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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1924.
getzungen eines einfach sinusförmigen Verlaufs der Strömungen und gewisser
Reibungsgesetze aufgegeben werden. Es mögen also Karten der Ober- und
Unterströmungen, etwa von Tidehalbstunde zu Halbstunde vorhanden sein; wenn
nötig, sind solche für kürzere Zeiträume einzuschalten. Man zerlege eine jede
Strömung in zwei zueinander senkrechte Komponenten, z. B. etwa eine nord-
südliche und eine ostwestliche, und entwerfe Karten mit Linien gleicher Ge-
schwindigkeit für jede Komponente, also zwei Karten für jede Strömungskarte.
Um den Punkt, dessen Hubverhältnisse untersucht werden sollen, denke man
sich eine quadratische Säule errichtet, deren Seiten hier im Beispiel nordsüdlich
und ostwestlich verlaufen und für Wasser durchlässig sind; die quadratische
Grundfläche muß so klein sein, daß innerhalb ihrer der Boden gleichmäßig an-
steigt und der Wasserspiegel als wagerecht angesehen werden kann. Mit Hilfe
der oben beschriebenen Karten ist es dann möglich, die durch jede Seitenfläche
in einer Halbstunde ein- oder ausströmende Wassermenge zu berechnen; dabei
sind nötigenfalls wegen der ungleichen Tiefe die Seitenflächen verschieden groß
anzusetzen und die Unterschiede der Geschwindigkeitskomponenten auf der Nord-
und Südseite, ebenso auf der Ost- und Westseite zu beachten. Aus der Be-
rechnung der aus- und einströmenden Massen ergibt sich, um wieviel die Wasser-
menge in der Säule zu- oder abnimmt, und daraus folgt leicht der Betrag des
Steigens oder Fallens. Wenn die Gesamttiefe sehr gering ist, So muß auch die
Vergrößerung der Seitenflächen infolge des Steigens oder Fallens in Rechnung
gezogen werden. Durch eine solche etwas mühselige, wenn auch nicht schwierige
Rechenarbeit, die sich übrigens ebenso wie bei Defant auf die Kontinuitäts-
gleichung der Hydrodynamik gründet, wird sich stückweise die Tidekurve des
betrachteten Punktes ergeben. Es ist von Interesse, daß man für einen be-
stimmten Punkt nicht die Strömungen des ganzen Gewässers, sondern nur die-
jenigen seiner Umgebung zu kennen braucht, um die Tidekurve zu berechnen.
H. Thorade.
4. Die Gezeiten im Hafen von New York. (H. A. Marmer, Flood and
Ebb in New York Harbor. Geographical Review 1923, S. 413—444). (Vgl. Fig. 1—5
auf. Tafel 7.) Der Hafen von New York besteht im wesentlichen aus fünf ver-
schiedenen, miteinander in Verbindung stehenden Wasserläufen bzw. -becken:
„Upper Bay“, „Hudson“, „Harlem Rıver“, „East River“ und „Newark Bay“ mit
„Kill van Kull“ Diese treten mit dem Ozean an zwei um die Längserstreckung
von Long Island voneinander entfernten Orten in Verbindung: 1. Durch die
Narrows und Arthur Kill mit der Lower Bay, 2. bei Throgs Neck mit dem Long
Island Sund, der durch die Straße The Race mit dem Ozean verbunden ist. Da
der Ablauf der Gezeitenbewegungen am Ost- und Westende von Long Island
nicht gleichzeitig erfolgt und außerdem der.Long Island-Sund einen eigenen Ge-
zeitencharakter besitzt, weichen die Gezeitenerscheinungen in den einzelnen Teilen
des Hafens von New York erheblich voneinander ab, je’nach dem Grade der Ein-
wirkung des im Hudson abfließenden Süßwassers, bzw. des durch die Narrows
oder Throgs Neck eindringenden Impulses der Gezeitenbewegung.
1. Über die in den Narrows herrschenden Gezeiten liegen jetzt etwa
95 Jahre hindurch fortgeführte Aufzeichnungen eines Selbstschreibpegels bei Fort
Hamilton vor, sowie Strommessungen zwischen Fort Hamilton und Fort Wads-
worth. Nach den Angaben von Marmer ist die Gestalt der Gezeitenkurve bei
Fort Hamilton ziemlich rein die einer Sinuskurve (vgl. Fig. 1). Die Spring-
verspätung beträgt einen Tag. Der mittlere Tidenhub ist 1.43 m, bei Spring-
und Nipp-Tide ist er 20%, größer bzw. kleiner, also 1.71 bzw. 1.16 m, das Mond-
perigäum bzw. -apogäum bedingt eine mittlere Veränderung um +23 und — 20%,
also auf 1.77 bzw. 1.16 m. Danach müßte, wenn Springzeit und Mondperigäum zu-
sammentreffen, der Tidenhub gleich dem mittleren Wert :+430/, sein, beobachtet
wurde am 16. Juli 1916, wo die genannte Konstellation vorhanden war, 1.98 m,
also 39° , mehr als der mittlere Wert. Treffen Nippzeit und Apogäum zusammen,
wie am 19. Oktober 1916, so müßte nach obigem der Tidenhub gleich dem um
40°%, verminderten mittleren Wert sein, beobachtet wurde am genannten Tage
0.98 m, also eine Verminderung von 32°%,. Die tägliche Ungleichheit ist hier,