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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

298 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1924, 
der Beobachter dieses künstliche Echo hört, betätigt er genau wie bei der Lotung 
den Handkontakt. Würde die Verzögerung des Beobachters den Wert Null 
haben, so müßte der Kurzzeitmesser die Zeit Null anzeigen. Da der Beobachter 
nun aber stets zu spät den Kontakt betätigt, so wird der Kurzzeitmesser auf 
dem Zeitwert stehenbleiben, um den der Kontakt zu spät betätigt worden ist, 
und hier ergibt sich nun, daß der Zeitwert an sich relativ groß ist, er entspricht 
etwa einer Wassertiefe von 80 m. Die Abweichung der Betätigungsfehler unter 
sich sind aber sehr gering, so daß bei Anwendung der „Ohrlot“-Methode bei Tief- 
seelotungen die aus Schwankungen der Betätigungsfehler stammenden Ungenauig- 
keiten nur unbedeutend sind. 
Aus einigen nach dieser Richtung ausgeführten Laboratoriumsversuchen 
ergab sich folgendes: Durch Schießversuche in Luft wurde festgestellt, daß 
15 Skalenteile des benutzten Kurzzeitmessers 2 m Schallweg in Luft entsprachen, 
bei Annahme einer Schallgeschwindigkeit von 340 m in Luft und 1435 m in See- 
wasser würden 15 Skalenteile also 8.4 m Schallweg in Wasser entsprechen, 
1 Skalenteil also 0.56 m Schallweg in Wasser oder 0.28 m Wassertiefe. — Die 
Versuche ergaben, daß der Kontakt von drei verschiedenen Beobachtern bei je 
fünf nacheinander ausgeführten Versuchen bei folgenden Stellungen des Kurz- 
zeitmessers betätigt wurde: 
Behm: ‚230 265 260 285 2835 Amplitude: 55 Skalenteile, 
Dransfeld: 285 265 270 265 280 „ : 20 » 
Dr. Schulz: 330 330 38328 310 315 5 : 20 # 
Nehmen wir 300 Skalenteile als mittlere Verzögerung an, so entspricht dies einer 
Tiefe von 84 m. Um etwa 80 m würde die Tiefe nach der „Ohrlot“-Methode also 
zu groß werden, eine entsprechende Korrektion ist demnach anzubringen. Wichtig 
ist nun aber, die Verzögerung ist zwar an sich groß, aber sie ist, wie die obigen 
Beispiele erkennen lassen, bei einem und demselben Beobachter ziemlich konstant. 
Die größte Amplitude bei einem zwar geübten aber schlecht disponierten Beob- 
achter war 55 Skalenteile, dies entspricht einer Wassertiefe von 15 Metern. Bei 
dem 2. und 3. Beobachter, die beide in der Methode ungeübt waren, betrug die‘ 
Amplitude nur 20 Skalenteile, entsprechend einer Tiefe von 5.6 m! Hiernach ist 
also der Schluß berechtigt, daß bei Anwendung der „Ohrlot“-Methode für 
Tiefseelotungen der aus Schwankungen der persönlichen Gleichung 
stammende Fehler nur unbedeutend ist. 
Zur Anwendung der „Ohrlot“-Methode dient das oben beschriebene Instrument 
mit Kurzzeitmesser mit mehrmaligem Umlauf, das also auch für die Erlotung 
geringer Tiefen verwend- 
bar ist. Zur Ausführung 
von Tiefseelotungen an 
Bord von Schiffen, die nur 
mit einem gewöhnlichen 
Kurzzeitmesser ausge- 
rüstet sind, dient ent- 
weder das oben beschrie- 
bene photographisch 
registrierende Behmlot 
oder ein Instrument fol- 
gender Konstruktion 
(vgl. Fig 12). Eine Blatt- 
feder (1), deren Schwin- 
gungszahl durch ein 
Laufgewicht (8) regulier- 
bar ist, wird von einem 
Magneten (2) gespannt und zeichnet ihre Schwingungen auf einer Schreibfläche (3) 
von gewöhnlichem Papier durch einen Schreibstift (4) nieder, wobei sich die 
Schreibfläche während der Niederschrift in der Richtung des Pfeiles bewegt. Ein 
Magnet (5) arbeitet mit einem Anker (6) zusammen, um einerseits den Schreib- 
stift (4) mit dem notwendigen Druck, der durch einen Widerstand (7) reguliert 
werden kann, auf der durch die Walze (9) angetriebenen Papierfläche aufliegen zu 
Figur 12,
	        
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