Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1924.
zumal eine auffällige Unstimmigkeit der Nivellementsergebnisse darin bestand,
daß sich. der mittlere Wasserspiegel in Dunbar (Schottland) und Liverpool 0,8’
(engl. Fuß) bzw. 0.4’ höher ergeben hatte als in Newlyn (Cornwall), Wenn auch
nach Meinung Jollys in der dem Vortrage Doodsons folgenden Aussprache,
von den 0.8’ etwa 1'/,” bis 2” auf Nivellementsfehler und 1” auf Luftdruck-
wirkungen kommen konnte, so bleibt doch ein unaufgeklärter Rest. Doodson
ist nun zu dem überraschenden Ergebnis gekommen, daß bei westlichen Winden
der Wasserstand an der englischen Ostküste sich erhöht, umgekehrt wie man
vermuten sollte; da an der gegenüberliegenden Festlandsküste das Wasser bei
Westwind ebenfalls steigt, so kann man bei Westwind von einem allgemeinen
Steigen in der südlichen Nordsee sprechen. Kin zweites auffälliges Ergebnis
besteht darin, daß das Wasser bei plötzlichem Auffrischen des Windes nicht all-
mählich seine endgültige Stauhöhe erreicht, sondern erst nach einigem Auf- und
Abschwingen. Beides steht durchaus im Einklang mit den Anschauungen, die
sich bei der Bearbeitung der von der Marine, dem Institut für Meereskunde und
der Deutschen Seewarte im August 1921 veranstalteten Wasserstands- und Strom-
beobachtungen ergeben haben!), und damit sind auch diese beiden auffälligen
Sätze von zwei verschiedenen Seiten bestätigt. Danach erscheint der Mechanismus
des Windstaus verwickelter, als man bisher glaubte. Auch hat z.B, nach Doodson
der südlich Irland wehende Wind auf den Wasserstand in Liverpool eine bis zu
50%, stärkere Wirkung als der örtliche. Der wirksamste atlantische Wind ist
der Süd-, der wirksamste örtliche der Westwind. Ferner trete die irgendeinem
Gradienten entsprechende Wasserstandsänderung in ganz verschiedener Zwischen-
zeit nach dem Entstehen des Gradienten ein, einer Zwischenzeit, die von der
Richtung des Gradienten abhänge und zwischen 15 Stunden später und 3 Stunden
früher (!) schwanken könne.
Eine Reihe weiterer Arbeiten wird nur kurz angedeutet, z. B. die Frage
der Seichtwassertiden, der Reibung, der Atlantischen Tiden, zu deren Bewältigung
der Honorardirektor Proudman eine neue mathematische Theorie entwickelt habe.
Aber auch bei den oben erwähnten ist die Darstellung so kurz und sind die Er-
gebnisse so wichtig, daß man mit großem Interesse ausführlicheren Veröffent-
Kehungen des Tidal Institute entgegensehen muß,
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Tangenten-Ablenkungsapparat
zur Bestimmung des magnetischen Moments der Fluidkompasse.
Im Märzheft 1922, Seite 101, der Ann. d. Hydr. usw. schlug ich ein Ver-
fahren zur Bestimmung des magnetischen Moments der Fluidkompasse vor, Auf
Grund der dort gemachten Ausführungen hat die Firma W. Ludolph A.-G.,
Bremerhaven, zur Prüfung ihrer Fabrikate einen Tangenten-Ablenkungsapparat
gebaut, wie er unten abgebildet ist,
Auf einem Unterbau A liegt, um eine vertikale Achse drehbar und durch
Halteschrauben feststellbar, eine Schiene B. Auf dieser liegt verschiebbar ein
Kastenschlitten C mit einer 36 cm langen und leichten Nadel aus Aluminium,
Senkrecht zu ihrer Achse ist mit der Nadel ein kräftiges Magnetsystem ver-
bunden. Um Pinne und Hütchen zu schonen, läßt sich durch Umlegen eines
Hebels die Pinne senken und die Nadel auf einen Teller legen. Die beiden Grad-
bogen sind wie beim Sextanten in 10’ geteilt, so daß man mit Hilfe einer Lupe
den Ablenkungswinkel bequem auf 1’ genau schätzen kann. An der Außenseite
hat der Schlitten einen Index, welcher zum Einstellen der Ablenkungsnadel in
die beabsichtigte Entfernung vom Kompaß dient.
Das andere Ende der Schiene ist breiter gehalten, so daß Raum genug
für alle in Frage kommenden Kompasse ist. D und E sind zwei Schlitzdiopter.
Zwischen diese wird der zu prüfende Kompaß so gestellt, daß zwei Steuerstriche
in der. Visierlinie der beiden Diopter liegen. Um die Einstellung zu erleichtern,
1) Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte, 5. Jahrg., Nr. 2. Hamburg.