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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1924,
bei gleicher Windrichtung die Temperaturen: unten 8.2°; 500 m: 4.2°; 1000 m: 2.2°,
also ein wesentlich stärkeres vertikales Temperaturgefälle. Beide Aufstiege zu;
sammengenommen bestätigen die größere Reichhöhe des Aufwindes bei stärkerem
Temperaturgradienten. Daß an diesen Tagen keine Segelflüge gelangen, lag haupt-
sächlich daran, daß der flachere Westhang an sich ungünstig hierfür war.
Die Pilotmessungen. Die gegebene Methode, um die vertikale Komponente
des Hangwindes zu messen, wäre die Doppelvisierung gewesen; leider ließ diese
sich aus räumlichen Gründen nicht durchführen. Es wurde alsdann der Versuch
gemacht, die einfache Visierung mit einer Entfernungsmessung zu kombinieren.
Die Ergebnisse waren jedoch unbefriedigend, da der zur Verfügung stehende
Infanterie-Entfernungsmesser sich als wenig geeignet für diese Zwecke erwies:
sein Meßbereich beginnt erst bei 200 m und dadurch fielen gerade die wichtigsten
Messungen am Beginn der Flugbahn aus, während anderseits bei den größeren
Entfernungen der Meßfehler infolge der Kleinheit des Objektes zu groß wurde.
Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß diese Methode an höheren Hängen unter
Verwendung eines größeren Entfernungsmessers zu guten Ergebnissen führt.
Einfachen Pilotvisierungen wurde damals kein besonderer Wert für die
Erkennung des Aufwindes beigelegt, sie wurden deshalb in verhältnismäßig ge-
ringer Zahl ausgeführt. Erst die nachträgliche Bearbeitung der Ergebnisse
zeigte, daß auch diese, wenigstens in qualitativer Hinsicht, interessante Auf-
schlüsse über den Hangwind bringen können. Die Auswertung der einfach
anvisierten Ballone gründet sich bekanntlich auf die gleichmäßige Aufstiegs-
geschwindigkeit der Ballone. Wird diese durch vertikale Ströme geändert, so
muß dadurch die errechnete Horizontalprojektion des Windweges gefälscht werden.
Bei Ballonen, die, wie in den vorliegenden Fällen, nahezu in der Richtung der
projizierten Flugbahn anvisiert werden, macht diese Fälschung sich dahin geltend,
daß bei gesteigerter Aufstiegsgeschwindigkeit (Aufwind) die errechnete Horizontal-
projektion zu kurz, bei verringerter Aufstiegsgeschwindigkeit (Abwind) zu lang
wird, da in der Formel e = h-cotgn im ersten Falle das h zu klein, im zweiten
zu groß angenommen wird. Die in der Tafel 5 wiedergegebenen Zustandskurven
der errechneten Windgeschwindigkeiten (m p. s.) nach der Höhe haben in den
untersten Höhenschichten Züge, die man mit vertikalen Luftströmungen in Ver-
bindung bringen muß, Die Kurven Nr. 1—3 zeigen zunächst eine Abnahme der
Windgeschwindigkeit mit der Höhe, der Aufstieg Nr. 5 wenigstens eine Verringerung
der Geschwindigkeitszunahme. Normalerweise müßte der Wind vom Boden aus
wegen der verringerten Reibung zunehmen; die dargestellte Abnahme der Ge-
schwindigkeit ist auch nur scheinbar, hervorgerufen durch die falsche Rechnung, die
keine Rücksicht auf die vertikale Windkomponente nahm. Die vier Kurven be-
sagen demnach, daß in den untersten Schichten Aufwind geherrscht hat. Eine
genaue Reichhöhe des Aufwindes läßt sich allerdings aus dem vorliegenden Materiale
noch nicht angeben, dies ist aber künftig zu erreichen, wenn man bei weiteren
Messungen die Aufstiegsgeschwindigkeit der Ballone wesentlich herabsetzt, denn
dadurch wird einerseits die Zahl der Beobachtungen in der unteren Schicht
größer, anderseits der durch den Aufwind in die Rechnung gebrachte Fehler
prozentual gesteigert, so daß das charakteristische untere Kurvenstück um so
klarer hervortritt. Immerhin läßt sich sagen, daß bei den Pilotaufstiegen Nr. 1,
2 und 5 die Reichhöhe des Aufwindes zwischen 50 und 75 m gelegen hat; die
Änderung der Windgeschwindigkeit oberhalb 60 m ist besonders sprunghaft bei
den Aufstiegen Nr. 1 und 5, die beide bei westlichen Winden gemacht sind und
somit im Ergebnis sehr gut mit dem früher besprochenen Drachenaufstieg vom
25. V. übereinstimmen. Der Pilotaufstieg Nr. 3 am Morgen des 26. V. offenbart
eine Reichhöhe des Aufwindes von weniger als 50 m; dies Ergebnis wird er-
härtet durch die schon erwähnte Flughöhe, die der Flieger Schulz an diesem
Morgen bei seinem Streckenflug erreichte. Am Nachmittag dieses Tages (Kurve 4)
war überhaupt kein Aufwind mehr festzustellen,
Es zeigt sich so, daß auch die einfache Pilotvisierung ein geeignetes Mittel]
ist zum Studium des Hangwindes, Ihre leichte Durchführbarkeit gestattet bei
Flugveranstaltungen, Anwesenheit und Reichhöhe des Hangwindes rasch fest-
zustellen.