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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

Seilkopf, H.: Die meteorologische Beratung der Überführungsfahrt des Luftschiffes LZ 126, 287 
Als der Abfahrtstermin näher kam, herrschte auf dem Nordatlantik eine 
ausgesprochene Schlechtwetterlage. Sie wurde von einem umfangreichen Tief- 
druckgebiet beherrscht, dessen Kern am 8. Oktober früh mit einem Barometer- 
stande von etwa 742 mm südlich von Island lag, während das subtropische Hoch- 
druckgebiet nur als schwacher Hochdruckrücken über die Bermuda-Inseln und 
die Azoren bis zum Mittelmeer reichte. Zwischen Grönland und Neufundland 
war ein weiteres Tiefdruckgebiet erschienen, das einen Ausläufer längs der 
amerikanischen Ostküste entwickelte. Über Canada hinweg stießen kalte Luft- 
massen nach dem Westatlantik vor. Infolge der starken Vertiefung der Temperatur- 
gegensätze entwickelte sich das Tief südlich von Grönländ zu einem ausgebreiteten 
Sturmwirbel, der am 9. und 10. zwischen Irland, Grönland und Neufundland das 
Wetter beherrschte. Noch am 10. wehten zwischen Irland und Neufundland in 
den bodennahen Schichten Windstärken bis zu 9 Beaufort (65 km/Stunde). Der 
Tiefausläufer, der am 8. längs der amerikanischen Ostküste lag, bildete sich 
zu einem Teiltief aus, auf dessen Rückseite frische bis steife nördliche Winde 
wehten. Die Kaltluftmassen auf der Rückseite des nordatlantischen Tiefs breiteten 
aber das nordamerikanische Hoch, dessen Kern am 8. mit 774 mm zwischen 
St. Lorenz-Golf und Hudsonbai lag, rasch südostwärts aus, während das Teiltief 
zwischen den Bermuda und Neuschottland blieb. Zwischen diesem westatlantischen 
Teiltief und dem langsam ostwärts ziehenden Haupttief entwickelte sich infolge- 
dessen ein Hochdruckrücken, der von Neufundland bis nach den Azoren reichte 
und sich bis zum 11. weiter kräftigte. Da das Tief mit seinem Kern auf 58° N-Br., 
22° W-Lg. nur 735 mm aufwies und einen Ausläufer nach der Biskaysee, einen 
zweiten auf 23° W-Lg. entsandte, wurde der Nachmittagsfunkspruch vom 10., der 
wesentlich für die Entscheidung über die am nächsten Morgen geplante Abfahrt 
war, noch recht ungünstig gehalten, beispielsweise wurden für das Gebiet zwischen 
45° und 53° N-Br., 15° und 45° W-Lg. noch böige westnordwestliche bis nord- 
westliche Winde von 50 bis 70 Stundenkilometer in 500 m Höhe vorausgesagt. 
Die dem Labrador-Neufundland-Hoch entströmenden Kaltluftmassen mußten auf 
die warme Südwestströmung auf der Vorderseite des westatlantischen Teiltiefs 
treffen, der in den untersten Schichten durch den Golfstrom noch mehr Wärme 
zugeführt wurde. Bei dem dabei zu erwartenden starken vertikalen Temperatur- 
gradienten war daher mit Gewitter zu rechnen; es wurden daher in dem Nach- 
mittagsfunkspruch vom 10. für den westlichen Nordatlantik Gewitter vorher- 
gesagt. Am 11. nachmittags meldete tatsächlich ein zwischen den Bermuda und 
Neuschottland auf 39° N-Br. stehender Dampfer Gewitter, ein etwas weiter nord- 
östlich fahrendes Schiff Hagelfall. — Am 11. war eine Besserung der Wetterlage 
bemerkbar: Das Tief südlich von Island zog unter Auffüllung langsam nord- 
ostwärts ab, während das westatlantische Teiltief auf etwa 38° N-Br., 65° W-Lg. 
stationär liegenblieb. Zwischen beiden breitete sich der Hochdruckrücken aus, 
der sich langsam weiter zu festigen schien. Dem Luftschiffbau konnte daher in 
den Funksprüchen am 11., sowie in einem am 11. mittags übermitteltem Draht- 
telegramm als für die Fahrt in Betracht kommendes windschwaches Gebiet die 
Linie Südfrankreich — Spanien— Azoren— Neufundland bezeichnet werden, Die 
Luftschiffsführung setzte dann die Abfahrt für den folgenden Morgen fest und 
entschied sich für die Route über Spanien und die Azoren, 
Am Sonntag, den 12. Oktober, 6h 35m Vm, stieg das Luftschiff in Friedrichs- 
hafen. auf, um durch die burgundische Pforte den Weg über Frankreich zu 
nehmen. Hier hatte es nach verbreitetem Morgennebel am Westabhang des fest- 
ländischen Hochdruckgebiets ganz schwache südöstliche Winde und heiteres, teil- 
weise sogar völlig wolkenloses Wetter. — Inzwischen rückten die Kaltluftmassen 
auf der Rückseite des ostwärts abziehenden nordatlantischen Tiefdruckgebiets 
gegen Europa vor. Der Kälteeinbruch hatte sich anscheinend geteilt, seine west- 
liche Zunge brachte die oben erwähnten Gewitter am 11., seine östliche Zunge 
entwickelte in ihrer Front im Laufe des 12. infolge der Verschärfung der 
Temperaturgegensätze vor dem westlichen Kanaleingang ein Teiltief, das in dem 
5h Vm.-Funkspruch zunächst als flacher Ausläufer mit Regenfronten angesprochen
	        
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