Schulz, B.: Geschichte und Stand der Entwicklung des Behmlotes. 255
zogen!). Versuche, es zu lösen, wurden schon gemacht, als überhaupt noch keine
Methoden, die Tiefe des Ozeans zu messen, bekannt waren. Schon Maury berichtet
in seiner 1855 erschienenen Physischen Geographie des Meeres über Versuche,
bei denen starke Pulverladungen bei gänzlicher Windstille zur Explosion gebracht
wurden, aber vergebens auf ein Echo vom Meeresgrunde gehorcht wurde. Dann
trat dies Problem vorübergehend in den Hintergrund, Man fand andere Verfahren,
um selbst die größten bisher bekannten Tiefen zu messen, Trotzdem wagten
sich im Laufe der Zeit zahlreiche Erfinder an das akustische Lotproblem, sie
kamen zum Teil bis zur Anmeldung von Patenten, die jedoch nur Ideenpatente
blieben. Die erste bis zur praktischen Ausführung gekommene Lösung gelang
unabhängig von seinen Vorgängern nach langer systematischer Arbeit dem
Physiker Alexander Behm2). Über die von ihm eingeführte Methode ist bereits
in dieser Zeitschrift?) und auch an anderen Stellen*) berichtet worden, Sie
wurde vom Erfinder zunächst als „Echolotmethode“ bezeichnet. Da dies Wort
aber bald in den allgemeinen Sprachgebrauch überging, ist in Analogie zur
Wortbildung „Thomsonlot“ das Wort „Behmlot“ an Stelle des Wortes Echolot in
seiner ursprünglichen Bedeutung gebildet worden,
Der Wichtigkeit des Problems entsprechend, ist auf der Deutschen See-
warte die Frage der Echolotung mit Aufmerksamkeit verfolgt worden®). Der
Wunsch, durch praktische Erfahrung ein Urteil über sie zu gewinnen und be-
sonders auch Versuche über ozeanischen Tiefen auszuführen, fand die Unter-
stützung der Hamburg-Amerika Linie, die für den Verfasser und den technischen
Assistenten der Behm-Echolot-Gesellschaft Walther Krentzin freie Reise auf
einer Fahrt des D.S. „Hansa“, Kapt. Graalfs, von Hamburg über Halifax nach
New York und zurück (29. IV.—30. V. 1924) gestattete, weiter durch Vermittlung
der Seeberufsgenossenschaft des Vereins Hamburger Reeder, der dem Verfasser
eine Beihilfe gewährte, und endlich der Behm-Echolot-Gesellschaft, Kiel. Hierfür
sei den genannten Stellen auch hier gedankt, insbesondere auch dem Kapitän
und den Offizieren vom D.S. „Hansa“, welche den Versuchen regstes Interesse
entgegenbrachten. Als wesentlichstes Ergebnis dieser Fahrt ist die Feststellung
anzusehen, daß, wie zu erwarten, mit den von Behm entwickelten Methoden
nicht nur auf geringen, sondern auch auf großen ozeanischen Tiefen .gelotet
werden kann. Da hiermit ein gewisser Abschluß in der Entwicklung erreicht
ist und außerdem die Instrumente seit den letzten Veröffentlichungen in wesent-
lichen Punkten verbessert worden sind, erscheint es angebracht, im Zusammen-
hang mit den auf D. S, „Hansa“ gemachten Beobachtungen die Geschichte und .den
heutigen Stand der Entwicklung des Behmlotes zu überblicken. Hierfür standen
dem Verfasser zunächst die an Bord vom D.5S. „Hansa“ gewonnenen praktischen
Erfahrungen und die bisher erfolgten Veröffentlichungen zur Verfügung. Außer-
dem aber stellte Behm während häufiger Zusammenkünfte im Laufe des letzten
Jahres alle gewünschten Aufzeichnungen und Unterlagen bereitwilligst zur Durch-
sicht und Benutzung für die folgenden Ausführungen zur Verfügung, und ermög-
lichte die Gewinnung größerer Vertrautheit mit den Einzelheiten der verschiedenen
Typen des Behmlotes durch die Vorführung zahlreicher Versuche in seinem
Laboratorium. Alle diese Grundlagen wurden benutzt, soweit die Rücksicht auf
die Patentlage es angezeigt erscheinen ließ. ;
ij Ein Bild hiervon geben die Berichte über die Echolotfrage in: Hydrographic Review, Bd. 1,
1924, Heft 1 und, 2. Monaco 1924.
2) Eine Übersicht über die gesamten bisher bekannten Echolotmethoden gibt ein in Kürze in
Tijdschrift van ‘het Kon, Nederlandsch Aardrijkskundig Genootschap erscheinender Autsatz des Verfassers.
3) A. Behm, Das Behm-Echolot, Ann d. Hydr. usw. 1921, S. 241. — W. Brennecke, Aus-
blicke für die Verwendung des Behmlotes. Ann, d. Hydr. usw., 1921, S. 363, — A. Behm, Über die
Weiterentwicklung des Behmlotes und das Prinzip des Kurzzeitmessers, Ann, d. Hydr. usw. 1922, S, 289,
4) P. H. Gall6, Het Echolood. De Zee 1921, Nr.7. — C. D. Julius, Het Echolood.
De Zee 1921, Nr. 10. — H. Maurer, Das Echolot Marine-Rundschau 1922, Heft 7. — W.Bren-
necke, Das Behmlot. Die Naturwissenschaften 1928, Heft 9; außerdem zahlreiche Aufsätze, u. a. in
der Hansa 1923, 1924; Die Umschau 1923, Kosmos .1922 usw.
5) Vgl. W. Brennecke a. a. 0. — G. Schott, Tiefseelotungen mittels Echolot. Ann. d,
Hydr. usw. 1423. S. 192ff. — L. Schubart, Die Verwendung der Tiefseelotungen für die Navigation
mit Hilfe des Echolotes. Ann, d. Hydr. usw, 1924, S. 731f. — A, Schumacher, Hydrographische
Bemerkungen und Hilfsmittel zur akustischen Tiefenmessung. Ann. d. Hydr. usw. 1924, 5. S7££.