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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1924.
Von 1919 an wurde der Seeweg nach Westsibirien jeden Sommer (August-
September) zwecks Handels von russischen und ausländischen Dampfern besucht.
1919 wurden 8 Dampfier gezählt, 1920: 12 (die Zahl ist nicht genau), 1921: 14
(ein Teil unter der Führung von Kpt, Otto Sverdrup), 1922: 5 und im ver-
gangenen Sommer passierten den Seeweg die Dampfer „Trotzky“ und „Russanoff“
unter der Führung von B. Wilkitzky. Alle Dampfer haben ihre Aufgabe erfolg-
reich gelöst, außer zwei altersschwachen russischen Dampfern „Ob“ und „Enissei“,
welche 1921 unweit der Bely-Insel untergingen (der eine im Eise, der andere
im Sturm). Über den Gütertransport auf dem sibirischen Seewege in den letzten
Jahren kann folgende Tabelle eine Vorstellung geben.
Jahr
1914
1915
1916
1917
1918
1919
1920
{921
199292
Einfuhr | Ausfuhr | Total
Tonnen Tonnen Tonnen
„Oo b“
367
2050
419
— L09
2803 4129
— 9749
7371 | 11207
2467 5500
CI
65932
9749
18578
13967
„Enissei“
Einfuhr | Ausfuhr | Total
Tonnen Tonnen Tonnen
3284
150
223°
24.17
950
196
5701
„169
"166
3317
x
056
Total
Tonnen
5701
3517
3166
100
6932
10483
24634
13967
4 ı a
Hierbei sei noch bemerkt, daß 1922 die Versicherungs-Prämie für Güter
und Dampfer auf dem sibirischen Seewege, welche früher 12%, betrug, bis auf
30%/ herabgesetzt worden ist.
Außer rein praktischen Arbeiten zur Förderung der Schiffahrt nach den
westsibirischen Flüssen sind in den letzten Jahren im Karischen Meere auch
wissenschaftliche Forschungen vorgenommen worden, von denen ich hier kurz
die hydrologischen Arbeiten, welche 1921 von der Hydrographischen Expedition
des Nördlichen Eismeeres (Dampfer „Taimyr“) veranstaltet wurden !), erwähnen
will. Wie bekannt, beruhten bis jetzt unsere Kenntnisse über die hydrologischen
Verhältnisse im Karischen Meere fast ausschließlich auf einzelnen zufällig ge-
wählten Stationen, an denen meist außerdem mit veralteten Hilfsmitteln gearbeitet
wurde, welche. natürlich nur ungenaue Resultate ergeben konnten (so zum Bei-
spiel Nordenskiölds außerordentlich niedrige Temperaturen von —2.4°, welche auch
in Krümmels Ozeanographie, allerdings schon stark bezweifelt, erwähnt werden),
Die „Taimyr“-Arbeiten 1921 hatten folgende drei hydrologische Schnitte im
Karischen Meere zur Folge: 1. von der Jugorschen Straße bis zur Halbinsel
Jamal, 2. von der Jugorschen Straße bis zur Witney-Bay an der NO-Küste von
Nowaja Semlja und 3. von der Witney-Bay längst dem Breitengrade 76'/,° N
nach Osten, Durch letzteren Schnitt ist das Eindringen atlantischen Wassers
in das Karische Meer um die Nordspitze Nowaja Semljas bewiesen worden, was
sich am klarsten aus den Temmeraturen ergibt.
Stat. "IV! Stat, .. XV | Stat. XXVI
16.1X. ; 161%. 16. IX.
769 13/N | 76° 17N | 76° 21’ N
69° 0270 | 70° 10 * 710220
üm 1.509 0.809 0.509 75 m C.,259 — 0.749 | — 0.330
10 1.45 — 1.18 — 0.13 100 —1.11 —1.59 | — 1.41
25 2,07 — 1.15 —162 130 — —1.42
50 214 © 177 1.62
Wie man sieht, sinkt das warme, jedoch schwerere atlantische Wasser
recht schnell in größere Tiefen hinab und wird von typischem kaltem (—1.62°)
’) Die Resultate der ozeanographischen Forschungen dieser Expedition sind in ‚russischer
Sprache veröffentlicht worden. 1. W. Wiese. Sur lhydrologie de la mer de Kara. Bull. de 1’Inst,
Aydrol. de Russie, No. 4, 1922, 2, W. Wiese und W. Kedrolivansky. Neues zur Hydrologie des
Karischen Meeres. Zapiski po gidrografii, t. XLVII 1923 (hier die Ergebnisse in extenso).