Seilkopf, H.: Henry Helm Clayton: World Weather.
Bjerknes’schen Schema ist leider allzu stark verkleinert, so daß manche Ein-
zelheiten verloren gehen. Die theoretisch geforderte polwärts gerichtete Be-
wegungskomponente in großen Höhen glaubt Clayton aus der geometrischen
Differenz der Vektoren ableiten zu können, die die mittlere Richtung und Ge-
schwindigkeit von Registrierballons mit Gipfelhöhen oberhalb und unterhalb
20 km darstellen,
Im zweiten Abschnitt werden die Tageseinflüsse behandelt, Die ganz-
und die halbtägige Welle des Luftdruckganges werden für je 6 Termine im Ab-
stande von 2 zu 2 Stunden auf Erdkarten dargestellt, wobei die starke Ab-
hängigkeit der ganztägigen Welle vom täglichen Temperaturgang hervortritt,
die ihre Wellentäler und Wellenberge mit größter Amplitude in den Tropen
unstetig von Kontinent zu Kontinent springen läßt, während die halbtägige
Druckschwenkung in regelmäßigen Wellen ostwestwärts wandert.
In dem Abschnitt über die jährliche Periode ist bemerkenswert, daß auf
der Südhalbkugel in den Übergangsmonaten April und Oktober gegenüber den
extremen Monaten Januar und Juli das Zyklonensystem der südpolaren Meere
vertieft und der südliche subtropische Hochdruckgürtel erhöht ist. Hieraus
folgt eine halbjährige Periode des Druckgefälles und der Windgeschwindigkeit,
die durch Mittel des Druckgefälles zwischen Georgia und den Süd-Orkneys und
Mittel der Windgeschwindigkeit von den Süd-Orkneys belegt wird:
| Jan. | Febr. | März (April! Mai [Juni | Juli (Aug. [Sept.| Okt. |Nor.| Dez.
Druckgefälle (mm) ........ 25 | 3.2 | 3.7 | 4.7 | 2,8 | 1.5 2.1 | 3.4 5.4 | 4 3,8 | 12
Windgeschwindigkeit (m. p. sec.) | 4.3 | 5.2 | 5.6 | 5.8 | 5.6 | 5.0 | 5.3 | 5.6 | 5.9 | 5.9 | 5.1 | 5.2
Auch auf der Nordhalbkugel ist diese halbjährige Periode nach Clayton
im Gange des Luftdrucks in arktischen Gebieten angedeutet; sie wird aber durch
die viel größere jährliche Druckschwankung über den großen Festlandsmassen
Nordasiens und Nordamerikas unterdrückt. Wenn sie also auf der Nordhalbkugel
in unseren Breiten nicht bemerkbar wird, so erinnert doch der verbreitete
Glaube an die Aquinoktialstürme unwillkürlich an sie. Zur Erklärung der halb-
jährigen Periode führt Clayton an, daß im Frühjahr und Herbst der Temperatur-
unterschied zwischen Ozeanen und Festländern am geringsten, mithin auch der
große monsunartige Luftaustausch zwischen Ozeanen und Festländern. vermindert
ist. Der Luftaustausch zwischen Äquator und Pol ist daher weniger durch
diese großen Konvektionsströmungen gestört und stärker entwickelt.
Das 4. Kapitel (Temperatur und Wetter) bringt im wesentlichen eine Dar-
stellung der Temperaturwellen, deren Untersuchung und praktische Verwertung für
die Vorhersage im Wetterdienste jenseits des Ozeans seit längerer Zeit einen hervor-
ragenden Platz einnimmt. Und dies ist kein Zufall, denn das über 115 Längengrade
sich erstreckende Beobachtungsnetz der Vereinigten Staaten fordert wie kein anderes
dazu auf, die Temperaturwellen auf ihrer Westostwärtswanderung zu verfolgen‘
Das ähnlich günstige frühere russische Stationsnetz hat es H. v. Ficker er-
möglicht, die Kälte- und Wärmewellen Nordeuropas und Nordasiens. zu unter-
suchen, — übrigens Untersuchungen, die Clayton nur aus einer Arbeit F, M.
v. Exners in Geografiska Annaler 1920 zitiert. — Im amerikanischen Wetter-
dienste werden die Kurven der Temperaturtagesmittel, die häufig Aufeinander-
folgen wellenähnlicher Oszillationen zeigen, zerlegt. Durch graphisches oder
numerisches Ausgleichen, durch die harmonische Analyse oder durch Bildung
von Differenzen, die sich über immer größere Intervalle erstrecken, erhält man
Wellen verschiedener Länge, Clayton unterscheidet Wellen 1. Klasse mit einer
Periode von 2—3 Tagen, Wellen‘ 2. Klasse mit 5—7 tägiger Periode und Wellen
3. Klasse mit einer Periode etwa von der Dauer eines Monats. Den Temperatur-
wellen entsprechen Wellen im Luftdruckgange und in der nordsüdlichen Kom-
ponente der Luftbewegung; Isoplethendarstellungen des Temperaturganges in
den unteren Höhenkilometern nach Fesselaufstiegen weisen ähnliche Wellen auf,
Werden die nach einer der obigen Methoden erhaltenen Wellen kartographisch
dargestellt (etwa als Abweichung vom Monatsmittel), so zeigt sich, daß die