Strom auch zu diesen Zeiten, und zwar gleichzeitig im 
ganzen Verlaufe des East River; 3. ist das Strommaximum überall zu gleicher 
Zeit zu erwarten, und zwar wenn die Niveauunterschiede am größten sind, also 
um 1 und 7 Uhr. Die Beobachtungen zeigen dies auch mit großer Annäherung. 
Man kann also hieraus den Schluß ziehen, daß Eigenschwingungen im East River 
höchstens eine untergeordnete Rolle spielen und durch die Reibung fast ganz 
vernichtet werden, daß also die Wässerstandsänderungen und Strömungen ganz 
äberwiegend durch die Niveauunterschiede bedingt sind. Im 6 Sm langen Harlem 
River und nur halb so langen Kill van Kull sind die Gezeiten grundsätzlich denen 
im East River ähnlich und die Strömungen und Tidenhübe lassen sich ebenfalls 
aus Gefällskurven ableiten. Die Unterschiede in den Gezeiten an beiden Enden 
dieser Wasserstraßen sowohl in bezug auf Tidenhub wie auf Eintrittszeit von 
Hoch- und Niedrigwasser sind aber sehr viel kleiner und die Strömungen infolge- 
dessen schwächer. 
4. Bei den im unteren Hudson herrschenden Geschwindigkeiten würden 
sich die Wasserteilchen bei alleiniger Berücksichtigung der Gezeiten während 
einer Tide etwa 8 Sm flußauf und -ab bewegen. Infolge des im Hudson abwärts 
fließenden Süßwassers findet aber ein regelmäßiger Wassertransport durch die 
Narrows seewärts statt. Dieser wird noch dadurch verstärkt, daß wie aus den 
Gefällskurven bei Berücksichtigung der fast gleichen Steig- und Falldauer ver- 
ständlich ist, die im East River nach der Upper Bay fließende Wassermenge 
größer ist, als die sich in entgegengesetzter Richtung bewegende, daß also ein 
Wassertransport vom Long Island-Sund nach dem Hafen von New. York statt- 
findet, der den in den Narrows seewärts gerichteten Reststrom verstärkt. Da 
dieser Wassertransport für die Reinigung des New Yorker Hafens sehr wichtig 
ist, ist der Plan aufgestellt worden, ihn noch durch Einbau von Schleusen im 
East River in Gegend der Wards-Insel zu verstärken. Wenn diese Schleusen 
durch den ostwärts setzenden Strom geschlossen, durch den entgegengesetzt ge- 
richteten geöffnet werden, wird in der Tat die durch die Narrows zum Abfluß 
gelangende Wassermenge durch reines aus dem Long Island-Sund stammendes 
vermehrt und dadurch‘ die Reinigung der Hafengewässer gefördert‘). 
Bruno Schulz. 
Gezeitenströmungen bei Feuerschiff „Sandetti6“ (vgl. Figur 6 auf 
Tafel 7). Im Rahmen der von der Internationalen Kommission für Meeresforschung 
beschlossenen Arbeiten hat Frankreich es übernommen, die Kenntnis der Gezeiten 
im Übergangsgebiet zwischen dem Kanal und der Nordsee durch Beobachtungen 
vom Feuerschiff „Sandetti&“ aus zu fördern. Das Feuerschiff (51° 18’ 25” N-Br., 
1° 53’ 39” O-Lg.) ist in 23 m tiefem Wasser etwa 18 Sm nordwestlich von Dün- 
kirchen und 17 Sm nordöstlich von Calais gelegen, Während eines vollen Jahres, 
vom 1. Oktober 1920 bis zum 1. Oktober 1921, wurden täglich beginnend mit Mitter- 
nacht alle vier Stunden die Strömrichtung und -stärke mit Hilfe des Loggs und 
N) Sidney A. Reeve, Cleansing New York Harbor. The Geographical Review 1922, New 
York, S. 420ff.
	        
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