Plassmann, J.: Bemerkungen über das aschgraue Mondlicht.
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Bemerkungen über das aschgraue Mondlicht.
Von J. Plassmann.
Daß der aschfarbene Schimmer, in dem wir die Nachtseite unseres Trabanten
neben der hellen Sichel erblicken, auf dessen Bestrahlung durch die Tagseite der
Erde zurückgeht, hat zuerst Leonardo da Vinci bemerkt. Möstlin und Galilei
haben, anscheinend unabhängig voneinander, hinzugefügt, daß das sekundäre
Licht dem europäischen Beobachter neben der Morgensichel heller erscheine als
neben der Abendsichel, und zwar darum, weil es an unseren Morgen die an Fest-
land reiche östliche Halbkugel sei, die dem Monde Licht zuwirft, an unseren
Abenden die wasserreiche Westhalbkugel. Einer Prüfung dieser Angabe durch
eine größere Beobachtungsreihe bin ich noch nicht begegnet.
Seit längerer Zeit habe ich jedoch über den Grad der Sichtbarkeit des
lumen cinereum eigene Beobachtungen angestellt, und zwar vereinzelte in den
Jahren 1882, 93, 94, 95, 96, eine etwas größere Zahl 1897. Nach einer längeren
Lücke ist dann von 1900 bis 1924 kein Jahr unbesetzt geblieben, so daß zu
Ende April 1924 an Abendbeobachtungen 478, über 187 Abende verteilt, vorlagen,
ferner 135 Beobachtungen der alten Sichel an 65 Morgen. Für die Sichtbarkeit
dieser wie anderer Phänomene habe ich seinerzeit (vgl. Neumayer, Anleitung zu
wissenschaftlichen Beobachtungen auf Reisen, 3. Aufl. [1906], Bd. I, S. 682—683)
eine zehnteilige Skala mitgeteilt, nach der dann auch alle in Rede stehenden
Schätzungen angestellt worden sind!). Die Schätzungsergebnisse wurden allemal
in Worten niedergeschrieben, was besonders beim eiligen Notieren sicherer er-
scheint als das Hinsetzen von Zahlen. In manchen Fällen ergab beim Umsetzen
die Wortfassung die Notwendigkeit halber Intervalle. In den Schätzungen eines
und desselben Abends oder Morgens zeigten sich häufig so große Sprünge, daß
eine Beeinflussung der späteren ‚durch die früheren nicht befürchtet zu werden
braucht. Es sind darum alle Einzelschätzungen mit gleichem Gewichte ein-
gegangen.
Ordnet man die Abendbeobachtungen nach dem sphärischen Mond-
radius o und faßt dann je 40 zusammen, so erhält man für den abendlichen
Sichtbarkeitsgrad s, die folgende Tafel:
2 14.75 14.80 14.90 15.12 15.18 15.45 15.78 15.91 16.11 16.29 16.46 16.59
5. 500 4.65 582 622 6.65 5.80 611 641 635 648 7.688 7.34.
Die Morgenbenbachtungen zu je 34 oder 33 vereinigend, erhält man für
die Sichbarkeit s„ die Zusammenstellung:
8 1491 15.26 15,82 16.22
8 641 6.78 7.22 6.12.
Um die Sprünge aus der Abendreihe nach Möglichkeit zu entfernen, haben
wir je drei einfache Mittel nach dem Schema 4} (a+b+ce), + (b+ c+d4d),
1(e + d+e) usw. zu übergreifenden Mitteln zusammengefaßt, was folgende neue
Aufstellung ergab:
op’ 14.82’ 14.94 15.07 15.25 15.47 15.71 15.93 16.10 16.29 16.44
s,/ 5.16 556 623 622 619 611 629 641 690 7.21.
Wenn man endlich alle Abend- und Morgenbeobachtungen zusammenfaßt,
und zwar zunächst zu 15 Mitteln aus je 40 oder etwas mehr Schätzungen, dann
zu 13 übergreifenden Mitteln, so erhält man nachstehende Reihe:
@’ 14.80’ 14.88 14.96 15.07 15.18 15.37 15.56 15,75 1588 16.03 16.27 16.32 16.46
Su. 547 5.74 5,88 627 634 658 624 637 06.36 6.34 6.26 6.68 7.00.
Auf Grund dieser letzten Reihe darf man wohl.sagen, daß sich der Wechsel
des Abstandes von Erde und Mond in den Sichtbarkeitsgraden tatsächlich aus-
wirkt. Die Kurve hat im Apogäum die kleinsten, im Perigäum die größten
1) Skala: 1) Objekt bestimmt unsichtbar, 2) kaum sichtbar, 3) mit Mühe, 4) bestimmt,
5) ziemlich gut, 6) gut, 7) sehr gut, 8) bequem sichtbar, 9) hell, 10) auffallend hell. Dazu in zweı
Fällen, beide am Abend: 11) übermäßig hell. — Die Beobachtungen sind fast alle in Münster an-
yestellt; besonders von den älteren einige Zehner in dem benachbarten Warendorf, von den neueren
einzelne auch in Arnsberg und Berlin. also alle nahezu in derselben Breite.