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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

286 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1924, 
beobachtungen einer Anzahl von Schiffen sind längs der wenigen, von Europa 
nach Amerika führenden Dampferwege regellos und zufällig verteilt. In der 
richtigen Deutung und vollen Auswertung dieser Schiffsbeobachtungen liegt die 
Hauptschwierigkeit der Diagnose der Wetterlage auf dem Ozean; sie erfordert, 
daß die übermittelten Luft- und Wassertemperaturen, Dünungs- und Seegangs- 
angaben, Sichtweiten und Wolkenbeobachtungen ebenso berücksichtigt werden 
wie die Angaben von Luftdruck und Wind, wobei noch zu bedenken ist, daß bei 
stark arbeitendem Schiff die Ablesungen am Quecksilberbarometer mit einer ge- 
wissen Unsicherheit behaftet sind. Von den Witterungsverhältnissen auf dem 
Meeresspiegel, wie sie durch die Wetterkarten dargestellt werden, ist sodann auf 
die Strömungsvorgänge in der Höhe zu schließen. Die drei ersten, von der 
Deutschen Seewarte in Gemeinschaft mit dem Luftschiffbau Zeppelin, dem Luft- 
schiffbau Schütte-Lanz, den Junkers- und Fokkerwerken, der Hamburg-Amerika 
Linie, dem Norddeutschen Lloyd, der Notgemeinschaft deutscher Wissenschaft 
und dem Observatorium Lindenberg unternommenen aerologischen Studienfahrten 
über den Nordatlantik haben in mehreren hundert Höhenwindmessungen hierfür 
wertvolles Beobachtungsmaterial gesammelt und gestattet, persönliche Erfahrungen 
in dieser Hinsicht zu gewinnen, N 
Die meteorologische Beratung der Überführungsfahrt wurde auf Wunsch 
des Luftschiffbaues Zeppelin der Deutschen Seewarte übertragen. In eingehenden 
Besprechungen in Friedrichshafen im Juni d. Js. wurden die hierbei auftretenden 
Fragen geklärt und folgender Arbeitsplan der Beratung verabredet: Viermal 
täglich werden dem Luftschiffe über die von der Reichstelegraphenverwaltung 
zur Verfügung gestellte Großfunkstelle Eilvese bei Hannover von der Seewarte 
Wetterübersichten und Vorhersagen gefunkt, während das Luftschiff viermal 
täglich über die Hauptfunkstelle Norddeich der Seewarte Wetterbeobachtungen 
übermittelt. Auf dem Wege über Norddeich sollte ein etwa notwendiger draht- 
loser Nachrichtenaustausch zwischen Luftschifführung und Seewarte durchgeführt 
werden. Als Sendezeiten von Eilvese (Wellenlänge 14600 m) wurden später 
zwischen Luftschiffbau, Telegraphentechnischem Reichsamt und Seewarte die 
Zeiten 5h Vm, 11h 05m Vm,, 5 Nm. und 10 Nm. M. Gr. Z. festgesetzt; das Luft- 
schiff sollte um 1b Vm,, 7% Vm, 1% Nm. und 6% Nm. M. Gr. Z. an Norddeich Standort 
und Wetter funken. Auf der Seewarte selbst stand außerdem ein Gerät dauernd 
auf Empfang von NERM (Rufzeichen des Luftschiffs). Zur schnellen Übermittlung 
der Eilvese-Berichte erhielt die Wetterdienstabteilung der Seewarte eine besondere 
Fernsprechverbindung mit der Transradiozentrale auf dem Telegraphenamt 
Hamburg, von wo aus der Sender von Eilvese ferngetastet wurde. Um 
schnelle Verbindung zwischen Norddeich und Seewarte sicherzustellen, war ferner 
auf dem Telegraphenamt Hamburg Sorge getragen, daß die Leitungen nach 
Norddeich und nach der Seewarte unmittelbar nebeneinandergelegt und von den- 
selben Beamten bedient wurden. 
Zur Sicherung der Überführungsfahrt legte das Navy Departement in 
Washington drei Schiffe aus: „Patoka“ auf 55° N-Br., 45° W-Lg., „Detroit“ auf 
45° N-Br., 45° W-Lg. und als F-T,-Verbindungsschiff den Kreuzer „Milwaukee“ auf 
45° N-Br., 57° W-Lg. Die Wetterbeobachtungen dieser Schiffe wurden zusammen 
mit Klartextwetterberichten des Weather Bureau von der Großstation Annapolis 
gefunkt und bei der meteorologischen Beratung mit verwertet. 
Zur Erprobung wurde der geschilderte meteorologische Beratungsplan auf 
Wunsch des Luftschiffbaus bereits während der großen Probefahrt des LZ 126 
am 25. und 26. September durchgeführt. Da_er sich hierbei nach Mitteilung 
des Luftschiffbaus gut bewährte, waren keine Änderungen für die Überführungs- 
fahrt selbst mehr notwendig. Für die letzte Zeit vor Antritt der Fahrt wurde 
lediglich noch verabredet, daß die Eilvese-Berichte zunächst nur zweimal täglich, 
um 4h Vm. und 4h Nm. M. Gr. Z. an die Werft zu funken wären. Vom Montag, 
den 6. Oktober an wurde mit der Aussendung dieser Berichte begonnen. Gegen 
Ende der Woche war das Luftschiff klar zur Überfahrt; zu Sonnabend, den 11,., 
wurde mit dieser gerechnet.
	        
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