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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

Kleinere Mitteilungen. 
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bei schwererem Lot der gleiche Abgangswinkel a erst bei höherer Fahrt erreicht 
wird; man wird aber kaum erwarten, daß es dadurch sogar höher als das leichte 
Lot gehoben wird. Und daß Formel (1) für kleine Längen 1 (z. B. 1.< 6.5 m bei 
G=—13 und a =— 45°) negative Tiefen h ergibt, zeigt, daß die Formel erst von 
gewissen Längen ] an gültig sein kann. Das spezifische Gewicht des Lotes tritt 
wohl deshalb in der. Formel nicht auf, weil es vermutlich gleich dem des Lot- 
drahtes angenommen wird, 
Es seien zunächst nur diese Ergebnisse selbst mitgeteilt; eine Aufklärung 
der Widersprüche muß vorbehalten bleiben, bis der Aufsatz von Herrn de Marchi 
in Deutschland bekannt wird. H. Maurer. 
2. Zur Entstehung der Seebären. Nach den interessanten Darlegungen von 
Herrn Meißner!) wird man kaum daran zweifeln können, daß die geschilderten 
Seebären von Stolpmünde ihre Entstehung dem Vorübergang eines scharfen 
Isobaren-Knicks verdankt haben. Dafür, daß auf den anderen Ostseestationen 
bei den gleichen Gelegenheiten nicht auch Seebären auftraten, wird die Erklärung 
gegeben, daß nur dort, wo der Isobaren-Knick die Küste erreicht, ein Seebär 
entstehe. Diese Erklärung kann nicht befriedigen. Denn es ist ja rein zufällig, 
daß bei Stolpmünde gerade der auf der Karte gezeichnete Knick der 
Isobare 760 vorbeiging. Denkt man sich auch die Isobaren 760.1, 760.2.... 
und 759.9, 759.8 usw. gezeichnet, so sind auch unter diesen scharf geknickte, 
und es wird nicht gerade die zufällig gezeichnete Isobare einer runden Millimeter- 
zahl den schärfsten Knick zeigen. Hier muß man also nach einer anderen Er- 
klärung suchen, die sich wohl andeutet in Herrn Meißners Ausdruck: „Stolpmünde, 
das offenbar für derartige Ereignisse ein besonders geeigneter Ort ist“. Es 
muß eben zu den angegebenen meteorologischen Ursachen noch eine Örtliche 
Begünstigung hinzukommen, die in der Gestalt des umgebenden Meeresteiles nach 
Küstenform und Tiefenverhältnissen und vielleicht auch in der Eigenschwingungs- 
periode des Beckens begründet sein dürfte. In der Tat mögen die Tiefen- 
verhältnisse hier Wasserstauungen insofern begünstigen, als zwischen Stolpmünde 
and der bis zu 8 m Tiefe aufsteigenden Stolpebank ein bis 34 m tiefes schlauch- 
oder sackförmiges Becken liegt, wo besonders von Westen her das Wasser hinein- 
gepreßt und hochgestaut werden kann, HE. Maurer. 
83. Bemerkungen zu A. Defants letzten Gezeiteuarbeiten. A. Defant 
hat sich in zwei Abhandlungen (Ann. d. Hydr. usw. 1922, S. 57 und S. 177) mit 
den Tiden der Nordsee beschäftigt. In der ersten, mehr grundsätzlich gearteten, 
wird im Anschluß an die mathematische Theorie G. J. Taylors der wichtige 
Nachweis dafür erbracht, daß die Gezeiten der Nordsee durch die von Norden 
eindringende Gezeitenwelle wesentlich bedingt sind, und daß weder die aus dem 
Kanal kommende Welle über die Hoofden hinaus von merklichem Einfluß ist, 
noch daß selbständige Tiden der Nordsee eine Rolle von Bedeutung spielen. In 
der zweiten Arbeit sucht Defant ein der Wirklichkeit mit ihren verwickelten 
Tiefenverhältnissen entsprechendes Bild zu entwickeln, verwirft aber hierfür die 
Taylorsche Methode als zu umständlich für eine numerische Integration und 
stützt sich dafür auf die zur Zeit vorhandenen Karten der Strömungen, indem 
ar die sogenannte Kontinuitätsbedingung verwendet. 
Dieser Schritt ist von grundsätzlicher Bedeutung; denn die Schwierig- 
keiten, die sich einer zuverlässigen Ermittlung des Tidenhubs und noch mehr 
der Hochwasserzeit auf offener See entgegenstellen, sind zur Zeit noch so groß, 
daß es sehr wünschenswert erscheinen muß, auch die leichter zu gewinnenden 
Strömungsbeobachtungen für die Bestimmung des Hubs und der Hochwasserzeit 
dienstbar zu machen. Dadurch tritt der fruchtbare Gedanke ins rechte Licht, 
die wagerechten Verschiebungen der Wasserteilchen als die Haupterscheinung 
und das Auf und Ab als Begleiterscheinung anzusehen. 
Aber das Verfahren Defants gestattet noch eine Verallgemeinerung, wenn 
nur der Verlauf der Strömungen an der Oberfläche und allerdings auch 
in der Tiefe gut bekannt ist. Alsdann können die Defantschen Voraus- 
)y O. Meißner, Zur Frage nach der Entstehung der Seebären. Ann. d. Hydr. usw. 1924, 8. 14.
	        
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