2378 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1924.
Erklärung unterzogen, z. B. die Amphidromien in
ihrem Wesen erhellt werden können.
In einem Punkte gehe ich mit dem Verfasser
nicht einig, falls nicht äußere Gründe in der Sache
antscheidend gewesen sind. In dem Kapitel über
die Strömungen der Meeresoberfläche ist an dem
theoretischen Schema einheitlicher Stromkreise mit
antgegengesetztem Drehsinn in den nördlichen und
südlichen Ozeanhälften festgehalten. Durch die
letzte Bearbeitung der Oberflächenströmungen des
Atlantischen Ozeans für den Februar ist die Un-
zulänglichkeit solcher Analogien doch wohl über-
zengend dargetan, auch gezeigt worden, daß bei
sinem der Natur der Aufgabe entsprechenden Zurück-
gehen auf ein zureichendes Beobachtungsmaterial
für kleinere Flächen (Eingradfeld) und Beachtung
einiger Grundforderungen der Hydrodynamik Strom-
bilder gewonnen werden, deren Wesen durch den
Begriff der Stromkreise in keiner Weise mehr er-
faßt werden kann. Nun steht zwar die Neu-
bearbeitung der Oberflächenströmungen nach den
beim Indischen und Atlantischen Ozean gewonnenen
Gesichtspunkten für den Pazifischen Ozean noch
aus, so daß für das ganze Weltmeer ein einheit-
liches Strömungsbild noch nicht ohne weiteres ge-
zeben werden kann. Aber ein Hinweis darauf
daß das liebgewordene Strömungsbild mit seinen
schönen „Symmetrien und Analogien nicht mehı
als in Übereinstimmung mit den Tatsachen be-
irachtet werden kann, wäre doch wohl schon jetzt
am Platze gewesen. Stahlberg.
Schülke, .O., Kapitän: Schiffs-, Ladungs- und
Havereipapiere, eine seerechtliche Bespre-
chung der Rechte und Pflichten eines
Kapitäns in Havarei und anderen Ge-
schäftssachen. Seemänn. Bücherei, Bd. 35, 8°
168 S. Hamburg 1924, Eckardt & Messtorff.
Die Besprechung eines ähnlichen Buches, „Der
Kapitän“, in dieser Zeitschrift 1921, S. 268, begann
mit den Worten: „Die Herausgabe dieses Werkes
war ein dringendes Bedürfnis, weil das von Kapt.
O. Schülke herausgegebene Buch »Schiffs- und
Havereipapiere« im Buchhandel vergriffen ist.“
Aber nunmehr ist dieses vortreffliche Buch in
fünfter vermehrter und verbesserter Auflage er-
schienen und fordert den ihm gebührenden Platz,
Wenn Schülke auf S. 39 bei Besprechung des
Frachtgeschäfts sagt: „Jeder Kapitän kann in die
Lage kommen, wo er ganz auf sich allein an-
gewiesen ist; dann wird er wahrscheinlich alle
Gesetzbücher zur Hand nehmen und doch in keinem
finden, was er sucht, nämlich den richtigen Weg,
den er einzuschlagen hat, um sich und seinen Reeder
vor Schaden zu bewahren“, so drückt der Verfasser
damit den Grundgedanken aus, aus dem das Buch
entstanden ist, nämlich nach Möglichkeit die Wege
zu zeigen. Da Schülke ein Mann der Praxis ist,
der über ein Menschenalter als Kapitän fährt und
die allergrößten Schiffe geführt hat, so ist er die
geeignetste Persönlichkeit, solche Wege zu zeigen,
Die Hauptabschnitte des Buches sind: „See-
recht‘, „Allgemeine Vorschriften“, „Vom Reeder
und der Reederei“, „Vom Kapitän“, „Die Schiffs-
papiere‘; dieser Abschnitt ist zweckmäßig unterteilt
in Papiere, die sich auf das Schiff, auf die Mann-
schaft, auf die Ladung und auf Haverei beziehen.
Dabei wird alles das besprochen, was mit den ein-
zelnen Papieren in Zusammenhang steht, z. B.
wird beim Meßbrief das gesamte Meßverfahren mit
Formeln und Skizzen wiedergegeben. Bei den
Ladungspapieren ist das Frachtgeschäft besprochen,
die Harter-Akt abgedruckt, und bei der Haverei
sind die York Antwerp Rules wiedergegeben, Be-
sonders wertvoll sind die Schlußabhandlungen
Jieses Abschnitts: „Wie sich ein Kapitän beim
Abschluß einer Fracht zu verhalten hat“, „was ein
Kapitän während des Ladens und bei Zeichnung
des Konossements zu beachten hat“, ‚Verhalten
les Kapitäns bei Unfällen auf See“, „Verhalten
des Kapitäns im Strandungsfall“, „Verhalten des
Kapitäns im Bestimmungshafen nach vorauf-
gegangener großer Haverei“. Dann folgen die
Abschnitte: „Das Embargo“, „Von der Bergung
und Hilfeleistung in Seenot‘, „Vom Schiffs-
gläuhiger“, „Von der Versicherung gegen die Ge-
fahren der Schiffahrt‘, „Die allgemeinen deutschen
Seeversicherungsbedingungen über Kaskoversiche-
zung“, Daran schließen sich zwei Abschnitte über
Dinge, die eigentlich veraltet, aber doch lehrreich
sind: „Das Armierungsattest‘“ und „Von der
Kaperei und Blockade“. Denn unsere Feinde
1aben im Kriege das bewaffnete Handelsschiff
wieder aufleben lassen und die Blockadebestim-
nungen rücksichtslos gebrochen. Dann folgt ein
Abschnitt über „Wechsel und Wechselformulare“
und zum Schluß die „Strandungsordnung“‘.
Durch den reichhaltigen Inhalt macht sich
das Buch zu einem nützlichen Ratgeber für
Kapitäne, Schiffsoffiziere, Reeder, Schiffsmakler
usw. Schülke nennt es anspruchslos „Schiffs-,
Ladungs- und Havereipapiere“, aber es hält wie ein
zuverlässiger Freund mehr, als es versprochen hat,
L. Schubart:.
B. Neueste Erscheinungen im Bereiche der Seefahrt- und der Meereskunde sowie auf
verwandten Gebieten.
a Werke.
Witterungskunde.
Departement van Landbouw, Nijverheid en
Handel, Batavia, „s Lands Plantentuin“,
„Treubia“, Vol. IV, Lfg. 1—4: Recueil de
travaux zoologiques, hydrographiques el
oedanographiques, Mai 1923. Meteorological
and hydrographical observations made in
the western Part of the Netherlands East
Indian Archipelago. K. M. van Weel. 8,
599 S. m. IX Taf. u. Karten-Anhang. Batavia
1923. Ruygrok & Co.
Küsten- und Hafenbeschreibungen.
Ministerie van Marine, Afdeeling Hydro-
graphie: Catalogus van kaarten en boek-
werken 1923. 4°, 80 S. m. Karten, ’s-Graven-
hage 1924. Gebr. van Cleef.
Department of Commerce, U, S. Coast and
Geodetie Survey, Washington: Catalogue
of charts, coast pilots, and tide tables of
the Philippine Islands 1924. August 1. 4°,
16 p. Washington 1924, Government Prin-
ting Office,
Versehiedenes.
Jasper, K.: Yachtbuch 1924. Handbuch für
Segler und Motorbootfahrer. 8°, 340 S. Berlin
1924. Klasing & Co.