Ann. d. Hydr. usw., LIT. Jahrg. (1924), Heft IH.
Dr. Wilhelm Brennecke +.
Am 19, Februar ist Wilhelm Brennecke, der Schriftleiter dieser Zeit-
schrift, nach ganz kurzer, schwerer Krankheit dem Leben entrissen worden; noch
das Februarheft hat er selbst zusammengestellt. Als Vorstand der Abteilung für
die Veröffentlichungen der Deutschen Seewarte und für die Bibliothek hielt er
seit 1919 einen erheblichen und besonders wichtigen Teil der Fäden, die das
Institut mit der Öffentlichkeit verbinden, auf geschickte, kenntnisreiche und der
Verantwortung bewußte Art in seiner Hand. Daneben ging stets und bis zuletzt
eigene wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiete der ihm seit rund 20 Jahren
vertrauten Meereskunde; er wollte nicht bloß Vermittler sein, sondern aus eigener
Initiative an seinem Teile die Ozeanographie fördern.
In beiden Richtungen hat er große Erfolge zu verzeichnen gehabt, und
schon deshalb bedeutet sein frühzeitiger Tod —- er stand erst im 49. Lebens-
jahre — einen sehr herben Verlust. Ein Rückblick auf sein Leben zeigt die
folgenden Entwicklungsdaten:
Nach dem Abschluß der Schulbildung auf dem Realgymnasium in Elberfeld
lernte Brennecke zunächst ein Jahr lang praktisch den Maschinenbau, besuchte
dann 3'/„ Jahre die Technische Hochschule in Charlottenburg, und es ist ihm
diese ganze Ausbildungszeit bei seinen späteren praktischen Arbeiten auf See
oft von hohem Nutzen gewesen. Er wandte sich hierauf dem rein wissenschaft-
lichen Studium in Geographie, Meteorologie und Ozeanographie zu und studierte
deshalb noch weitere 2!/, Jahre an der Universität Berlin, In die Jahre 1898
bis 1903 fällt seine erste, vorwiegend meteorologische amtliche Tätigkeit, teils
am Meteorologischen Observatorium in Potsdam, teils am Physikalischen Kabinet
der Berliner landwirtschaftlichen Hochschule, teils am Meteorologischen Institut
in Berlin; darunter ist beachtenswert der als meteorologischer Beobachter auf
der Wetterstation des Brocken verbrachte Winter 1901/02. In dieser Berliner
Zeit besuchte er auch das berühmte Geographische Kolloquium Ferdinand von
Richthofens, und es mag wohl sein, daß er dort ein gut Teil des weltweiten
Blickes, der ihm in gereiften Jahren eigen war, erwarb. j
Mit dem 1. April 1904 trat er in die Deutsche Seewarte ein; ihr ist er
bis zuletzt treu geblieben. Nach vorübergehender Arbeit in der Wetterabteilung
gewann er im Sommer 1905 endgültig den Boden, auf dem ihm Großes zu leisten
beschieden war: die amtliche Beschäftigung mit der wissenschaftlichen Meeres-
kunde im Interesse der Seeschiffahrt. Zum Glück schlug ihm aus, daß in jenen
10 Jahren bis zum Weltkriege sowohl die damalige Kaiserliche Marine als auch
unternehmende geographische Kreise gemäß dem naturbedingten deutschen Aus-
dehnungsdrang und gemäß den Forderungen der Forschung größere Expeditionen
zur See in das Werk setzten, bei denen Brennecke nach Lebensalter, Körper-
beschaffenheit — er war absolut seefest — und Ausbildung als Ozeanograph
wertvolles Mitglied wurde. So machte er, von November 1905 bis April 1907
an Bord des neuen Vermessungsschiffes „Planet“ kommandiert, die Ausreise dieses
Fahrzeuges nach dem Bismarck-Archipel mit, so daß er im ganzen östlichen Atlan-
tischen Ozean, südlich vom Kapland, im ganzen Indischen Ozean und im west-
lichen Stillen Ozean reiches Material durch Tiefseelotungen und Temperatur-,
Salzgehalt- und Sauerstoffmessungen sammeln konnte, Ganz ähnlich war seine
Tätigkeit in den Jahren 1911 bis 1913 gelegentlich seiner Teilnahme an der
Deutschen Antarktischen Expedition auf dem Polarschiff „Deutschland“; da be-
fuhr er den gesamten westlichen Atlantischen Ozean, gelangte bis in. die süd-
lichste Bucht des eisstarrenden Weddellmeeres (78° S-Br.) und machte die be-
merkenswerte, lange Eistrift des Schiffes im Polarwinter 1912 durch, unermüdlich
beobachtend,
Ann. d. Hydr. usw. 1924. Heft III.