Ann. d. Hydr. usw., LIL Jahrg. (1924), Heft IT.
FE
N
Der Seeweg nach den westsibirischen Flüssen und die russischen
Forschungen im Karischen Meere in den letzten Jahren.
Unter den von Rußland vorgenommenen Arbeiten zur wissenschaftlichen
Erforschung des Seeweges nach Westsibirien sind an erster Stelle die Funken-
stationen an den Küsten des Karischen Meeres und den Mündungen der sibirischen
Flüsse zu erwähnen, deren Gründung 1912 begann. Im genannten Jahre wurde
die Funkenstation an der östlichen Mündung der Jugorschen Straße (9 == 69°
50’N, 1=60° 44’ O) und die Station am nordöstlichen Ende der Waigatsch-Insel
(p = 70° 24’ N, 1=58° 47’ 0) gegründet; auf letzter Station begann der Funken-
telegraph erst seit 1914 zu arbeiten. Weiter kamen folgende Funkenstationen
hinzu: 1914 die Station Mare-Sale, an der Westküste der Halbinsel Jamal
{p = 69° 43’N, 1= 66° 48’ 0), 1915 die Station auf der Dickson-Insel (9 = 78°
30’N, 1=80° 23’0), 1920 die Station Ust-Enisseisky Port (am Enissei, nahe
der Mündung; = 69° 40’ N, 1=84° 22’0), 1923 die Station Matotschkin
Scharr, welche sich an der Ostmündung dieser Straße befindet (#= 73° 15’N,
A=— 56° 20’ 0), 1921 wurde noch eine Funkenstation im Ob-Meerbusen — Nowy
Port — (p=67° 42’N, 1= 72° 57'0) eröffnet, doch ist hier zur Zeit der
Funkentelegraph nicht tätig. Zu erwähnen wären weiter noch die Funken-
stationen in Obdorsk (am Ob) und in Dudinka (am Enissei), welche auch für
die Kenntnis der Wetter- und Eisverhältnisse im Karischen Meere von Bedeutung
sind. Die Karischen Funkenstationen führen regelmäßige Beobachtungen über
die -Eisverhältnisse aus und senden täglich Wetternachrichten ab. Letztere
haben sich als außerordentlich nützlich für den russischen Wetterdienst erwiesen.
Auf den Stationen „Dikson-Insel“ und „Matotschkin Scharr“ werden, außer ge-
wöhnlichen meteorologischen Beobachtungen, auch Beobachtungen mit Pilot-
ballonen gemacht. Die Station „Matotschkin Scharr“ führt noch erdmagnetische
Beobachtungen aus und ist vom Petersburger Physikalischen Zentral-Observa-
törium mit registrierenden Apparaten sowie mit Instrumenten für absolute Be-
stimmungen versorgt. Im Jahre 1924 ist die Gründung einer Funkenstation an
der Nordspitze Nowaja-Semljas in Absicht genommen, .
In den Sommermonaten 1918 bis 1921. inkl. wurden im Gebiete des See-
weges nach Sibirien von der Hydrographischen Expedition des Nördlichen Eis-
meeres Küstenvermessungen und umfangreiche Lotungen gemacht. Die Arbeiten
fanden einerseits in der Jugorschen Straße, der Karischen Pforte und im
Matotschkin Scharr, andererseits in den Mündungen der Flüsse Ob und Enissei
and den entsprechenden Meerbusen statt. Außerdem wurde die Tschernaja Bay
(Schwarze Bai, S-Küste von Nowaja Semlja), die Baidarata Bay (Karische Bucht)
und die nordöstliche Küste Nowaja Semljas kartographisch aufgenommen, Die
letztgenannte Küstenlinie hat nach den Arbeiten 1921 ein merklich anderes An-
sehen bekommen, als sie es auf den bis jetzt vorliegenden Karten hatte. Die
kartographischen Arbeiten stützen sich auf eine große Anzahl mit hoher Genauig-
keit bestimmter astronomischer Punkte, an denen auch immer erdmagnetische
Beobachtungen ausgeführt wurden. Die neuen kartographischen Arbeiten auf
Nowaja Semlja sind noch nicht veröffentlicht worden, da 1924 noch weitere
Vermessungen im Norden von Nowaja Semlja geplant sind; nach ihrer Beendigung
soll die neue Nowaja Semlja-Karte erscheinen,
Die Arbeiten in den Mündungen des Ob und Enissei haben zwei neue
Hafenanlagen zur Folge, von denen der erste Hafen am Enissei liegt und den
Namen Ust-Enisseisky Port erhielt, der zweite sich an der westlichen Küste des
Ob-Meerbusens befindet und Nowy Port heißt. Die Mündung des Enissei ist für
große Dampfer bis zum Ust-Enisseisky Port ohne Schwierigkeiten zugänglich, da-
zegen können die seichte Mündung des Ob nur Flußdampfer befahren. Der Hafen
(Nowy Port) ist deshalb hier auch außerhalb der Flußmündung angelegt.
Ann. d, Hydr. usw. 1924, Heft II.