Plassmann, J.: Bemerkungen über das aschgraue Mondlicht.
ah aus, abgesehen von einigen versprengten Zahlen. Faßt man je 27 Schätzungen
zusammen, so erhält man die Reihe:
ST 4.3h 7.6h 10.5h 12,.6h 15.6h
San 7 7.2 7.0 6.7 6.2.
Aus allen Reihen zusammen aber wird der Leser schon den Schluß gezogen
haben, daß für die Gesamtheit der Morgenbeobachtungen ein nur sehr
wenig höherer Wert von s herauskommt als für die Gesamtheit der
Abendbeobachtungen; es ist s, = 6.19; sm =— 6.861). Der Unterschied be-
trägt noch nicht eine Stufe und ist also geringer als alle Differenzen, die man
durch Mittelung der Mondradien, Sonnentiefen, Mondhöhen, Elongationen und
Sternzeiten erhält. Für unsere Beobachtungsreihe kann jedenfalls nur von einer
qualitativen Bestätigung des nach Möstlin und Galilei benannten Satzes geredet
werden. Über die Ursache dieses Versagens kann man verschieden denken. Bei
Galilei könnte man ja das günstige Mittelmeerklima heranziehen, nicht. aber
bei dem schwäbischen Mathematiker, und bei beiden müßte man nach dem Um-
fange der Beobachtungsreihe fragen. Möglicherweise unterschätzt man zu sehr
den Einfluß der Wolkengürtel und der weißen Polarhauben der Erde, wenn man
ganz allgemein der Halbkugel, die wir die Östliche zu nennen gewohnt sind,
eine wesentlich höhere Albedo zuschreibt als der anderen. Es könnte ja. sein,
daß sich die Beobachter am Morgen frischer fühlten als am Abend, und daß sie
dann die Wirkung der größeren eigenen Empfänglichkeit dem Gegenstande gut-
schrieben. Auch die Luft am Beobachtungsort selbst wird in Betracht kommen.
Wir wollen ja nicht leugnen, daß meteorologische Ausnahmefälle, z. B. die Ver-
schneiung großer Landstrecken, gelegentlich die Albedo der Festländer stark er-
höhen können. Anderseits möchten wir noch betonen, daß das Licht neben der
zunehmenden Sichel gerade an den günstigen Vorfrühlingsabenden des Jahres
1924 manchmal auffallend schwach war, auch an Abenden, die andere Beob-
achtungen sehr wohl gestatteten, und daß, wenn wir die ziemlich zahlreichen
Schätzungen dieses Jahres herauswürfen, wozu wir aber nicht berechtigt sind,
der Unterschied zwischen Morgen und Abend noch mehr verwischt würde.
Eine vermehrte Sonnenstrahlung wird allen drei in Betracht kommenden
Lichtflächen in gleichem Maße zugute kommen, also dem Dämmerungsbogen,
der Sichel und der Nachtseite des Mondes. Es wird daher, wenn man das
psychophysische Grundgesetz innerhalb engerer Grenzen als verbürgt ansieht,
der wechselnde Abstand.der Sonne von der Erde (größte Spannung des Strahlungs-
verhältnisses etwa 16:15) so wenig eine Änderung in der Sichtbarkeit des Iumen
einereum bewirken als etwa die Fleckenperiode des Tagesgestirns.
Kleinere Mitteilungen.
Zur Mitteilung im Oktoberheft 1924, S. 244, Die erste Reise Amerigo
Vespuccis, bemerken wir, daß Herr Professor Hermann Wagner-Göttingen
in einem der nächsten Hefte eingehender zu der angeregten Frage Stellung
nehmen wird. Die Schriftleitung.
Neuere Veröffentlichungen.
A. Besprechungen und ausführliche Inhaltsangaben.
Andresen, P.: Die Geschichte der Monddistanzen See zu überwinden waren, und wie es erst nach
mit besonderer Berücksichtigung ihrer theo- hartem Ringen den Astronomen und Instrumenten-
retischen und praktischen Grundlagen. 8°, 63 S. machern etwa im Anfang des 19. Jahrhunderts
Verlag „Nautische Rundschau“. Hamburg gelang, die „Mondtafeln‘‘ und Meßgeräte mit ge-
1924. 1.50 A. nügender Genauigkeit herzustellen, um damit auf
An der Hand von zahlreichen Literatur-Hin- See brauchbare Resultate erzielen zu können. Man
weisen zeigt der Verfasser eingehend die großen erfährt u, a., daß die Notwendigkeit, für das
Schwierigkeiten, die von Anfang an beim Gebrauch Längenproblem auf See eine baldige und be-
von Monddistanzen zur Längenbestimmung auf friedigende Lösung zu finden, hauptsächlich die
1) Infolge der starken Abrundung ergeben die einzelnen Reihen etwas abweichende Zahlen.