Maurer, H.: Schall- und Funksignale zur Abstandsbestimmung bei‘ Nebel. 19
Ungenauigkeiten können entstehen, wenn etwa die Zeitunterschiede: von
1.291 Sekunden nicht scharf genug eingehalten werden, oder wenn der Beginn
des Wasserschallsignals nicht genau mit dem Funk-Nullsignal zusammenfällt, oder
wenn die Schallwege je Sekunde von 1435 m abweichen, weil die Schallgeschwindig-
keit mit Temperatur und Salzgehalt etwas schwankt oder der Schall infolge der
Schichtungen: im Wasser nicht auf dem nächsten Wege von der Schallquelle zum
Schiff läuft. Immerhin wird sich die für die Nautik erforderliche Genauigkeit
bei dieser Methode im allgemeinen wohl erreichen lassen,
Von Interösse ist der Hinweis, daß es für die Abstandsbestimmung nach
diesem Verfahren ganz gleichgültig ist, ob das empfangende Schiff während der
Aufnahme der Signale sich bewegt oder nicht. Denn der Ort, an dem das Schiff
die gleichzeitige Ankunft des Wasserschallsignals mit einem Funksignal bestimmter
Ordnungszahl % beobachtet, liegt von der Schallquelle z Seemeilen ab; und es
ist ganz gleichgültig, wo das Schiff zu jener Zeit war, als das Funk-Nullsignal
es erreichte, Dies gilt nicht nur, wenn das Funksignal mit seiner ungeheuren
Geschwindigkeit läuft; sondern ganz ebenso kann die gleiche Methode, wenn nur
beide Signalarten mit verschiedenen Geschwindigkeiten laufen, zur Abstands-
bestimmung verwendet werden; und es bleibt immer gleichgültig,ob das empfangende
Schiff fährt oder nicht, auch wenn sich die Zeit zwischen Ankunft des Nullsignals
und des Signals % mit der Fahrt ändert. Es wird ja an Bord nur die genannte
Koinzidenz festgestellt, nicht aber mit der Uhr die Zeit zwischen Ankunft des
Nullsignals und des Signals z gemessen.
Man kann daher die Abstandsbestimmung auch ohne Funksignale erreichen,
wenn man ein Luftschallsignal gleichzeitig mit dem Beginn einer Reihe gleich-
abständiger Unterwasserschallsignale aussendet. Der Lulftschall läuft » Seemeilen
in 18522 : 333 — 5.5562 Sekunden. Ein Schall im Wasser braucht für die % See-
meile 1.291% Sekunden, muß also um tt, = (5.556 — 1.291) = 4.265% Sekunden
später abgehen, um gleichzeitig mit dem Luftschallsignal in % Sm Entfernung
anzukommen. Man erhält also eine Maßskala für halbe Seemeilen, wenn man
die Wasserschallsignale in Abständen von 2.132 Sekunden aussendet. Die Zeit
braucht also hier nicht so genau eingehalten und bestimmt zu werden wie bei
der Kombination von Funk- und Wasserschallsignalen, weil eben der Schall in
Luft viel langsamer als in Wasser läuft, Die Abstandsbestimmung wird also ge-
nauer. Dafür ist freilich mit Luftschall im allgemeinen eine so große Reichweite
wie mit Wasserschall nicht zu erreichen; und es treten noch die Veränderlich-
keiten hinzu, die die Luftschallausbreitung durch Temperatur und Wind erleidet;
auch können die Luftschallbahnen von den kürzesten Wegen abweichen und
störende Echos auftreten. Trotzdem wird insbesondere, weil bei Nebel große
Windgeschwindigkeiten kaum vorkommen,. auch dies Verfahren praktisch ver-
wertbar sein, z. B. auf Feuerschiffen, die, wie es bisher üblich war, bei Nebel
nur Luft- und Wasserschallsignale geben.
_ Man könnte aber‘ auch alle drei Arten von Signalen mit dem Erfolg ver-
einigen, daß die Kombination von Funk- und Wasserschallsignal für Schiffe mit
Empfängern für dies Beides und für große Reichweiten benutzbar ist, während
die Verbindung von Luft- und Wasserschallsignal einerseits für Schiffe ohne
F, T.-Empfänger aber mit Wasserschallempfänger brauchbar ist, anderseits aber
auch für die anderen eben bei kleinerer Reichweite eine etwa viermal genauere
Abstandsbestimmung ermöglicht.
Natürlich könnte man auch die Funksignale zur Abstandsmessung mit dem
Luftschall verwenden; nur würde die Ordnungszahl % des gleichzeitig mit dem
Luftschall ankommenden Funksignals dann nicht %z Seemeilen, sondern 388% : 1435 ==
0.232” Seemeilen Abstand bedeuten. Zu sorgen wäre dafür, daß das Luftschall-
signal, der Beginn der Wasserschallsignalreihe und jener der Funksignalreihe
zeitlich genau zusammenfallen. Da Feuerschiffe schon in der Regel bei Nebel
Luftschallsignale geben, müßte man ihre Ingangsetzung selbst den Beginn der
zwei anderen Signalreihen im richtigen Zeitpunkt betätigen lassen.
Die Zeichnung stellt ein mögliches Beispiel einer solchen Vereinigung dar.
Diese Einrichtung ließe die Abstände nach dem Beginn der Wasserschallsignale an der