Schulz, B.: Geschichte und Stand der Entwicklung des Behmlotes, 9257
dem die Detonation stattfindet. Bei 5000 m Tiefe würde das Fallot fast °/, Stunden
gebrauchen, um den Grund zu erreichen. Vorausgesetzt ist hierbei, daß das
Bombenlot durch besondere Vorsichtsmaßregeln gegen den hohen Druck in der
Tiefe geschützt ist. Bei aller Einfachheit kann diese auf den ersten Blick bestechende
Methode nicht als annehmbar bezeichnet werden. Für wissenschaftliche
Zwecke kommt sie vor allem deswegen nicht in Frage, weil die Fallgeschwindigkeit
des Sprengkörpers ein ganz unsicheres Moment hineinbringt
und nicht mit hinreichender Genauigkeit bekannt ist, für die Praxis kaum, weil
sie zu subjektiv ist. Diese Methode wurde nicht weiter verfolgt, weil sie weder
praktisch noch wissenschaftlich das akustische Lotproblem befriedigend löst,
3. Untersuchungen über Schallwellen im Wasser.
Die endgültige Lösung gelang Behm auf einem grundsätzlich anderen
Wege, indem die Bemühungen darauf gerichtet wurden, die Zeit zwischen Schallerzeugung
und Echo, also die Echozeit, zu messen. Dies erwies sich jedoch
deswegen als besonders schwierig, weil aus äußeren Gründen für die Versuche
nur die Heikendorfer Bucht des Kieler Hafens mit höchstens
8—9 m Tiefe zur Verfügung stand. Nimmt man für die Schallgeschwindigkeit
in Wasser rund 1500 m an, so ergibt sich bei einer Tiefe von 10 m eine Echozeit von
nur !/,; sec, und wenn die Genauigkeit !/,m betragen soll, so muß die Zeitmessung auf
1/3000 Sec genau sein! Die Schwierigkeiten wurden noch dadurch vergrößert, daß es
bei den zur Verfügung stehenden geringen Tiefen ausgeschlossen war, das Echo mit
dem Ohre wahrzunehmen, so daß die bei anderen akustischen Versuchen so wertvolle
Prüfung der Versuchsanordnungen durch das Ohr in Fortfall kommen
mußte. Ja, es traten Zweifel auf, ob das Echo überhaupt oder in hinreichender
Schärfe vom Meeresboden, insbesondere vom Schlickgrund des Kieler Hafens
zurückkäme. Da dies aber natürlich die Voraussetzung für die Lösung des
akustischen Lotproblems ist, wurde von Behm zunächst diese Frage zu klären
versucht. Um ein Urteil darüber zu gewinnen, eine wie starke Abschwächung
ein Echo verträgt, um noch zeitgenau registrierbar zu sein, wurden zunächst
Versuche über Reflexion des Schalles an Flächen verschiedenster Art in der
Luft angestellt. Es gelang z. B., dreifache Echos zwischen zwei Wänden zu
registrieren, solche von Baumkronen aufzunehmen, selbst die von Personen in
25 m Entfernung und von Fischernetzen mit 2 qem Maschenweite zurückgeworfenen
Echos konnten mit einem später zu beschreibenden Apparat in ihrem zeitlichen
Verlaufe photographisch registriert werden. Da sich derart geringe Echointensitäten
in Luft zu einer zeitgenauen Registrierung ausreichend erwiesen,
konnte kaum ein Zweifel sein, daß die Intensität auch im Wasser ausreichend
ist. Es blieb aber noch die Frage offen, ob das Echo im Wasser auch eine
hinreichende Schärfe besitzt. Behm versuchte zur Lösung dieser Frage, die
Schallwellen im Wasser und ihre Reflexion direkt sichtbar zu machen. Für die
Luft war dies bereits durch die Arbeiten von Mach und anderen geschehen, für
das Wasser yab es noch keine Methode. Nach längeren Versuchen gelang es
Behm, dureh ein neues Verfahren Schallwellen im Wasser mit gleicher Schärfe
wie in der Luft dem Auge auf einer Mattscheibe sichtbar zu machen und auch
zu photographieren. Das Prinzip war, daß in einem Gefäß mit Wasser ein
elektrischer Funke als Schallquelle diente und die entstandenen Schallwellen
durch einen zweiten etwas später außerhalb des Wassergefäßes erzeugten Beleuchtungsfunken
sichtbar gemacht wurden. Im einzelnen war das Verfahren
folgendes (die Nummern beziehen sich auf Figur 1). Als Stromquelle wurden
große Leidener Flaschen (3, 4) benutzt, wie sie bereits früher von Behm und
Dunker‘!) für andere Versuche angewandt worden waren. Die Ladung erfolgte
durch eine zweiplattige Starkstrom-Influenzmaschine größten Modells (1, 2). Die
Funkenstrecken wurden, wie ebenfalls schon früher von den genannten Autoren
für andere Zwecke geschehen”), in den Stromkreis zur äußeren Belegung der
1‘ Konrad Dunker und Alexander Behm, Über die elektrische Batterie. Zeitschrift für
den physikalischen und chemischen Unterricht, XIII Jahrgang, 1900, S. 79—85.
2) Konrad Dunker, Schulversuche mit der Influenz-Elektrisiermaschine, Hadersleben 1899,
Ann. d. Hydr., usw. 1924. Heft XI.