Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1924.
liche Schnittpunkte der Linien gleicher Hochwasserzeit mit den Linien gleicher
Hubhöhe die Lage des Wasserspiegels über oder unter Mittelwasser zu den
folgenden vier Zeitpunkten berechnet: Zur Zeit der Mondkulmination in
Greenwich und 3, 6 bzw. 9 Sonnenstunden später. (Die vier Augenblicke ver-
teilen sich also nicht völlig symmetrisch über den Abstand zweier Mondkulmi-
nationen.) Die Gezeitenbewegung wurde an allen Punkten als einfache Sinus-
schwingung angenommen; trotz dieser Vereinfachung wird das gewonnene Bild
qualitativ zutreffen!). Schließlich ist noch darauf hinzuweisen, daß bei den be-
trächtlichen Unterschieden in der Springverspätung im Norden und Süden der
Nordsee ja auch die mittleren Tidenverhältnisse nicht gleichzeitig auftreten
(z. B. beim Pentland Firth drei Tiden früher als vor der Elbmündung). Offen-
bar hat aber diese Erwägung für den Entwurf der Isohypsenkarten nur grund-
sätzliches Interesse?). Die Karten können also für ihren Zweck als Augenblicks-
bilder der Lage des Wasserspiegels gelten,
Zur Zeit der Mondkulmination in Greenwich (Abb. 1, Tafel 6) ist die ganze
nördliche Nordsee durch einen Wellenberg ausgefüllt, der vor der englischen
Küste am weitesten nach Süden reicht (bis zur Tynemündung) und vor dem
Skagerrak durch einen flachen Sattel mit einem zweiten Wellenberg in der
Deutschen Bucht zusammenhängt. Ein dritter Wellenberg zeigt sich im südlichen
Teil der Hoofden, während sich vor der Küste Mittelenglands bis an die Küste
von Nordholland eine Mulde ausbreitet, die ihre tiefste Einsenkung (mehr als
2 m unter Mittelwasser) vor dem Washbusen hat. — Drei Stunden später (Abb. 2)
ist der nördliche Wellenberg so weit südwärts vorgedrungen, daß sein Kamm
etwa von der Tyne- oder der Teesmündung auf das Skagerrak gerichtet ist; in
dieser Phase ist eine sekundäre Kuppe vor dem Skagerrak als Folge der eigen-
tümlichen Hubverhältnisse (s. oben) deutlich ausgeprägt. Im Süden stellt ein
Sattel die Verbindung mit dem Wellenberg der Hoofden her, der sich jetzt vor
der Westküste Hollands befindet. Dieses eben umrissene einheitliche Erhebungs-
gebiet trennt drei Senken voneinander: Im westlichen Teil der Hoofden, in der
Deutschen Bucht und in der nördlichen Nordsee, — Nach weiteren drei Stunden
(Abb. 3), haben sich der von Norden vorgedrungene Wellenberg und der Berg
aus den Hoofden vereinigt; vor dem Washbusen liegt jetzt das Gebiet höchster
Erhebung, wie vor sechs Stunden das der tiefsten Senkung. Die drei eben unter-
schiedenen Mulden heben sich in etwas veränderter Lage gleichfalls wieder ab:
in den Hoofden neigt sich der Meeresspiegel nach Süden hin, die Mulde in der
Deutschen Bucht liegt jetzt vor der deutsch-dänischen, statt vor der holländisch-
deutschen Küste, und das nördliche Wellental nimmt jetzt das ganze Gebiet
zwischen der Küste Schottlands und Nordenglands und dem Skagerrak ein. —
Die letzte Karte endlich (Abb, 4) zeigt je zwei. Zonen der Erhebung und der
Senkung. Im Norden bereitet sich der Anstieg des Wasserspiegels vor, der auf
Abb. 1 und 2 im Südwärtsfortschreiten verfolgt wurde. Der zweite Wellenberg,
im Süden, ist durch einen Sattel in zwei Kuppen getrennt, von denen die eine
sich vor der englischen Küste von Yarmouth ab nach Süden in die Hoofden er-
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1) Einige Belege für die Zulässigkeit dieser vereinfachenden Annahme ergaben sich auf fol-
vende Weise: Für die einigermaßen frei zum offenen Meere gelegenen Punkte Cuxhaven, IJmuiden,
Hoek van Holland und Vlissingen wurden die Wasserstandswerte für 0, 3, 6, 9h nach der Mond-
kulmination in Greenwich aus den mittleren Tidenkurven der Gezeitentafeln entnommen und in
Abb. 1 bis 4, Tafel 6, eingetragen. Den Isohypsen wurde jedoch der Verlauf belassen, der sich bei
Zugrundelegung der Sinuslinie als Tidenkurve ergibt, Die Tidenkurven für IJmuiden und Hoek van
Holland sind recht stark gestört; trotzdem fügt sich nur in einem Falle (Abb. 1) IJmuiden in auf-
{allender Weise nicht in den Verlauf der Isohypsen ein. — Bei diesen vier Punkten wurde der Hoch-
wasserzeitunterschied gegen Monddurchgang in Greenwich nicht nach der Karte von A. Merz ge-
schätzt, sondern nach Unterlagen berechnet, die H. Rauschelbach dem Verfasser dankenswerter-
weise zur Verfügung stellte. Während die vier Punkte sich gut in die Karte des Instituts für Meeres-
kunde einfügen, ergab sich übrigens für Helgoland nach den Unterlagen Rauschelbachs eine
Hochwasserzeit von 10h 36m statt etwa 1lh 10m nach Merz. Eine noch größere Abweichung stellte
sich tür Kr TU0E West heraus: Nach den Berechnungen des Verfassers 10h 36m, nach Merz
stwa 11 .
2, Um den Fehler möglichst klein zu machen, seien die Karten auf „Mitteltide für etwa
55° N, 5° 0“ bezogen. Alsdann ist der Fehler, mit dem die Amplitude der Gezeitenwelle in die
Rechnung eingesetzt wird, beim Pentland Firth etwa 8.5 em, in der Elbemündung kleiner als 5 cm,