282 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1924,
keit wurde eine in Spiritus gelöste Farbe — Eosin oder Fuchsin — angewandt,
zu welcher noch einige Tropfen von schwarzem Spirituslack und Wasser zuge-
fügt wurden. Für jede Ölsorte kann das beste Verhältnis der Bestandteile
experimentell bestimmt werden. Wenn wir mit diesen Flüssigkeiten eine schmale
vertikale Küvette füllen, in welche eine Wärmequelle und eine Kältequelle ein-
geführt sind, so werden sich, unter dem Einflusse der entstandenen Konvektions-
ströme, einige der im Gleichgewicht befindlichen gefärbten Kügelchen in Bewe-
gung setzen, indem sie genau der Richtung der wirkenden Kräfte nachfolgen.
Auf diese Weise ist die Erscheinung sichtbar geworden; da aber das Auge nicht
imstande ist, gleichzeitig alle Details wahrzunehmen, so schien es uns bequemer,
bei der Photographie Hilfe zu suchen. Zu diesem Zwecke wurde die zweite
Flüssigkeit photographisch unreagierend — rot oder schwarz — gefärbt. Die
beiden gebrauchten Küvetten waren von geringen Dimensionen (10 X 10 X 2
und 9 X 12 X 1,5 cm). Als Wärmequelle diente eine Spirale aus einem isolierten
neusilbernen feinen Draht, welcher auf ein kurzes Glasröhrchen aufgerollt war
und durch welcher ein elektrischer Strom geschickt wurde, Als Kältequelle
diente ein mit Schnee gefülltes Probierglas oder ein Kupferröhrchen. Hinter
der Küvette wurde in einer gewissen Entfernung ein weißer Schirm aufgestellt;
die Erscheinung wurde bei von vorn auffallendem Tageslicht photographiert.
Für die Fälle, in denen es notwendig war, eine horizontale Lage der
Kältequelle zu haben, wurde eine der Seitenwände der Küvette aus Kork gemacht,
durch welchen die Kältequelle hindurchgeführt und wobei dann alles mit Kleb-
mitteln verkittet wurde. Dasselbe Klebmittel diente auch zur Anfertigung von
Küvetten aus alten photographischen Platten. Zur Erwärmung wurde der elek-
trische Stadtstrom benutzt, wobei ein Widerstand von 300 Ohm eingeschaltet
wurde. Bevor man zu photographieren anfängt, ist es nützlich, die innere Seite
der Küvette mit reinem Öl anzufeuchten, um das Ankleben der gefärbten Partikel
an den Seiten der Küvette zu vermeiden. In der Zeit der Exposition (einige
Sekunden) erzeugen die sich bewegenden gefärbten Partikel auf der photo-
graphischen Platte eine Spur in Form von Linien, welche genau die Trajek-
torien dieser Partikel während der Belichtungszeit darstellen; die unbeweglichen
Partikel erscheinen dagegen nur als Punkte. Aus den nebenstehenden Photo-
graphien, welche bei verschiedenen relativen Lagen der Wärmequelle und der
Kältequelle aufgenommen worden sind, ist zu ersehen, wie deutlich und detailliert
mittels: dieses Verfahrens die Erscheinungen reproduziert werden können.
Zur Beurteilung der Richtung der Sıröme muß in Betracht gezogen
werden, daß unter dem Einflusse der Erwärmung die an der Wärmequelle sich
befindende Flüssigkeit die ursprüngliche Richtung nach aufwärts hat und durch
die unten gelegene Flüssigkeit ersetzt wird; an der Kältequelle entsteht diese
Erscheinung in entgegengesetzter Richtung. Auf diese Weise kann stets unfehl-
bar die Bewegungsrichtung der auf der Photographie fixierten Stromlinien be-
stimmt werden.
Betrachten wir jetzt die erhaltenen Photographien. In der Abbildung 1
sind die Konvektionsströme dargestellt für den Fall, daß die Kältequelle ober-
halb des Niveaus der Wärmequelle sich befindet. Es entsteht eine lebhafte
Konvektionsbewegung, welche in Übereinstimmung mit den Schematas steht, die
bei J. W. Sandström und anderen Autoren dargestellt sind. Dieser Strom kann
leicht ersichtlich gemacht werden nicht nur durch die Methode der Färbung
der Flüssigkeiten, sondern auch einfach durch Aufschütten von Sägespänen auf
die Flüssigkeitsoberfläche, wobei die Späne leicht durch den starken Konvektions-
strom fortgeschleppt werden. Dabei wird die Erscheinung selbstredend nicht
in einer reinen Form auftreten wegen der Verschiedenheit des spezifischen Ge-
wichts der Flüssigkeit (gewöhnlich Wasser) und der Sägespäne, aber im ganzen
ist das Bild klar genug dargestellt.
Mehr Interesse bietet die entgegengesetzte Lage der Wärmequelle und der
Kältequelle. J. W. Sandström spricht sich über diesen Fall auf folgende
Weise aus!): „Wenn die Kältequelle unter das Niveau der Wärmequelle verlegt
\y Meteorolorzische Zeitschrift, 1923, H. 9, S. 264,