Hamanke, E.: Zur Längenbestimmung aus Sternbedeckungen, 273
In gleicher Weise könnte die Zeit des Austritts aus Fig. 2 (Tafel 21) ab-
geleitet werden. Bequemer ist es, sich an der ersten Zeichnung zu überlegen,
daß nach dem Beginn der Bedeckung sich der Mond um die Strecke
GH = EK = 2FM,
verschieben muß, wenn der Austritt erfolgen soll, und daß dazu die Zeit 2T,
erforderlich ist. Für die mittlere Greenwich-Zeit des Austritts erhält man daher
(To + T; — To) + 2T,, also
m. G. Z. des Austritts = T, + T; + Ts.
Anmerkung: Eigentlich ist FE = M,E-sinw und FM, = M,E - cos w.
Nach früherer Festsetzung ist aber M,E = 1 als Mondhalbmesser.,
Die physikalischen Bedingungen
der Eisbildung auf dem Grunde von Flüssen und Seen.
Von W, Altberg. [Schluß.’
Die Überkühlung erweist sich als unbedingt notwendige‘), aber noch bei
weitem nicht genügende Bedingung, um den langsam vor sich gehenden Prozeß
der Kristallisation zu garantieren. Der entscheidende Faktor, welcher den er-
wähnten Prozeß reguliert, ist die Wärmeabgabe des Wassers, welche unbedingt
nötig ist, da die Bildung von jedem Gramm Eis eine Abführung von 80 Ka-
lorien Wärme erfordert. Folglich kann nur ein mächtiger Wärmeverlust im
Verlauf der ganzen Zeit die für die Kristallisation notwendigen Bedingungen
der Überkühlung garantieren. Von dem Tempo und den Eigentümlichkeiten
des kalorischen Regime des Wassers hängt die Intensität und der Charakter
des Eisprozesses ab.
In der kalten Herbstzeit, vor der Bildung von Eis, verliert fließendes
und stehendes Wasser tatsächlich eine große Quantität seiner Wärme?), obwohl
dieser starke Wärmeverlust nur die Oberfläche des Wassers betrifft. Die ange-
näherte Homogenität der Temperaturverteilung in der Tiefe wird jedoch infolge
dieses Umstandes, wie die obenerwähnten Untersuchungen gezeigt haben, nicht
gestört, was auf einen genügend schnell vor sich gehenden Wärmeaustausch
zwischen allen Schichten und eine sofortige Ausgleichung der Temperaturdiffe-
renzen?) hinweist, wenn solche in irgendeinem Punkte des Flußprofils auftreten
sollten, z. B. im Falle von Erwärmung überkühlten Wassers bei Ausscheidung
latenter Wärme an Stellen, wo sich Eis bildet, Der durch die turbulente Bewe-
gung des Wassers erleichterte Wärmeaustausch zwischen allen Schichten und
mit der Oberfläche, welche in unmittelbarem Kontakte mit der Quelle der Ab-
kühlung steht, trägt zur Erhaltung des überkühlten Zustandes in der ganzen
Mächtigkeit des Wasserabflusses bei und garantiert auf diese Art die für die
Kristallisation günstigen Bedingungen nicht nur an der Oberfläche, sondern auch
in den tiefer liegenden Schichten, die Schicht am Grunde nicht ausgenommen.
Das für das Auftreten der Kristallisation in sehr schwach überkühltem Wasser
unerläßliche Vorhandensein von Kristallisationskernen im Bereich des Grundes
kann durch Zuführung von Eisteilchen von der Oberfläche, welche aus der Luft
kommen, garantiert werden.
In Anbetracht der obenerwähnten einfachen Erwägungen, welche auf
Versuchsdaten und den Resultaten unmittelbarer Messungen am Orte unter
natürlichen Bedingungen basieren, sind willkürliche Voraussetzungen zur Erklä-
rung des Auftretens von Grundeis überflüssig, wie z. B. die Annahme einer
besonderen Kältequelle am Grunde (Wärmeausstrahlung nach Ansicht Farqu-
’) Tammann ]. e. 1922,
2) Nach Bestimmungen Homen’s kann dieser Wärmeverlust 1 g Cal. min. pro cm? übersteigen.
Ein Wärmeverlust von ungefähr derselben Ordnung wurde in den großen Versuchsbassins bei künst-
licher Reproduktion von Grundeis, erhalten. S. Geophys. Repert. Bd. I, 1916.
3) H. Barnes. Anchor- Ice Formation ete.. New York 1906.