Plassmann, J.: Bemerkungen über das aschgraue Mondlicht. 307
Eine Besserung bei zunehmender Mondhöhe läßt sich hiernach nicht be-
haupten, wohl aber eine Verschlechterung, sobald die Höhe den Mittelwert über-
schritten hat. Zwei Ursachen kommen für dieses Verhalten in Betracht. Die
eine ist, daß die großen Mondhöhen geringe Sonnentiefen bedeuten. Dann sollte
man aber erwarten, daß doch die kleinsten Mondhöhen schlechtere Bedingungen
darböten als die mittleren. Dem scheint nun eine sinnesphysiologische oder
psychologische Ursache entgegenzuwirken. Alle flächenhaften Objekte lassen sich
in der Nähe des Horizontes am besten in ihre Elemente zerlegen, wie sie denn
auch hier am größten erscheinen. Das läßt sich gewiß auch auf die Trennung
der Nachtseite des Mondes vom Himmel anwenden, Gerade weil der Beobachter
bei den geringen Mondhöhen nahezu geradeaus blickt, hat er es bequemer als
bei den großen Höhen. Für solche, die, wie ich, mit der. Brille beobachten
müssen, gilt das natürlich besonders, Jedenfalls aber zeigt die den Mondhöhen
folgende Kurve die geringste Amplitude.
Zur Aufreihung nach der Phase konnten bis 1906 die Monddistanzen des
Nautical Almanac, von 1907 an die des Nautischen Jahrbuches benutzt werden,
aus denen sich die Elongation X des Mondes von der Sonne, wieder ohne Rück-
sicht auf Strahlenbrechung und Parallaxe, auf Zehntelgrade berechnen ließ. Wo
wegen zu kleiner Elongation die Distanz nicht angegeben war, habe ich sie un-
mittelbar sphärisch berechnet. Dabei sei noch bemerkt, daß ich anfangs ver-
sucht habe, an einem sehr großen Globus, den einer meiner Vorgänger für die
Sternwarte angeschafft hat, sowohl die Höhen der beiden Gestirne als auch die
Elongation durch Anlegung des Bandmaßes abzuleiten, wobei ich, um mit dem
Bande über dem Horizontalring zu bleiben, die Sonne durch ihren Gegenpunkt
ersetzte. Die sich ergebenden Zahlen waren aber zu roh, was sich besonders
dann herausstellte, wenn mehrere Beobachtungen eines Abends oder Morgens ver-
glichen wurden. Dagegen erwies sich zur Bestimmung der Mondhöhen gelegentlich
ein Diagramm als nützlich, das Heis für graphische Arbeiten über Sternschnuppen-
bahnen hat drucken lassen. Es enthält die Gradnetze des Horizontes und des
Äquators in verschiedenen Farben; für 51.5° Polhöhe gezeichnet, konnte es durch
Anbringen einer kleinen, gleichfalls graphisch abzulesenden Verbesserung für
52.0° gebraucht werden. Für die Sonnentiefen war es wegen seines geringen Um-
fanges nicht verwendbar, nicht einmal für die Mehrzahl der Mondhöhen.
Die kleinste Elongation, in der ich das aschgraue Licht neben der Abend-
sichel gesehen habe, ist zugleich die kleinste, in der ich die Sichel selbst wahr-
genommen habe. Es war 1902, Febr. 9% 5h 46.9m Ortszeit, unter den günstigen
Bedingungen des Vorfrühlings, wo sich der junge Mond vollständig ungesucht
am Himmel zeigte und das aschgraue Licht sehr gut (s = 7) erkannt wurde,
Die Elongation betrug 15.6°, Neumond war 8% 1b 21,5m M, Z. Gr. = 1ıh 52.1m M. Z.
Münster gewesen, nicht ganz 28% vor der Beobachtung. Die Sonnenhöhe betrug
7.5°, die Mondhöhe -+-7.5°. Die größte Elongation, bei der das Phänomen
abends noch sicher wahrgenommen wurde, war 78.0° mit s = 4; darüber hinaus
bis 853° findet man nur unbestimmte Angaben mit s = 1 oder 1'/,. Bei den
Frühbeobachtungen fällt die geringste Elongation 20.8°, mit s = 7, auf 1916
Okt. 244 17h 454m; hr = 5,7; AO — —9.2°; allerdings gibt es auch eine Beob-
achtung bei der Elongation 18.4°, aber mit s = 1. Die größte Morgen-Elongation
mit s= 6 beträgt 80.7°; eine Beobachtung mit s = 1 fällt auf 90.7°, also in die
Nähe des letzten Viertels.
Wir reihen nun das Material zunächst für die wachsende Sichel nach der
Elongation auf und finden die Reihe:
E 223° 28.1 31.4 34.9 377 413 429 472 513 55.2 59,3 68.3
S 7.4 6.5 6.2 6.6 6.5 6,5 6.6 5.8 6.2 6.1 4.7 4,3.
Sie geht durch Bildung übergreifender Mittel in die folgende über:
Di 27.30 31.5 34.7 38.0 40.6 43.8 47.1 51.3 55.3 60.7
6.7 64 6.4 6.6 6.6 6.4 6.2 6.0 5.7 5.0.
Ein ständiger Abfall findet sich erst im zweiten Oktanten, im ersten bleiben
die Bedingungen im ganzen ungeändert, da mit zunehmender Phase zwar die