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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

52 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1924, 
bei gleicher Windrichtung die Temperaturen: unten 8.2°; 500 m: 4.2°; 1000 m: 2.2°, 
also ein wesentlich stärkeres vertikales Temperaturgefälle. Beide Aufstiege zu; 
sammengenommen bestätigen die größere Reichhöhe des Aufwindes bei stärkerem 
Temperaturgradienten. Daß an diesen Tagen keine Segelflüge gelangen, lag haupt- 
sächlich daran, daß der flachere Westhang an sich ungünstig hierfür war. 
Die Pilotmessungen. Die gegebene Methode, um die vertikale Komponente 
des Hangwindes zu messen, wäre die Doppelvisierung gewesen; leider ließ diese 
sich aus räumlichen Gründen nicht durchführen. Es wurde alsdann der Versuch 
gemacht, die einfache Visierung mit einer Entfernungsmessung zu kombinieren. 
Die Ergebnisse waren jedoch unbefriedigend, da der zur Verfügung stehende 
Infanterie-Entfernungsmesser sich als wenig geeignet für diese Zwecke erwies: 
sein Meßbereich beginnt erst bei 200 m und dadurch fielen gerade die wichtigsten 
Messungen am Beginn der Flugbahn aus, während anderseits bei den größeren 
Entfernungen der Meßfehler infolge der Kleinheit des Objektes zu groß wurde. 
Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß diese Methode an höheren Hängen unter 
Verwendung eines größeren Entfernungsmessers zu guten Ergebnissen führt. 
Einfachen Pilotvisierungen wurde damals kein besonderer Wert für die 
Erkennung des Aufwindes beigelegt, sie wurden deshalb in verhältnismäßig ge- 
ringer Zahl ausgeführt. Erst die nachträgliche Bearbeitung der Ergebnisse 
zeigte, daß auch diese, wenigstens in qualitativer Hinsicht, interessante Auf- 
schlüsse über den Hangwind bringen können. Die Auswertung der einfach 
anvisierten Ballone gründet sich bekanntlich auf die gleichmäßige Aufstiegs- 
geschwindigkeit der Ballone. Wird diese durch vertikale Ströme geändert, so 
muß dadurch die errechnete Horizontalprojektion des Windweges gefälscht werden. 
Bei Ballonen, die, wie in den vorliegenden Fällen, nahezu in der Richtung der 
projizierten Flugbahn anvisiert werden, macht diese Fälschung sich dahin geltend, 
daß bei gesteigerter Aufstiegsgeschwindigkeit (Aufwind) die errechnete Horizontal- 
projektion zu kurz, bei verringerter Aufstiegsgeschwindigkeit (Abwind) zu lang 
wird, da in der Formel e = h-cotgn im ersten Falle das h zu klein, im zweiten 
zu groß angenommen wird. Die in der Tafel 5 wiedergegebenen Zustandskurven 
der errechneten Windgeschwindigkeiten (m p. s.) nach der Höhe haben in den 
untersten Höhenschichten Züge, die man mit vertikalen Luftströmungen in Ver- 
bindung bringen muß, Die Kurven Nr. 1—3 zeigen zunächst eine Abnahme der 
Windgeschwindigkeit mit der Höhe, der Aufstieg Nr. 5 wenigstens eine Verringerung 
der Geschwindigkeitszunahme. Normalerweise müßte der Wind vom Boden aus 
wegen der verringerten Reibung zunehmen; die dargestellte Abnahme der Ge- 
schwindigkeit ist auch nur scheinbar, hervorgerufen durch die falsche Rechnung, die 
keine Rücksicht auf die vertikale Windkomponente nahm. Die vier Kurven be- 
sagen demnach, daß in den untersten Schichten Aufwind geherrscht hat. Eine 
genaue Reichhöhe des Aufwindes läßt sich allerdings aus dem vorliegenden Materiale 
noch nicht angeben, dies ist aber künftig zu erreichen, wenn man bei weiteren 
Messungen die Aufstiegsgeschwindigkeit der Ballone wesentlich herabsetzt, denn 
dadurch wird einerseits die Zahl der Beobachtungen in der unteren Schicht 
größer, anderseits der durch den Aufwind in die Rechnung gebrachte Fehler 
prozentual gesteigert, so daß das charakteristische untere Kurvenstück um so 
klarer hervortritt. Immerhin läßt sich sagen, daß bei den Pilotaufstiegen Nr. 1, 
2 und 5 die Reichhöhe des Aufwindes zwischen 50 und 75 m gelegen hat; die 
Änderung der Windgeschwindigkeit oberhalb 60 m ist besonders sprunghaft bei 
den Aufstiegen Nr. 1 und 5, die beide bei westlichen Winden gemacht sind und 
somit im Ergebnis sehr gut mit dem früher besprochenen Drachenaufstieg vom 
25. V. übereinstimmen. Der Pilotaufstieg Nr. 3 am Morgen des 26. V. offenbart 
eine Reichhöhe des Aufwindes von weniger als 50 m; dies Ergebnis wird er- 
härtet durch die schon erwähnte Flughöhe, die der Flieger Schulz an diesem 
Morgen bei seinem Streckenflug erreichte. Am Nachmittag dieses Tages (Kurve 4) 
war überhaupt kein Aufwind mehr festzustellen, 
Es zeigt sich so, daß auch die einfache Pilotvisierung ein geeignetes Mittel] 
ist zum Studium des Hangwindes, Ihre leichte Durchführbarkeit gestattet bei 
Flugveranstaltungen, Anwesenheit und Reichhöhe des Hangwindes rasch fest- 
zustellen.
	        
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