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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

Schumacher, A.: Darstellung des Gezeitenvorganges in der Nordsee usw. 53 
Darstellung des Gezeitenvorganges in der Nordsee durch Isohypsen- 
karten der Meeresoberfläche. | 
Von Arnold Schumacher, Hamburg, Deutsche Seewarte, 
(Hierzu Tafel 6.) 
Als geeignetes Mittel zur kartographischen Darstellung des vertikalen 
Gezeitenvorganges in einem Meere sind seit Young und besonders seit Whewells 
großzügigen Gezeitenforschungen im Nordatlantischen Ozean Karten der Flut- 
stundenlinien oder Isorhachien in Gebrauch. Eine wichtige Vervollständigung der 
einfachen Flutlinienkarten bildet die Einzeichnung der Linien gleichen Tidenhubes, 
Es darf jedoch nicht übersehen werden, daß derartige Karten zunächst 
nur zwei Grundwerte der Gezeiten (Mondflutintervall und Tidenhub) geben, und 
daß ein beträchtlicher Aufwand an Vorstellungskraft erforderlich ist, um an Hand 
solcher Darstellungen ein zutreffendes eingehenderes Bild von dem Ablauf des 
Gezeitenvorganges in dem betreffenden Meere zu gewinnen, H. Thorade hat 
in seinen Ausführungen über „Flutstundenlinien und Flutwelle“ (Seite 27 ff. des 
laufenden Jahrganges dieser Zeitschrift) wertvolle Hinweise gegeben, inwieweit 
Schlüsse aus dem Verlauf der Flutstundenlinien auf Gestalt und Fortschreiten 
der Flutwelle zulässig bzw. unzulässig sind, indem er auf Grund von Isorhachien- 
und Hubhöhenlinienkarten die Gestalt des Wasserspiegels für mehrere Tiden- 
stunden berechnete und in „Blockdiagrammen“ darstellte, Allerdings geht Thorade 
bei seinen Beispielen von Idealfällen aus; dies entspricht dem grundsätzlichen 
Charakter seiner Ausführungen und gestattet ferner bei einzelnen Beispielen 
scharfe analytische Behandlung. Zudem waren bei der Niederschrift des Auf- 
satzes wohl kaum geeignete Unterlagen vorhanden, die, von theoretischen Vor- 
stellungen tunlichst wenig beeinflußt, vorwiegend auf Beobachtungen beruhen. 
Ganz neuerdings hat A. Merz im Rahmen einer kurzen populären Darstellung 
der Gezeiten der Nordsee!) eine Karte der „Linien gleichen mittleren Hoch- 
wasserzeitunterschiedes gegenüber Monddurchgang in Greenwich“ und der „Linien 
gleichen mittleren Springtidenhubes“ veröffentlicht, Es erschien nützlich, diese 
auf Beobachtungen an der Küste und auf der offenen See beruhende Unterlage 
zu verwenden, um unter gewissen vereinfachenden Annahmen die Gestalt des 
Wasserspiegels für einige Tidenphasen in Isohypsenkarten darzustellen?). Diese 
Karten geben demnach Augenblicksbilder der Lage*‘der Meeresoberfläche zum 
Mittelwasser und gestatten, aneinandergereiht, die Deformation des Meeresspiegels 
während einer Tide zu verfolgen. Dabei ergeben sich auch Anhaltspunkte für 
die Bewertung einiger neuer Bezeichnungen, die A. Merz in seinem eben ge- 
nannten Beitrag zum Nordseehandbuch — soweit dem Verfasser bekannt — zum 
erstenmal verwendet. Eine Inhaltsangabe dieser neuesten Darstellung der Nord- 
seegezeiten sei daher hier eingeschaltet, Da eine ausführliche Veröffentlichung 
über die Gezeitenarbeiten des Instituts für Meereskunde bereits in Aussicht ge- 
stellt ist®), so kann diese Würdigung des Aufsatzes im Nordseehandbuch, der 
naturgemäß auf Quellenangaben, Kritik des Materials und strenge theoretisch- 
physikalische Durchführung der Anschauung verzichten muß, kurz gehalten 
werden. 
Die in dem Aufsatz niedergelegte Grundauffassung von den Nordsee- 
gezeiten steht — abgesehen von einem wesentlichen Punkt — in Einklang mit 
den von Defant in Anschluß an Taylor in dieser Zeitschrift entwickelten theo- 
retischen Vorstellungen). Den Eigentiden wird keine Bedeutung beigemessen. 
Die Hauptbedeutung für die Nordseegezeiten kommt der halbtägigen atlantischen 
Tidenschwingung zu, die (als fortschreitende Welle aufgefaßt) von Norden her 
') Nordseehandbuch, südlicher Teil. Herausgegeben von der Marineleitung, Berlin 1923, 
S. 30 bis 37 und S. XVII und XV11I. 
2) Die Konstruktion solcher auf tatsächlichen Beobachtungen beruhenden Karten regt übrigens, 
wie Verfasser nachträglich bemerkte, auch H. Thorade am Schlusse seines oben erwähnten Aufsatzes an. 
3) Vgl. A. Merz, Forschungen über die Gezeiten der Nordsee. Ztschr. Ges, f. Erdkunde, 
Berlin 1923, Nr. 8—10, S, 292—294, 
4) Jahrgang 1923, S, 57 ff. und 177 ff. 
Ann. d, Hydr. usw. 1924, Heft II.
	        
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