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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

Wiese, W.: Der Seeweg nach den westsibirischen Flüssen und die russischen Forschungen usw. 927 
und salzärmerem (33—8384%.09) „Polarwasser“ überdeckt. Eine Schicht relativ 
warmen Wassers in einer Tiefe von ca. 75—100 Meter ist auch in der Richtung 
nach Süden ungefähr bis zum Breitengrade 72° N zu verfolgen. Aus folgendem 
Temperaturschnitt ist dies ersichtlich. 
Stat 
x 
a 
75° 33 N 
66° 58' O 
Stat. * 
14. IX. 
74° 39 N 
65° 450 
| 
Stat. x 
14, IX. 
73° 51’ N 
64° 550 
Stat. VIII ‘Stat.29 „Malygin“ 
13. IX. 27. VUL 
72° 56 N 72° 14'N 
63° 36’ 0 62° 40 
m 
No 
ng 
30 
7 
2.709 
2.40 
1.47 
65 
J 
50 | 
75 * 
100 
150 
200 
300 | 
Zur Zeit ist es noch schwer zu entscheiden, ob hier das relativ warme 
Wasser in 75—100 Meter tatsächlich dem Eindringen atlantischen Wassers vom 
Norden zuzuschreiben ist, oder ob die Zunahme der Temperatur unter 
50 Meter bloß durch das Vorhandensein der typischen Schicht von Polarwasser 
in der Tiefe von 25—50 Meter zu erklären ist, Die Schicht kalten Polarwassers 
ist im nördlichen Teile des Karischen Meeres am stärksten ausgebildet, läßt sich 
jedoch längst der Westküste der Jamal- Halbinsel nach Süden bis über den 
70. Breitengrad verfolgen, wo sie sich im August—$September in einer ge- 
ringen Tiefe von 20—25 Meter befindet. 
Im Jahre 1921 wurden im Karischen Meere hydrologische Forschungen 
noch von der Expedition des Wissenschaftlichen Meeresinstitutes (Dampfer 
„Malygin‘“) unternommen !), doch ist hier die Anzahl der Stationen dieser Ex- 
pedition gering. Das Hauptarbeitsgebiet der genannten Expedition war der 
äußerste östliche Teil des Barents-Meeres, wo viele Stationen aufzuweisen sind, 
von welchen sich die nördlichste unter 77° 36‘. N und 63° 18’ O befindet. 
Auf die umfangreichen hydrobiologischen Arbeiten, welche im Karischen 
Meere 1921 von beiden genannten Dampfern aus vollbracht wurden, kann ich 
hier, als nicht Spezialist, nur hinweisen. 
Zum Schluß sei noch die Trift des Eisbrecherdampfers „Solovei Budimi- 
rovitsch“ im Karischen Meere im Jahre 1920 erwähnt. Dieser Dampfer wurde 
im Januar 1920 in der Tscheschskaja Bay (östlich von der Kanin-Halbinsel) vom 
Eise eingeschlossen und von da mit dem Eise durch die Karische Pforte ins 
Karische Meer getrieben. Hier trieb er im südlichen Teile des Meeres bis Mitte 
Juni mit dem Eise umher, Der nördlichste von diesem Dampfer während seiner 
Trift im Eise erreichte Breitengrad betrug 72° 58’ N (den 12. VI., bei 683° 18’ 0), 
der östlichste Meridian — 64° 42'O — wurde am 4. IV. erreicht (bei der Breite 
72° 03’ N). W. Wiese, Petersburg. 
Flutstundenlinien und Flutwelle. 
Von H. Thorade. 
(Hierzu Tafel 3,) 
In neuerer Zeit sind die Tiden der hohen See wiederholt untersucht und 
durch Flutstundenlinien dargestellt worden; namentlich sei an die Arbeiten 
v. Sternecks und Defants, die in dieser Zeitschrift teils erschienen, teils aus- 
führlich besprochen sind, erinnert”). Während v. Sterneck sich mit einem mehr 
grundsätzlich gehaltenen, auf die Betrachtung der Hafenzeiten begründeten Bilde 
1) Die Ergebnisse sind veröffentlicht in: A. Rossolimo. Hydrologisches Journal der Ex- 
pedition des Institutes im Jahre 1921, Berichte des Wiss. Meeresinst. Lief, 2. Saratow. 1923, 
?) Während der Drucklegung erschien das „Nordseehandbuch, südl. Teil‘, Berlin 1923, mit 
neuen Karten und einer Darstellung der Gezeiten von A. Merz. Hier kann leider nicht mehr darauf 
eingegangen werden.
	        
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