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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

Mey, A.: Hangwindmessungen.

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Hangwindmessungen.
Von Dr. A. Mey, Königsberg i. Pr.
(Hierzu Tafel 5.)

Nachdem der motorlose Flug im Hangwind zu so glänzenden Erfolgen geführt
 hat, daß man das Problem des statischen Segelfluges als gelöst betrachten
kann, haben die Windströmungen am Berghang große Bedeutung gewonnen. Aus
früheren Zeiten liegen über deren Verlauf nur die gelegentlichen Erfahrungen
von Freiballonflügen im Gebirge vor, bei denen der ausbalancierte Ballon den
Weg der Strömungslinien nahm. Eingehende Untersuchungen über den Hangwind
 verdanken wir dann erst W; Georgiil), der besonders die vertikale und
horizontale Erstreckung des Hangwindes klarstellte. Das Material für diese
Untersuchungen stammte aus Gebirgsgegenden, in denen ja auch (Rhön) die
großen Erfolge der deutschen Segelflieger gezeitigt wurden. Als im Frühsommer
 dieses Jahres dann mit dem 1. deutschen Küsten-Segelflugwettbewerb an
den Dünen bei Rossitten auf der Kurischen Nehrung der Versuch gemacht wurde,
auch in weniger gebirgigen Gegenden zu segeln, bot sich der Wetterwarte (Deutsche
Seewarte) Königsberg i. Pr., der die meteorologische Beratung der Flugveranstaltungen
 oblag, die Gelegenheit, Hangwindmessungen an den etwa 50 m hohen
Dünen des Predinberges und des .Schulberges bei Rossitten anzustellen. Die
Dünen, die höchsten in Deutschland, liegen am Haffrande der Kurischen Nehrung
und fallen nach SO hin sehr steil, nach NW hin wesentlich flacher ab, Es
wurden sowohl Drachen- als auch Pilotaufstiege ausgeführt, jeweils von der Luvseite
 der betreffenden Dünen aus, Bei der geringen zur Verfügung stehenden
Zeit, und der zum Teil ungünstigen Witterung war die Zahl der Messungen nur
gering, immerhin führten sie zu einigen Ergebnissen, sowohl hinsichtlich der zu
untersuchenden Windverhältnisse als auch in bezug auf die Methoden, die für
eine systematische Untersuchung des Hangwindes als aussichtsreich angesehen
werden können, .
Die Drachenaufstiege. Man wird sie vor allen Dingen anwenden, um die
Beziehungen des Aufwindes zum vertikalen Temperaturgefälle weiter klarzustellen.
 Es wurden vier Drachenaufstiege gemacht, je zwei bei Winden aus östlichen
 und westlichen Richtungen. In den beiden Fällen mit Südostwind ergaben
sich sehr geringe Temperaturgradienten bzw. Temperaturumkehrungen [Aufstieg
 Nr. 1 (21. Mai) unten: 16.6°; 500 m: 15.6°; 1000 m: 15.3°. — Aufstieg Nr. 4
(27. Mai) unten: 19.1°; 25m: 19.9°; 150 m: 19.1°; 190 m: 20.1°; 500 m: 20.1°;
1000: 18.1°]. Es ist bemerkenswert, daß an diesen beiden Tagen Segelflüge nicht
gelangen. Am 26. Mai führte der Flieger Schulz seinen längsten Segelflug entlang
 dem Südostabhange der Dünen bis nach Pillkoppen hin aus. Es herrschte
ebenfalls Südostwind, der als direkt auf den Steilabhang der Dünen aufwehender
Wind den günstigsten Aufwind hätte liefern müssen. Der Flieger, der sich etwa
30 m zu luvwärts der Dünen hielt, kam indessen nie über Dünenhöhe hinaus,
beim Umsegeln von Dünennasen, die das seitliche Abfließen des Windes gestatteten,
verlor er an Höhe, die er wiedergewann, wenn die Nase glücklich umsegelt war.
Der Aufwind reichte also nur bis in Dünenhöhe, Es ist wohl anzunehmen, daß
an diesem Tage, ebenso wie am 21. und 27, der vertikale Temperaturgradient
sehr gering war, und somit bestätigt sich in allen drei Fällen der Satz von
Georgii, daß ein geringer vertikaler Temperaturgradient die Reichhöhe des
Aufwindes, der normalerweise den Kamm um etwa !/, seiner Höhe übersteigen
soll, wesentlich herabsetzt. .
Von den beiden bei Westwind veranstalteten Drachenaufstiegen ist am lehrreichsten
 der vom 25, Mai, bei dem der Drachen nicht höher als 20—30 m über
Kuppenhöhe zu bringen war. Er hielt sich offenbar nur im Aufwinde und bestätigte
 demnach dessen normale Reichhöhe. Temperaturauswertungen konnten
von diesem Aufstiege nicht gemacht werden, ein Drachenaufstieg am 24. ergab

1) W. Georgii, Windbeeinflussung durch Gebirge, Beitr, z. Phys. d. fr. Atmosphäre, 10. .—
Windbeeinflussung durch Gebirge. Ztschr. f. Flugtechn. u. Motorluftschiffahrt 1922, 8. 2 u. 64. —
Hangwindstudien, Ebenda 1923, S, 1—2, — Die Luftströmungen über Gebirgen, Met. Ztschr. 1923,
S. 108. — Der Segelflug und seine Kraftquellen im Luftmeer. Berlin, Klasing u. Co.
            
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