Seilkopf, H.: Henry Helm Clayton: World Weather.
Breiten zur Zeit des Sonnenfleckenmaximums; jedoch zeigen Stationen in tropischen
Trockengebieten dann erhöhte Temperatur. An einigen außertropischen Stationen
sind zur Zeit des Maximums die Sommer heißer, die Winter kälter als zur Zeit
des Minimums, Die Abhängigkeit des Luftdrucks von der Sonnenfleckenperiode
zeigt recht verwickelte Verhältnisse,
Der folgende Abschnitt über die Wettervorhersage schildert namentlich
die im argentinischen Wetterdienste gebräuchlichen Methoden der Vorhersage.
Besonders auf die Temperatur- und -Druckwellen wird Wert gelegt. Starke
dreistündige und geringe 24stündige Druckänderungsgebiete deuten im Karten-
bilde rasch wandernde, kleine, unregelmäßige dreistündige und stärkere 24 stündige
Druckänderungen langsam wandernde Wellen an. Die 24stündigen Luftdruck-
Steige- und Fallgebiete werden benutzt, um durch Verschiebung in ihrer alten
Bewegungsrichtung (meist SW—NO) das Druckfeld des folgenden Tages zu extra-
polieren, wobei mit Annäherung an die Tropen eine Abnahme der Höhe bzw.
Tiefe um‘ 20%, pro 10° Breitenänderung in Ansatz gebracht wird. Die über-
raschende Übereinstimmung zwischen den so extrapolierten und den tatsächlichen
Wetterkarten sollte auch dem europäischen Wetiterdienste eine Mahnung sein, bei
aller Freude über die Anregungen, die die Bjerknessche Theorie gebracht hat,
die Steige- und Fallgebiete, überhaupt alle Erfahrungsregeln, wie die von Gross-
mann (Hochdruckkeile, Tiefausläufer) und Guilbert (über- und untergradientiger
Wind), nicht zu. vergessen. Das Bestreben, die Reichweite der Prognosen zu
verlängern, führte jedoch im argentinischen Wetterdienste zu dem Versuche, die
oben skizzierten Untersuchungen über die Beziehungen zwischen Sonnentätigkeit
und Wetter zur Vorhersage heranzuziehen. Die Messungen der Sonnenstrahlung
am Calama-Observatorium in Chile werden nach Buenos Aires telegraphiert und
durch Sonnen-, besonders Fackelbeobachtungen der Universitäts-Sternwarte La Plata
ergänzt. Auf Grund dieser Beobachtungen werden die wahrscheinlichen Ab-
weichungen der Temperaturen vom langjährigen Mittel bestimmt und für Buenos
Aires am Tage vor Beginn der neuen Woche Temperaturvorhersagen für 8b
und 20h jedes Tages der kommenden Woche herausgegeben. Clayton gibt für
die Zeit von Januar bis März 1922 Kurven der vorausgesagten und beobachteten
Temperaturen wieder, die an vielen Tagen bemerkenswerte Übereinstimmung,
häufig wenigstens parallelen Gang zeigen. Clayton glaubt, wenn erst täglich
genaue Messungen der Sonnenstrahlung vorliegen werden, sehr genaue Vorher-
sagen auf längere Zeiträume für alle Teile der Welt gegeben werden könnten.
_ - Auf ein Schlußkapitel über die Meteorologie der Sonne, das eine gedrängte
Übersicht über die Erscheinungen der Sonnenatmosphäre, die Flecken und Fackeln
enthält, folgt noch ein theoretischer Anhang über die Berechnung der Wind-
geschwindigkeit aus dem Druckgefälle, über die Korrelationsmethode und die
harmonische Analyse.
Aus dem reichen Inhalte des Werkes konnte im Rahmen dieses Referates
nur Einiges hervorgehoben werden. Bemerkenswert sind vor allem die neuen
Wege, die Clayton einschlägt, um aus Messungen der Sonnenstrahlung und
sonstigen Beobachtungen der Sonnentätigkeit die Wettervorhersage zu verbessern
und ihre Gültigkeitsdauer zu verlängern. Die veröffentlichten bisherigen Er-
gebnisse sind. bereits sehr beachtenswert und vielversprechend. Mit Hilfe der
drahtlosen Telegraphie ist die Möglichkeit gegeben, die Strahlungsmessungen der
so günstig gelegenen amerikanischen Hochobservatorien dem Wetterdienst der
ganzen Welt zugängig zu machen, damit sie auch an anderen Wetterwarten für
die Prognose verwertet werden können.
Kleinere Mitteilungen.
|, Oceanographische en Meteorologische Waarnemingen in den Atlanti-
schen Oceaan. März, April, Mai (1856 —1920)*). Die erste Lieferung dieses
umfassenden Werkes erschien 1918 und wurde in dieser Zeitschrift (1920, S. 300/1)
1) Kon, Nederl. Meteorol. Instituut. Nr. 110. Tabellen: Utrecht, Dez. 1921, FI. 15.00. Karten:
Utrecht. Dez. 1922. Fl. 7.50.