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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

Thorade, H.: Flutstundenlinien und Flutwelle, 
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in einem mäßig breiten Kanal, infolge der hin- und hergehenden Gezeiten- 
strömungen, das Wasser bald gegen das eine, bald gegen das andere Ufer ge- 
drängt und so eine Querschwingung hervorgerufen wird, deren Interferenz mit 
der Längswelle sich im Entstehen von Amphidromien äußert. Erst in neuester 
Zeit ist es G.J. Taylor (1922) gelungen, die von Lord Kelvin angegebene 
Lösung auf beliebig breite Randmeere zu erweitern; vgl. den Bericht A. Defants 
d. Ztschr. 1923, S. 57 und Taf. 2, wo etwa die Größen- und Tiefenverhältnisse 
der Nordsee zugrunde gelegt sind. In solchen, durch die Erdrotation hervor- 
gerufenen Amphidromien (Harris’ „Channel eddies“) liegen die Verhältnisse 
etwas anders als im obigen 2. Beispiel, Denn die Stärke des Anstaus, den die 
Erdumdrehung hervorruft, hängt von der Geschwindigkeit der Längsströmungen 
ab, und da diese in einer Welle nicht überall dieselbe ist, so wird auch die Hub- 
höhe der Querschwingungen an verschiedenen Punkten des Kanals verschieden 
sein, anders als im‘ „Ocean eddy“. Es erschien von Interesse, auch hier die 
Veränderungen der Wasseroberfläche von Tidestunde zu Tidestunde zu verfolgen, 
und so sind unter Zugrundelegung der von Taylor gegebenen Darstellung der 
Flutstunden- und Hubhöhenlinien, wie sie Defant in der genannten Arbeit, 
Abb. 5, wiedergibt, die Nr. 4—7, Taf. 3, entworfen, deren Darstellungsform die 
gleiche wie diejenige der Nr. 2 und 3 ebenda ist, nur daß die Schichtlinien für 
je 20 cm Höhenabstand gezogen sind. Der Augenschein zeigt, daß hier, wo noch 
die Wechselwirkung zweier Amphidromien, einer südlichen und einer nördlichen, 
hinzutritt, ebensowenig wie oben eine Übereinstimmung von Flutstundenlinien 
und Wellenkämmen zu verzeichnen ist; von umlaufenden Wellenbergen könnte 
höchstens mit Bezug auf den zwischen beiden Amphidromien liegenden Punkt, 
in dem sich in Nr. 7 die Flutstundenlinien schneiden, gesprochen werden, kaum 
aber mit Bezug auf die beiden Mittelpunkte selbst; doch der genannte Punkt 
besitzt starken Tidenhub. Die Beziehung zu den Knotenlinien bleibt bestehen, 
weil nur eine Tide, die M,-Tide berücksichtigt ist, was beiläufig manche Ab- 
weichungen vom beobachteten Verlaufe der Nordseetiden erklärt. Die Strömungen 
können aus den‘ Karten Defants entnommen oder aus Taylors Darstellung 
(Fig. 2 der von Defant angeführten Arbeit) entwickelt werden. 
Was den Entwurf der Schichtlinien anlangt, so war hier ihre graphische 
Ermittlung einfacher als die mathematische Berechnung. Die sich kreuzenden 
Systeme der Flutstundenlinien und der Linien gleicher Hubhöhe (Abb. 5 der er- 
wähnten Arbeit Defants) ermöglichen es, für jeden Schnittpunkt den Wasser- 
stand zu jeder Tidestunde zu berechnen, indem als Tidekurve eine Sinuslinie 
anzunehmen ist; man erhält auf diese Weise genügend viele Punkte, um Linien 
gleicher Wasserhöhe hindurchzulegen, Dies Verfahren läßt sich leicht auf alle 
Gewässer anwenden, von denen Karten der Flutstunden- und Hubhöhenlinien, 
und im Falle unregelmäßiger Tiden auch die Tidekurven vorhanden sind‘). 
Zusammenfassung. Es bedarf also einer besonderen Konstruktion, um aus 
Flutstunden-, Hubhöhenlinien und Tidekurven ein Bild der Wellenfläche abzu- 
leiten. Die Flutstundenlinien allein genügen hierfür nicht. Sie vermitteln keine 
Anschauung von der Oberflächenform des Wassers, denn sie fallen nur in seltenen 
Ausnahmen mit den Wellenkämmen zusammen. Wenn ein Ort Hochwasser hat, 
so darf man hieraus im allgemeinen nicht schließen, daß in diesem Augenblick 
der Wellenkamm an ihm. vorbeigeht. 
') Derartige Karten hat übrigens A. Schumacher für die Nordsee auf Gründ der in Anm, 1 
d.; Verf, erwähnten Karten von A. Merz entworfen. Leider war es nicht mehr möglich, sie noch in 
diesem Heft zu veröffentlichen. D. Schrift.
	        
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