Seilkopf, H.: Henry Helm Clayton: World Weather,
sie seien stark beeinflußt durch auf- und absteigende Luftströme und in vielen
Fällen durch solche sogar veranlaßt.
Für die Entwicklung der Tiefdruckgebiete werden in dem Abschnitte über
die Zyklonen und Antizyklonen starke horizontale Temperaturgegensätze ver-
antwortlich gemacht. Es wird gezeigt, daß horizontale Temperaturgegensätze
genügend Energie liefern, um die beobachteten Druckgradienten entstehen zu
lassen. Die aus theoretischen Betrachtungen sich ergebenden Windgeschwindig-
keiten stehen in guter Übereinstimmung mit den beobachteten, In der Höhe
von etwa 8000 m (der Höhe der homogenen Atmosphäre) herrscht nach Clayton
das stärkste Druckgefälle sowohl bei dem Luftaustausch zwischen Aquator und
Pol als auch bei den durch Temperaturgegensätze veranlaßten. Störungen des
normalen Druckfeldes. N
Das 9. Kapitel bringt eine kurze Übersicht über die wichtigsten Tatsachen
der atmosphärischen Optik,
Im folgenden Abschnitt behandelt Clayton ausführlich die Beziehungen
zwischen Änderungen der Sonnenstrahlung und Witterungsänderungen, sein ur-
eigenstes Arbeitsgebiet. Zugrunde gelegt werden Strahlungsmessungen auf dem
Mount Wilson in Südkalifornien und in Calama in Chile nach den Methoden von
Abbot und seiner Mitarbeiter. Schon 1913 und 1914 zeigten Vergleiche der
Schwankungen der Sonnenstrahlung von Tag zu Tag mit den entsprechenden
Temperatur- und Druckänderungen, daß in verschiedenen Weltteilen die Tempera-
turänderungen den Strahlungsschwankungen teils folgen, teils ihnen entgegen-
gesetzt verlaufen. Für das Jahr 1916 wurden nach der Methode der Korrelations-
koeffizienten die Beziehungen zwischen Strahlungsschwankungen und Tempera-
turänderungen einer Reihe südamerikanischer Stationen untersucht. Die größte
Korrelation wies Sarmiento auf mit einem Betrage von —0.82 zwei Tage nach
den Strahlungsänderungen. Von Sarmiento, das im kältesten Teil des südameri-
kanischen Festlandes liegt, gehen Temperaturwellen aus, die entgegengesetzte
Phase wie die Änderungen der Sonnenstrahlung haben. Sie wandern nordwärts
nach Südbrasilien, wo sie von Temperaturwellen überlagert werden, die den
Strahlungsänderungen direkt folgten. 1920 gelang es L. H. Abbot und seinen
Mitarbeitern, während 50 Tagen, vom 26. März bis 14. Mai ununterbrochen täg-
liche Messungen der Sonnenstrahlung in Calama zu erhalten, die nach Buenos
Aires gekabelt wurden, um im Wetterdienste verwertet zu werden. Es ergab
sich, daß an Tagen mit einem Maximum der Sonnenstrahlung über Südbrasilien
relativ tiefer, über Südargentinien hoher Druck lagert. Die Welle wandert dann
rasch nordostwärts, so daß der Wellenberg, das Luftdrucksteiggebiet, zwei Tage
später. an der argentinisch-brasilianischen Grenze liegt. Die Temperaturände-
rungen, die Schwankungen der Sonnenstrahlung folgen, sind im Winter und
Sommer annähernd ‚entgegengesetzt: Im Winter erreicht die Temperatur drei
bis fünf Tage nach dem Maximum der Strahlung ein Minimum, um bis zum 8.
oder 9. Tage zu steigen, im Sommer steigt. die Temperatur bis’zum 5. Tage und
fällt von da an bis zum 8. oder 9. Tage. Sodann wurde die Abhängigkeit der
Monatsmittel von Druck, Temperatur und Niederschlag an einer großen Anzahl
Stationen aller Erdteile von den Monatsmitteln der Sonnenstrahlung untersucht,
Und schließlich bearbeitete Clayton die Schwankungen der Sonnenstrahlung von
Jahr zu Jahr in Beziehung zu entsprechenden Schwankungen der meteorologischen
Elemente. Das Ergebnis dieser Arbeiten faßt Clayton in folgenden Sätzen zusammen :
1. Jede Zunahme der Sonnenstrahlung erniedrigt den Luftdruck in den
Tropen und erhöht ihn in den Breiten von 40—60°; es zeigt sich dies sowohl
bei den Strahlungsänderungen von Tag zu Tag, von Monat zu Monat, von
Jahr zu Jahr, als auch bei den Änderungen höherer Perioden (Sonnenflecken).
—_ 2, Nahe der Polarkreise nimmt der Druck bei vermehrter Strahlung ab,
um vielleicht in der Nähe der Pole wieder zuzunehmen, ‘ j
3. Die infolge vermehrter-Strahlung aus den Tropen abströmende Luft
erhöht in höheren Breiten im Winter den Luftdruck über den Festländern, im
Sommer über den Ozeanen, wandert also nach Gebieten, die für ihre Breite
relativ kalt sind.
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