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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1924, 
Nach meiner Ansicht kann es nicht überraschen, daß die Schwankungen 
des Mittelwassers nicht ganz den theoretischen Betrag erreichen. Letzterer setzt 
ja einen stationären Zustand voraus. Die Druckschwankungen aber, die haupt- 
sächlich durch vorüberziehende Zyklonen erzeugt‘ werden, gehen so schnell vor 
sich, daß das Wasser nicht Zeit hat, vollständig zu folgen. Auch die Verspätung 
der Wasserbewegung stimmt hiermit. Man wird dann allerdings davon ausgehen 
müssen, daß das Zahlenverhältnis überhaupt nicht konstant ist und z. B. bei einer 
sehr schnell ziehenden Zyklone kleiner bleibt als bei einer langsamen, 
Es währe sehr lohnend, wenn bei einer künftigen Überwinterung im Polar- 
gebiet derartige Beobachtungen nach einer Methode wiederholt würden, welche 
Störungen durch Nullpunktsverschiebungen ausschließt. 
Henry Helm Clayton: World Weather ). 
Von Heinrich Seilkopf. 
Zusammenfassende Darstellungen der Ergebnisse meteorologischer For- 
schungen in Nord- wie in Südamerika sind stets willkommen; ganz besonders 
aber in einer Zeit, in der die wirtschaftliche Notlage Deutschlands es auf das 
Äußerste erschwert, ausländische Einzelarbeiten und Zeitschriften durch Erwerb 
oder Austausch kennen zu lernen. Kann schon das umfangreiche Werk, in dem 
das Weather Bureau in Washington seine jahrzehntelangen Erfahrungen im Vor- 
hersagewesen niederlegte (Weather Forecasting in the United States, W. B. 
Nr. 583, Washington 1916), dem europäischen Wetterdienste wertvolle Anregungen 
geben, so trifft dies in weit höherem Maße zu bei dem Buche, das: Henry Helm 
Clayton unter dem Titel World Weather (New York 1923) jüngst heraus- 
gegeben hat. World Weather stellt ein Lehrbuch der Wetterkunde dar, in dem 
die Witterungserscheinungen der ganzen Erde behandelt werden und schließlich 
in dem Abschnitt „Meteorologie der Sonne“ die Sonne selbst als Energiequelle 
des Geschehens in der Erdatmosphäre in den Kreis der Betrachtungen gezogen 
wird. Es darf wohl als Claytons Lebenswerk angesprochen werden, in dem er 
namentlich die Ergebnisse seiner Forschungen über die Beziehungen zwischen 
Sonnentätigkeit und Wetter zusammenfaßt. Aber auch an vielen anderen Stellen 
bemerkt man die Früchte langjähriger Forschungsarbeit und Tätigkeit im Wetter- 
dienste der Vereinigten Staaten (Blue Hill Observatorium) und Argentiniens, 
Wenn das Werk also nicht lediglich eine einheitliche Zusammenarbeit der Re- 
sultate meteorologischer Weltliteratur ist, so stützt es sich doch auf deren 
wichtigsten Ergebnisse. Daß Clayton hierbei manche Arbeiten europäischer 
Meteorologen entgangen.sind, die in manchen Abschnitten gerade sein Bestreben 
unterstützt hätten, die großen Zusammenhänge aufzudecken, ist leicht erklärlich. 
Von denen, die das einschlägige europäische Schrifttum kennen, werden diese 
Lücken nicht so schmerzlich empfunden werden. Niemand aber wird das Buch 
aus der Hand legen, ohne mit lebhaftestem Interesse den Ausführungen Aes 
Verfassers gefolgt zu sein. 
In dem einleitenden Abschnitt über die Kräfte, „die Wetteränderungen 
hervorrufen“, gibt Clayton eine gedrängte Übersicht über die wichtigsten 
meteorologischen Tatsachen: über den Einfluß ungleichartiger Erwärmung, der 
Land- und Seebrise, Berg- und Talwind, die Monsune hervorruft, über den Ein- 
fluß der nach oben abnehmenden Luftdichte, zu dessen Erläuterung zwei 
Diagramme von Jahresmitteln der Temperatur und des Luftdrucks vom Boden 
bis 16 km Höhe für den Raum von 70° N. Br. bis 40° S, Br. gegeben werden, 
Nach Schilderung des Einflusses des Wasserdampfgehaltes und der Meeres- 
strömungen wird die ablenkende Kraft der Erdrotation behandelt, an die eine 
Einführung in das Wesen der Hoch- und Tiefdruckgebiete anschließt. Die 
Theorien über die atmosphärische Zirkulation von Maury, Ferrel, Thompson 
und Bjerknes werden an Hand anschaulicher Skizzen erläutert; die vom 
1) New York 1923.
	        
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