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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

Schumacher, A.: Darstellung des Gezeitenvorganges in der Nordsee usw. 55 
samten bis 1923 vorliegenden Beobachtungsmaterials zusammenfaßt, mit den Ausführungen Whewells 
zu vergleichen, Merz sagt (a. a. O. S. 31) von der südlichen Nordsee: „Die Gezeitenwelle läuft in 
12h 25m entgegen dem Sinn des Uhrzeigers um einen Punkt am Ostende der Doggerbank herum. 
Hier tritt also eine Drehwelle an Stelle einer einfachen Wanderwelle ..... Mit dieser Drehwelle 
verknüpft sich eine charakteristische Anordnung des Tidenhubes, indem sein Betrag vom Drehpunkt 
ab, wo er Null ist, nach allen Seiten wächst.“ Weiter (a. a. O. S. 33/34) von den Hoofden: 
„... wir finden auch hier eine Drehwelle ..... Der Tidenhub nimmt entsprechend dem System 
einer Drehwelle vom Drehpunkt gegen die Küsten zu.“ Whewell faßt (a. a. O. S. 298) seine An- 
schauung von den Gezeiten der südöstlichen Nordsee und den Hoofden folgendermaßen zusammen: 
„It appears that we may best combine all the facts into a consistent scheme, by dividing this ocean 
into two rotatory systems of tide-waves; one oceupying the space ,... from Norfolk and 
Holland to Norway; and the other the space . . . ., between the Netherlands and England. In the 
former space the cotidal lines may be supposed to revolve round the point C, where there is no tide; 
for it is clear that at a point where all the cotidal lines meet, it is high water equally at all hours, 
that is, the tide vanishes, In the space AB (d. h. zwischen Holland und England, also in den 
Hoofden. Der Verf.) we must suppose similarly a tideless centre ...., about which the cotidal 
lines revolve.‘“ — Übrigens spricht Whevell bereits 1833 (Essay towards a First Approximation to 
a Map of Cotidal Lines, Phil. Trausactions 1833, S. 187/188) mit Bezug auf die Hoofden und die 
südliche Nordsee von Interferenzgezeiten, zu deren Aufklärung zahlreiche Beobachtungen auf der 
offenen See nötig seien, 
Die Flutstunden- und Hubhöhenkarte ermöglicht es zusammen mit einigen 
weiteren Hilfsmitteln, für jeden Punkt der Nordsee und für jeden Tag‘ Hoch- 
wasserzeit und Tidenhub, ferner für jeden Augenblick den Wasserstand an- 
genähert zu berechnen, Diese in ihrer Art, zum mindesten wohl für die Nordsee 
ganz neuen Beigaben sind: Je eine Karte der „Linien gleicher Springverspätung 
in Stunden“ und der „Linien gleichen Verhältnisses des Nipp- zum Springtiden- 
hub“, außerdem ‚eine Tabelle der „Abweichung vom mittleren Hochwasserzeit- 
unterschied gegen Monddurchgang in Greenwich, geordnet nach der Zeit des 
Monddurchganges in Greenwich“. Ihre Verwendung wird durch ein Beispiel er- 
läutert. Diese Übersichten sind aber naturgemäß durchaus nicht nur für den 
Praktiker von Wert und Reiz: So prägt sich z. B. die nahe Nachbarschaft der 
Springverspätung vor der Elbe von reichlich 70 Stunden und der Spring- 
verfrühung im Skagerrak (bei Skagen fast 48 Stunden), aus der Karte ent- 
nommen, besonders nachdrücklich ein: DieExtremtiden treten im inneren Skagerrak 
nahezu 5 Tage früher als in der inneren Deutschen Bucht ein. Zwischen Helgo- 
land (Springverspätung 65 Stunden) und der Themsemündung (55 Stunden) be- 
trägt der entsprechende Zeitunterschied dagegen noch nicht einen halben Tag. 
Ebenso erwünscht ist dem geographisch eingestellten Leser die zweite Neben- 
karte; sie zeigt anschaulich die Zunahme des Nipptidenhubes im Verhältnis zum 
Springtidenhub in der Richtung von Norden nach Süden, besonders nach Süd- 
osten: Vor dem Pentland Firth und bei Ekersund (südlich Stavanger) erreicht 
der Nipptidenhub nur etwa 40%, des Springtidenhubes, vor der Themse und an 
der belgischen Küste ist das entsprechende Verhältnis 65%,, in der Weser- und 
Elbmündung über 75%. 
Die von A. Merz gebotenen Unterlagen wurden in folgender Weise zum 
Entwurf der Isohypsenkarten benutzt. Die Karte auf Seite XVII/XVIII des Nord- 
seehandbuchs enthält aus Zweckmäßigkeitsgründen die Linien gleichen mittleren 
Hochwasserzeitunterschiedes gegenüber Monddurchgang in Greenwich und die 
Linien gleichen mittleren Springtidenhubes, also zwei Daten, die nicht ohne 
weiteres miteinander verkoppelt werden können. Daher wurde zunächst eine 
neue Karte der Linien gleichen mittleren Hochwasserzeitunterschiedes und 
gleichen mittleren Tidenhubes gezeichnet. Der mittlere Tidenhub wurde 
als arithmetisches Mittel aus Spring- und Nipptidenhub unter Benutzung des 
Kärtchens der ‚Linien gleichen Verhältnisses des Nipp- zum Springtidenhub 
eingesetzt). Auf Grund der neugewonnenen Karte wurde alsdann für sämt- 
1) Einen Anhalt für den dabei begangenen Fehler gibt folgender Vergleich: Die Gezeiten- 
tafeln für 1924 enthalten u. a, für Cuxhaven, Helgoland, IJmuiden, Hoek van Holland, Vlissingen, 
Calais, Harwich und North Shields genaue Zahlen für Spring-, Nipp- und mittleren Tidenhub. Der 
Unterschied zwischen dem wahren und dem nach obigen Verfahren roh berechneten mittleren Tidenhub 
beträgt im Mittel der genannten Stationen -+ 4 cm, höchstens 7 cm. Bei Leith beläuft sich dieser 
Unterschied allerdings auf 14, bei Grimsby auf 25 und bei Dover auf 31 cm, ist aber bei den großen 
Hubhöhen (3.3, 4 und 4.2 m) auch hier für unsern Zweck belanglos.
	        
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