Kleinere Mitteilungen.
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bei schwererem Lot der gleiche Abgangswinkel a erst bei höherer Fahrt erreicht
wird; man wird aber kaum erwarten, daß es dadurch sogar höher als das leichte
Lot gehoben wird. Und daß Formel (1) für kleine Längen 1 (z. B. 1.< 6.5 m bei
G=—13 und a =— 45°) negative Tiefen h ergibt, zeigt, daß die Formel erst von
gewissen Längen ] an gültig sein kann. Das spezifische Gewicht des Lotes tritt
wohl deshalb in der. Formel nicht auf, weil es vermutlich gleich dem des Lot-
drahtes angenommen wird,
Es seien zunächst nur diese Ergebnisse selbst mitgeteilt; eine Aufklärung
der Widersprüche muß vorbehalten bleiben, bis der Aufsatz von Herrn de Marchi
in Deutschland bekannt wird. H. Maurer.
2. Zur Entstehung der Seebären. Nach den interessanten Darlegungen von
Herrn Meißner!) wird man kaum daran zweifeln können, daß die geschilderten
Seebären von Stolpmünde ihre Entstehung dem Vorübergang eines scharfen
Isobaren-Knicks verdankt haben. Dafür, daß auf den anderen Ostseestationen
bei den gleichen Gelegenheiten nicht auch Seebären auftraten, wird die Erklärung
gegeben, daß nur dort, wo der Isobaren-Knick die Küste erreicht, ein Seebär
entstehe. Diese Erklärung kann nicht befriedigen. Denn es ist ja rein zufällig,
daß bei Stolpmünde gerade der auf der Karte gezeichnete Knick der
Isobare 760 vorbeiging. Denkt man sich auch die Isobaren 760.1, 760.2....
und 759.9, 759.8 usw. gezeichnet, so sind auch unter diesen scharf geknickte,
und es wird nicht gerade die zufällig gezeichnete Isobare einer runden Millimeter-
zahl den schärfsten Knick zeigen. Hier muß man also nach einer anderen Er-
klärung suchen, die sich wohl andeutet in Herrn Meißners Ausdruck: „Stolpmünde,
das offenbar für derartige Ereignisse ein besonders geeigneter Ort ist“. Es
muß eben zu den angegebenen meteorologischen Ursachen noch eine Örtliche
Begünstigung hinzukommen, die in der Gestalt des umgebenden Meeresteiles nach
Küstenform und Tiefenverhältnissen und vielleicht auch in der Eigenschwingungs-
periode des Beckens begründet sein dürfte. In der Tat mögen die Tiefen-
verhältnisse hier Wasserstauungen insofern begünstigen, als zwischen Stolpmünde
and der bis zu 8 m Tiefe aufsteigenden Stolpebank ein bis 34 m tiefes schlauch-
oder sackförmiges Becken liegt, wo besonders von Westen her das Wasser hinein-
gepreßt und hochgestaut werden kann, HE. Maurer.
83. Bemerkungen zu A. Defants letzten Gezeiteuarbeiten. A. Defant
hat sich in zwei Abhandlungen (Ann. d. Hydr. usw. 1922, S. 57 und S. 177) mit
den Tiden der Nordsee beschäftigt. In der ersten, mehr grundsätzlich gearteten,
wird im Anschluß an die mathematische Theorie G. J. Taylors der wichtige
Nachweis dafür erbracht, daß die Gezeiten der Nordsee durch die von Norden
eindringende Gezeitenwelle wesentlich bedingt sind, und daß weder die aus dem
Kanal kommende Welle über die Hoofden hinaus von merklichem Einfluß ist,
noch daß selbständige Tiden der Nordsee eine Rolle von Bedeutung spielen. In
der zweiten Arbeit sucht Defant ein der Wirklichkeit mit ihren verwickelten
Tiefenverhältnissen entsprechendes Bild zu entwickeln, verwirft aber hierfür die
Taylorsche Methode als zu umständlich für eine numerische Integration und
stützt sich dafür auf die zur Zeit vorhandenen Karten der Strömungen, indem
ar die sogenannte Kontinuitätsbedingung verwendet.
Dieser Schritt ist von grundsätzlicher Bedeutung; denn die Schwierig-
keiten, die sich einer zuverlässigen Ermittlung des Tidenhubs und noch mehr
der Hochwasserzeit auf offener See entgegenstellen, sind zur Zeit noch so groß,
daß es sehr wünschenswert erscheinen muß, auch die leichter zu gewinnenden
Strömungsbeobachtungen für die Bestimmung des Hubs und der Hochwasserzeit
dienstbar zu machen. Dadurch tritt der fruchtbare Gedanke ins rechte Licht,
die wagerechten Verschiebungen der Wasserteilchen als die Haupterscheinung
und das Auf und Ab als Begleiterscheinung anzusehen.
Aber das Verfahren Defants gestattet noch eine Verallgemeinerung, wenn
nur der Verlauf der Strömungen an der Oberfläche und allerdings auch
in der Tiefe gut bekannt ist. Alsdann können die Defantschen Voraus-
)y O. Meißner, Zur Frage nach der Entstehung der Seebären. Ann. d. Hydr. usw. 1924, 8. 14.