Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1924.
Kleinere Mitteilungen.
li. Norderbeobachtungen von Kapt. F. Meyer, D. „Antonina‘, in Tampico
(Mexico) 1914 —1921. Während der Zeit des Festliegens des Dampfers „Antonina“
im Hafen von Tampico in der Kriegszeit und den nachfolgenden 2!/, Jahren
führte Herr Kapitän F. Meyer (jetzt D. „Emden“) meteorologische Beobachtungen
aus; er stellte diese dankenswerter Weise der Deutschen Seewarte zur Verfügung.
Besonderes Augenmerk richtete er auf die im Winter an der mexikanischen Golf-
rüste charakteristischste Erscheinung: die Norder, jene Nordstürme, welche mit
zroßer Heftigkeit und Plötzlichkeit im Gefolge von Depressionen über dem Golf
auftreten und durch Verfrachtung der kalten nördlichen Luft nach Süden starken
Temperaturfall und Witterungswechsel hervorrufen.
In der folgenden Tabelle habe ich die von September 1914 bis April 1921
reichenden Norderbeobachtungen zusammengefaßt:
Zahl der Tage mit Norder.
1914
1915
1916
1917
1918
1919
1920
1921
u LE vv va | x
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A
x
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(4)
1
2. 1
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»
2
3
Jahr
28
21
36
81
(28)
39
x, 10. 03% 0.0* 0.0* 18! 20| 26! 47) 28
Nach siebenjährigem Durchschnitt bringt also hiernach das Jahr 28 Norder,
von welchen 21 in die fünf Monate Dezember bis April, ziemlich gleichmäßig
verteilt zu 4 bis 5 je Monat, 6 in die drei Herbstmonate September bis November,
£ in den Mai fallen. Bei etwa !/, aller Norderfälle erwähnt F. Meyer, daß sie
mit Regen verbunden waren, nur 5%, werden hingegen ausdrücklich als trocken
bezeichnet, jedoch sind diese Angaben wohl nicht ganz vollständig. Es ergibt
sich ferner, daß 14%, aller Norder zwei Tage, 1°/, drei Tage hindurch andauern.
Ich ermittelte weiter über den Zeitraum von sieben Wintern die Zahl der Tage,
durch welche je zwei aufeinander folgende Nordereinbrüche voneinander ge-
trennt sind (wobei auch einige Fälle frischer nördlicher Winde mitberücksichtigt
wurden):
Zahl der Tage... 1.2.3.4 5:6 7 89 10 11. 12 23 MM 55 16 17
. Fälle ‚. 0 6 191724 16 916 3. 2 5 7 SS 1.6 2 2
Es ist sicher kein Zufall, daß die Periode von 5 Tagen, welche allgemein
als Witterungsperiode eine große Rolle spielt, auch hier als die häufigste her vor-
tritt und daß auf die Vielfachen hiervon, die Perioden von 10 und 15 Tagen,
sekundäre Häufigkeitsmaxima fallen. Außerdem heben sich Perioden von 3, 8
und 13 Tagen hervor, doch soll in. Anbetracht der rohen Statistik, die hier zu-
grunde liegt, nicht näher darauf eingegangen werden.
Aus den Aufzeichnungen von F. Meyer ergeben sich als Mittelwerte von
7 Jahren noch folgende Angaben:
I In N IV V VI VIE VIIL IX X XI X
Zahl der Tage mit Regen 40 20 25 16* 23 72 93 70 86 41 46 21
„Gewitter 0.0 0.0 05 0.7 05 18 23 26 23 13 04 00
Von praktischem Interesse sind schließlich Temperaturablesungen im
Kartenhaus um 6b morgens, von denen die Extremwerte für den Zeitraum
1915—1921 mitgeteilt werden:
1 MM N IV V VI VIXZ VHI IX X XI X
Höchste Temperatur ... 24 24 25 27 28 28 28 283 28 28 26 24 °C.
Niedrigste ,, ea. S* 10 11 17 18 21 23 23 21 16 10 10°C.
E., Kuhlbrodt.