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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1924,
Luftdruck und Mittelwasser am Danmarks - Havn.
Von Prof. Alfred Wegener,
(Hierzu Tafel 4.)
Das folgende ist eine nachträgliche Untersuchung über Beobachtungsergebnisse der Danmark-Expedition
nach Nordost-Grönland 1906—1908, welche an deren Überwinterungsstelle, dem Danmarks-Havn nahe
Kap Bismarck, (76%/,° N-Br.) gewonnen wurden.
Schon während dieser Expedition war es mir aufgefallen, daß bei Schnee-
stürmen nicht selten das Wasser durch die Gezeitenspalte emporstieg und sich über
das Eis, namentlich den am Ufer festgefrorenen Teil, ausbreitete. Soweit ich mich
erinnere, schob ich diese Erscheinung, die für die Passanten zwischen Schiff und
Haus zu allen übrigen Unannehmlichkeiten des Schneesturms noch eine un-
erwartete neue brachte, hauptsächlich auf die Belastung des Eises mit Neuschnee,
sowie auf die hohe Temperatur. Nachträglich aber kam mir der Gedanke, daß
vielleicht eine Erhöhung des Wasserstandes durch die Druckverminderung daran
schuld sein könnte, und ich beschloß, die von Bistrup bearbeiteten Gezeiten-
beobachtungen der Danmark-Expedition!) daraufhin mit den von mir selbst er-
haltenen Luftdruckregistrierungen?) zu vergleichen.
Die vorliegende Arbeit stellt das Ergebnis dieser Vergleichung dar. Es
ist von unerwarteter Klarheit, denn im Gegensatz zu europäischen Verhältnissen,
wo die Wirkung des Luftdruckes fast ganz unkenntlich gemacht wird durch die
viel größeren und komplizierten Wirkungen des Windstaus, sehen wir das Mittel-
wasser im Danmarks-Havn — abgesehen von Störungen des Meßgeräts — unter
alleiniger Wirkung des Luftdrucks sich ändern und diesem mit einer solchen
Regelmäßigkeit folgen, daß man den Luftdruck am Danmarks-Havn mit guter
Annäherung unmittelbar aus dem Mittelwasserstand hätte entnehmen können.
Übrigens hat bereits James C. Ross bei einer Überwinterung in der
Arktis ähnliche Beobachtungen über den gleichartigen Verlauf von Luftdruck
und Wasserstand erhalten?). Es scheint aber, als ob man bisher noch wenig
darauf aufmerksam geworden ist, wie günstige Bedingungen für eine solche Unter-
suchung gerade eine überwinternde Polarexpedition bietet.
In der Abbildung Nr. 1 (Tafel 4) ist zunächst das ganze für die Ver-
gleichung in Frage kommende Beobachtungsmaterial graphisch dargestellt. Ob-
wohl Bistrup bereits vom 3. Oktober 1906 an Gezeitenmessungen mitteilt, habe
ich mich doch auf diejenigen vom 21. Januar 1907 ab bis zum Schluß der Beob-
achtungsperiode (1. März 1907) beschränkt, weil die Ablesungen vorher nicht
zahlreich genug sind, um das Hoch- und Niedrigwasser mit der für unsere Zwecke
nötigen Genauigkeit zu ergeben. Erst am 21. Januar wurden die Ablesungen so
vermehrt, daß sie um die Zeit des Hochwassers und Niedrigwassers längere Zeit
hindurch in Intervallen von 5 Minuten vorliegen. Bei den Kurven in ’Abb. 1
wurde besonderes Gewicht auf die Höhe dieser Extreme gelegt, während die
verbindenden Kurvenstücke, auf die es uns nicht ankommt, nur schematisch
ausgezogen wurden,
Die Ermittlung des Mittelwassers geschah durch Halbierung stets des
kürzesten und des längsten Schenkels der täglichen Doppelwelle. Auch die so
erhaltene Punktreihe verläuft noch etwas zickzackförmig, indem die Halbierungs-
punkte der kürzesten Schenkel immer etwas höher liegen als die der längsten;
doch ist der Unterschied so gering, daß es keine Schwierigkeit verursacht, die
Kurve des Mittelwassers nach Augenmaß zwischen ihnen hindurchzulegen. Diese
Methode ist natürlich nicht exakt, dürfte aber für den vorliegenden Zweck voll-
kommen genügen.
Im unteren Teil der Abbildungen ist sodann der Luftdruck nach den stünd-
lichen Werten als Kurve eingetragen und darunter noch Bewölkung und Wind
‘') H. A. Ö. Bistrup, Tidal observations in Danmarks-Havn. Oct. 3. 19%06—March 2. 1907,
Köbenhavn 1913 (Danmark-Ekspeditionen, Bd. I, S. 429ff.).
3) W. Brand, Stündliche Werte des Luftdrucks und der Temperatur am Danmarks-Harvn,
Danmart-KE*speditionen, Bd. II, S. 362 ff.
3» Krümmel, Handb. d. Ozeanographie. Bd. I, S. 60.