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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

Kleinere Mitteilungen. 
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Angaben und Gründe in Erwägung gezogen, kann er der Überzeugung nicht 
widerstehen, daß die im Jahre 1497 gemacht sein sollende Reise nicht stattfand 
und daß Vespucei keinen Anspruch darauf hat, der erste Entdecker der Küste 
von Paria zu heißen.“ 
Soweit Irving und nun Sir Clemens Markham, der uns, nach Wagners 
eigenen Worten, seit einem halben Jahrhundert als Autorität auf diesem Gebiet 
galt, in seinem ausgezeichneten Werke „Life of Christopher Columbus“, London 
1892, Seite 344/45: „The learned Mufioz examined the official records of expenses 
incurred in fitting out the vessels, They show that Vespucci was at Seville or 
San Lucar from April 1497 to the end of May 1498. In 1499 Vespucci went to 
sea for the first time at the age of forty-seven — much too old ever to 
make a sailor. He was on board one of the vessels of Ojeda’s expedition, 
probably in the capacity of a merchant or volunteer.“ 
Bestärken .uns nun diese Angaben einerseits in dem Glauben, daß — wie 
Varnhagen und Wagner nachzuweisen versucht haben — die Längenbestim- 
mung Vespuceis nach Mondabständen als Legende zu betrachten ist, So liefern 
sie anderseits den klaren Beweis, daß die von Wagner als zweite bezeichnete 
Reise in Wirklichkeit die erste gewesen ist. Hierauf hinzuweisen hielt ich für 
notwendig, denn ein Irrtum in der Priorität der Entdeckung des amerikanischen 
Festlandes ist viel schwerwiegender als ein Irrtum in der Priorität der An- 
wendung von Mondabständen zur Längenbestimmung. Damit will ich nicht 
gesagt haben, daß Wagner den Vespuceci als den Entdecker der Küste von 
Paria bezeichnet hat, aber die unzutreffende Angabe Wagners kann die Ver- 
anlassung werden, andere zu diesem Glauben zu verleiten, 
2. Auf Seite 281 seines Aufsatzes schreibt Wagner: „Die Haupteinwände 
gegen die Echtheit des Briefes gipfeln in seinem Datum, »Sevilla 18. Juli 1500«; 
denn nach den neueren Forschungen steht fest, daß Vespucci erst am 8. Sep- 
tember 1500 von seiner zweiten, unter Hojedas Führung unternommenen 
Westfahrt heimgekehrt ist.“ Hier wiederholt sich also zunächst einmal die Be- 
hauptung von der zweiten Reise Vespuccis, und dann ist ein Datum für seine 
Rückkehr angegeben, das sich mit den Angaben bei Irving und Markham 
nicht deckt. Irving hat in seinem Werk „Reisen der Gefährten des Kolumbus“ 
die Expeditionen Ojedas ausführlich beschrieben und sagt auf Seite 35: „Endlich 
langte er im Juni 1500 in Cadiz an, die Schiffe gefüllt mit Gefangenen, die er 
als Sklaven verkaufte.“ Und Markham schreibt ähnlich auf Seite 240 seines 
Buches: „On the return voyage Ojeda passed through the Bahama group, seizing 
230 of the wretched islanders as slaves, and arrived at Cadiz, in the middle of 
June 1500, where he sold those who had surrived the horrors of the passage.“ 
Sollten diese Angaben wirklich durch neuere Forschungen überholt sein, 
dann wäre ich Herrn Prof, Wagner sehr dankbar, wenn er sich in diesen Annalen 
näher darüber äußern wollte. 
Nachschrift, In dem oben kritisierten Abschnitt VI „Die ersten Längenbestimmungen zur 
See‘ des Aufsatzes „Die Entwicklung der wissenschaftlichen Nautik im Beginn des Zeitalters der 
Entdeckungen nach neueren Anschauungen‘ verweist Prof. Wagner den Leser zur näheren Information 
auf seine längere, diesen Gegenstand betreffende Abhandlung „Die Legende der Längenbestimmung 
Amerigo Vespuccis nach Mondabstäuden (23. August 1499)“, die im Jahre 1917 in den Nach- 
richten d. k. Ges. d. Wiss. zu Göttingen, mathem.-phys. Kl, S. 264—298, erschienen ist. Wagner 
spricht auch hier stets von der zweiten Reise Vespuccis (S. 265, 288, 296 u. 297) und von ein- 
gehenden Untersuchungen, nach denen jetzt feststeht, daß die Expedition Hojedas, an der Vespucci 
teilnahm, nicht schon im Juni 1500, sondern erst am 8. September heimkehrte (S. 297/298). Da- 
nach glaube ich denn nach wie vor die geübte Kritik wie auch die Bitte um Auskunft über die Art 
dieser neueren Untersuchungen für berechtigt ansehen zu müssen und möchte zum Schluß nur noch 
eine deutsche Autorität anführen, deren Äußerungen mit denjenigen Irvings und Markhams 
übereinstimmen. In seiner „Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen“, Berlin 1881, sagt Sophus 
Ruge zunächst auf S. 324: „In der Zeit vom April 1497 bis zum Mai 1498 finden wir ihn (nämlich 
Vespucei) fast immer unterwegs zwischen Sevilla, dem Sitz des indischen Amts, und dem Hafen 
von San Lucar, von wo Kolumbus aussegeln wollte.“ Und ferner schreibt Ruge S. 325: „Nach dem 
Bericht Vespucecis nahm das Geschwader von Haite aus den Weg durch die Bahama-Inseln, wo 
man, um einen Teil der Ausrüstungskosten decken zu können, 232 Menschen raubte, um sie in Spanien 
als Sklaven zu verkaufen, und kehrte endlich, auf der Fahrt von den Azoren nach den Kanarien ver- 
schlagen, in Mitte Juni 1500 nach Cadix zurück,‘ 
Navigationslehrer Andresen, Geestemünde.
	        
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