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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1924. 
1. Messung der Echointensität, 
Den Anlaß für Behm, sich mit akustischen Erscheinungen im Meerwasser 
zu beschäftigen, gab die „Titanic“-Katastrophe im Jahre 1912, durch welche die 
Frage aufgeworfen wurde, ob es möglich sei, die Annäherung an Eisberge mit 
Hilfe von reflektierten Schallwellen rechtzeitig festzustellen. Die 1912 in Wien 
begonnenen und später in Kiel fortgeführten Arbeiten nach dieser Richtung führten 
Behm unabhängig von seinen Vorgängern bald auf den Gedanken, die wissen- 
schaftlich und praktisch weit wichtigere Untersuchung der Möglichkeit, die Meeres- 
tiefe auf akustischem Wege zu messen, in Angriff zu nehmen. Die ersten Versuche 
zielten auf die Bestimmung der Wassertiefe durch Messung der Echointensität 
eines Tones. Behm versuchte sein früher für Schallintensitäts- und Schall- 
isolationsmessungen konstruiertes Stimmgabelsonometer !) dadurch zur Aufnahme 
von Unterwasserschallwellen geeignet zu machen, daß statt des Luftresonators 
ein Wasserresonator benutzt wurde. Dieser Weg, der den Vorteil bietet, daß der 
Schall direkt aus dem Wasser, also ohne Zwischenglied (Mikrophon) aufgenommen 
wird, wurde im wesentlichen aus folgenden drei Gründen wieder verlassen: Erstens 
sind die erforderlichen Resonatoren wegen der großen Schallgeschwindigkeit im 
Wasser sehr groß und daher unhandlich, weiter ist deren Herstellung umständlich, 
weil als Wandung der Resonatoren luftgefüllte Hohlwände genommen werden 
müssen, da Metallwände im Wasser akustisch nicht hinreichend abgrenzend wirken, 
und drittens endlich, und dies ist entscheidend, ist auf die Echointensität nicht 
nur die Tonstärke und Wassertiefe, sondern auch die Beschaffenheit des Meeres- 
grundes von wesentlichem Einfluß. Wenn dieser Weg auch für die Tiefenmessung 
wieder verlassen werden mußte, so könnte die Echointensitätsmessung doch noch 
von Wert sein, da bei anderweitig, also z. B. mit dem Behmlot, verläßlich ge- 
messener Tiefe die Bestimmung der Echointensität ein Urteil über die Be- 
schaffenheit des Meeresbodens zuläßt. Ist der Grund sehr locker, so wird ein 
größerer Teil der Schallintensität verschluckt und durch die Intensitätsmessung 
eine größere Tiefe angezeigt als bei hartem Grunde, Man könnte hier von einer 
„akustischen Grundprobe“ sprechen, Weiterhin könnte sie für ein Echolot mit 
dauernder Tiefenanzeige ausgenutzt werden, indem in kritischen Gegenden ein 
dauernder Ton erzeugt wird und die Intensität des Echos verfolgt wird. Hierbei 
wäre allerdings bei bekannter Grundbeschaffenheit eine von dieser abhängige 
Korrektion anzubringen. ; 
2. Bombenlot. 
Einen anderen Weg, auf akustischem Wege zu loten, beschritt Behm?) mit 
dem „Bombenlot“ (Fallot). Die Fallotmethode besteht darin, im Wasser, einen 
Knallkörper fallen zu lassen, der beim Auftreffen auf den Boden durch einen 
Aufschlagzünder entzündet wird. Die Zeit zwischen dem Fallbeginn im Wasser 
und der Detonation liefert bei bekannter Fallgeschwindigkeit der Bombe ein 
Maß für die Tiefe®. Bei größeren Tiefen wird jedoch das Lotergebnis sehr 
spät geliefert und das Schiff hat sich inzwischen recht weit von dem Orte der 
Detonation entfernt. Bei 2 m Fallgeschwindigkeit ist bei nur 100 m Tiefe das 
Schiff bei 15 Sm Fahrt inzwischen 400 m weit von dem Orte entfernt, unter 
1) H.Sieveking und A, Behm, Akustische Untersuchungen, Annalen der Physik, Vierte Folge: 
Bd. 15, 1904, S. 793—8514. — A, Behm, Schallisolation. Badische Gewerbezeitung 1905, Bd. 38. — 
A.Behm, Über Schallmessung und Akustotechnik, Verhandlungen der Deutschen Otologischen Ge- 
sellschaft, 15. Versammlung in Wien 1906, — Ebenfalls beschrieben in Fr. Braikowich, Thermische 
und akustische Isolierungen. Zeitschrift des österreichischen Ingenieur- und Architekten- Vereins 1913, 
Nr. 27 und 28, 
2, Nach den Aufzeichnungen in seinem Laboratoriumsbuch am 13. Februar 1916. 
3) Es ist ‚von Interesse, daß dieser Gedanke auch bereits von Maury diskutiert wird (Die 
Physische Geographie des Meeres, Leipzig 1859, S. 191): „Ein alter Seekapitän schlug ein sogenanntes 
Torpedo vor, wie man sie bisweilen beim Walfischtang braucht, um die Ungeheuer der Tiefe mit 
Pulver zu sprengen. Der Apparat sollte in diesem Falle explodieren, sobald er den Grund -berührte. 
Man nahm sich vor, zuerst durch Versuche die Geschwindigkeit festzustellen, mit welcher der Torpedo 
sinken und der Schall oder das Gas emporsteigen würde, Man hoffte dann aus der zwischen dem 
Moment des Hinablassens und dem des Aufsteigens der Gase gemessenen Zeit die Tiefe bestimmen zu 
können. Proben vom Meeresgrund konnte man natürlich nicht erhalten; der Anwendung des Apparates 
traten aber auch sonst große Schwierigkeiten in den Weg.“
	        
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