accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

1 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1924, 
Wellen verschiedener Klassen mit ganz verschiedener Fortpflanzungsgeschwindig- 
keit wandern, die langen Wellen wesentlich langsamer als die kurzen. Ungefähr 
scheint die Geschwindigkeit der Periode umgekehrt proportional zu sein; ihre 
Zugrichtung ist über Nordamerika von NW nach SO gerichtet. Auch in Argen- 
tinien hat Clayton diese Wellen verschiedener Klasse nachgewiesen, nur 
wandern sie dort von SW nach NO, vom südlichen Patagonien nach der atlan- 
tischen Küste, teilweise bis Südbrasilien. 
Die Hauptisobarenformen werden in dem folgenden Abschnitt kurz be- 
sprochen. Interessant ist die Schilderung der häufigsten Anderung des Druck- 
feldes über Südamerika: Dringt ein mäßiges Fallgebiet des Druckes äquator- 
wärts vor, so wölben sich über Mittel-Argentinien die normal geradlinigen 
Isobaren in Form eines umgekehrten „U“ nach Norden vor, während weiter 
nordwärts die Isobaren sich ebenfalls U-förmig nach Süden ausbuchten., Diese 
Beobachtung Claytons deutet darauf, daß südlich des subtropischen Hoch- 
druckgürtel heranziehende Tiefs in der tropischen Tiefdruckrinne einen südlich 
gerichteten Tiefausläufer als „Resonanzdepression“ entstehen lassen, Ähnliches 
kann man über Mexiko und Westindien beobachten, wenn über den Vereinigten 
Staaten tiefe Depressionen ostwärts wandern. — Die U-förmigen Isobaren haben 
im Osten steigende Temperatur, einige Bewölkung und vielleicht örtlichen Regen 
im Gefolge, auf ihrer Rückseite im Westen Abkühlung. Landregen sind jedoch 
sehr selten. In schroffem Gegensatz hierzu steht der Witterungsverlauf beim 
Vorübergang der den europäischen Meteorologen so geläufigen V-Depressionen, 
Das Kapitel über „Wind und Wetter“ bringt neben einer Reihe aerologischer 
Beobachtungstatsachen vor allem eine Darstellung der Bjerknesschen Zyklonen- 
theorie, die Clayton für einen wertvollen Beitrag zu den Anschauungen über 
das Wesen der Zyklonen erklärt, aber sie in Einzelheiten noch für verbesse- 
rungsfähig hält. Mitgeteilt wird ferner der Inhalt der wertvollen, in der 
Monthly Weather Review 1920 veröffentlichten Studie von Le Roy Meisinger 
über ein Regen-, Schnee- und Graupelwetter in der Osthälfte der Vereinigten 
Staaten, bei dem in einer Tiefdruckfurche längs einer nach N ansteigenden 
Gleitfläche ein warmer Südstrom sich über polare Luftmassen schob. 
Die Untersuchung der Gleitflächen und ihrer Bedeutung für den Aufbau 
der Hoch- und Tiefdruckgebiete steht jetzt im Mittelpunkt meteorologischer 
Arbeiten. Es ist daher von besonderem Interesse, wenn Clayton in dem Ab- 
schnitt über Feuchtigkeit, Wolken und Niederschlag eine von ihm bereits 1911 
in den Annals of the Harvard College, Vol. 48, veröffentlichte Arbeit wiedergibt, 
in der er Gleitflächen und geneigte Wolkenschichten auf der Vorder- und Rück- 
seite von Tiefdruckgebieten an Hand von Fesselaufstiegen am Blue Hill-Observa- 
torium untersucht hat. In der Isoplethendarstellung der Temperatur, Feuchtigkeit 
und Wolken sehen wir auf der Vorderseite des Tiefs vom 20. September 1900 eine sich 
mit der Zeit senkende Inversionsschicht, die eine Sperrschicht für die Konvektions- 
eumuli bildet: Es handelt sich um die Stüvesche „Abgleitfläche“1). Darüber beginnt 
in 3500 m die Alto-Stratusschicht, die sich innerhalb von zwei Stunden um 500 m 
senkt: Die Aufgleitfläche. Auf der Rückseite eines Sturmes vom 18. September 1900 
zeigt sich eine von 12h M. von 1400 m bis 4h Nm. auf 2100 m ansteigende Inversion, 
die die obere Grenze für die Strato-Cumuli abgibt. Darüber hebt sich der Alto- 
Stratus rasch von 1800 auf. 2800 m und zerfällt dabei in Alto-Cumuli, die sich 
bald auflösen. Die Unterseite der Alto-Stratusschicht zeigt in beiden Fällen 
deutliche Wogenbildung. Clayton hebt hervor, daß in keinem Falle die untere 
Wolkengrenze während längerer Zeit konstant gefunden wurde; Auf- und Ab- 
wogen sei das normale. In der Tatsache, daß sich Wolken gewöhnlich auf (at 
the top) aufsteigenden Luftströmen bilden und nicht an der Basis des warmen 
Stroms an der Gleitfläche zwischen warmer und kalter Luft, sieht Clayton noch 
einen Widerspruch mit der Bjerknesschen Theorie, der der Klärung bedarf. — 
Trotz der Bedeutung für die Wolkenbildung scheint der Verfasser den Inversionen 
keinen wesentlichen Anteil an der Dynamik der Tiefdruckgebiete zuzuschreiben; 
ı) Stüve. Aerologische Arbeiten zum Zweck der Wetterdiagnose, Arbeiten d. Preuß Aeron. 
Obs. Lindenberg, XIV, 1922 8. 112,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.